Bundesnetzagentur: Autoindustrie warnt vor neuen Hürden für E-Autos
Düsseldorf. Die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen steigt angesichts der Rekordspritpreise aktuell rasant – und damit auch das Potenzial, die Stromer zu Speichern auf vier Rädern zu machen. Mit einem neuen Gesetz will die Bundesnetzagentur, die unter anderem den Energiemarkt überwacht, genau das ermöglichen: E-Autos sollen nicht nur Strom aus dem Netz ziehen, sondern ihn auch wieder abgeben können, wenn er gebraucht wird.
Das sogenannte bidirektionale Laden, auch „V2G“ (Vehicle-to-Grid) genannt, könnte Verbraucher und Staat laut Experten Milliarden sparen und die Strompreise senken. Für die Autoindustrie steht sogar noch mehr auf dem Spiel: Schließlich habe man hier eine Technologieführerschaft „made in Germany“, sagen Brancheninsider, mit der man sich von der chinesischen Konkurrenz absetzen könnte. Durch ein neues Gesetz werde der Vorsprung aber jetzt kaputtreguliert, kritisieren die Hersteller.
Mit ihren Vorschlägen für die „Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten“ (Mispel) sorgt die Bundesnetzagentur für scharfe Kritik aus der Autoindustrie. „Was aktuell seitens der Bundesnetzagentur geplant ist, macht bidirektionales Laden wirtschaftlich unattraktiv. Dadurch wird der Massenmarkt verunmöglicht“, warnt Loic Geipel vom Verband der Automobilindustrie (VDA).
Das wäre eine industriepolitische Niederlage, heißt es aus den Reihen eines großen deutschen Herstellers. Hunderte Millionen Euro habe man investiert – und jetzt, wo die Fahrzeuge endlich so weit seien, gefährde man den Hochlauf dieser Technologie, heißt es dort weiter.
Gemeinsam mit Unternehmen aus der Energiewirtschaft wie Eon, Octopus Energy, Mobility House und Enpal haben die Autokonzerne BMW, Ford und die VW-Stromtochter Elli deswegen einen Brandbrief an die Bundesnetzagentur geschickt. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.