Bundesstaatsanwältin Jeanine Pirro widersetzt sich Trump
Die Renovation des Spiegelbeckens auf der National Mall in Washington hätte eines der Prestigeprojekte von Donald Trumps zweiter Amtszeit werden sollen. Denn das 620 Meter lange Wasserbecken gehört zu den Wahrzeichen der amerikanischen Hauptstadt und ist auch dank Hollywoodfilmen wie «Forrest Gump» im kollektiven Gedächtnis verewigt. Doch plagen den Pool seit Jahrzehnten grosse Unterhaltsprobleme, und das Wasser erinnerte oft an eine sumpfige Brühe. Trump beschloss daher, das Becken einer 14 Millionen Dollar teuren Renovation zu unterziehen, damit das Wahrzeichen rechtzeitig zum 250. Jubiläum der USA am 4. Juli in der blauen Farbe der amerikanischen Flagge erstrahlen würde. Pleiten, Pech und Pannen Doch die Renovation wird von Pleiten, Pech und Pannen verfolgt, weshalb das vermeintliche Prestigeprojekt für Trump zu einem immer grösseren PR-Debakel gerät. Nun kam es sogar zum offenen Streit zwischen Trump und der Bundesstaatsanwältin für Washington, Jeanine Pirro. Der Grund: Pirro, die eigentlich zu den treuen Verbündeten Trumps gehört, hatte eine Anklage gegen einen angeblichen Vandalen fallen gelassen, der nach Ansicht von Trump die Schäden verursacht haben soll. Seinen Anfang nahm das Fiasko im Frühling 2026. Trump entschied sich kurzfristig für die Renovation und wollte sie unbürokratisch bis im Juli abschliessen. Er verzichtete auf eine öffentliche Ausschreibung und eine Zustimmung des Kongresses. Den Auftrag erhielt eine Firma, mit der er bereits beim Bau von Golfplätzen zusammengearbeitet hatte. Doch rasch wurde das Becken vom grössten Algenbefall seit Jahren heimgesucht, weshalb sich das Wasser grün verfärbte. Der Versuch, die Algen mit Wasserstoffperoxid zu entfernen, hatte mässigen Erfolg. Die blaue Beschichtung des Beckens begann abzubröckeln. Doch Trump war überzeugt, Vandalen seien dafür verantwortlich. Jemand habe mit einem Messer einen rund hundert Meter langen Schnitt in die Beschichtung gemacht, erklärte er. Fünf Verdächtige wurden festgenommen, unter ihnen auch der mehrfache Olympiateilnehmer und Kanusportler David Hearn. Der 67-jährige Rentner beteuerte seine Unschuld und erklärte, er habe die lose Beschichtung mit der Hand berührt, aber weder abgerissen noch beschädigt. Dies hinderte die Bundesstaatsanwältin für Washington, Jeanine Pirro, nicht daran, Hearn wegen Sachbeschädigung anzuklagen. Die Staatsanwaltschaft werde dank Expertenaussagen die Schuld des ehemaligen Spitzensportlers zweifelsfrei beweisen, erklärte Pirro bei der Anklageerhebung. Da der finanzielle Schaden als beträchtlich eingestuft wurde, hätte Hearn im Falle einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen müssen. Konfrontation im Weissen Haus Pirro erklärte, der Fall sei für sie selber wie auch für den Präsidenten von grosser Bedeutung. Dass sie damit bei der Anklageerhebung den Anschein erweckte, sie habe im Auftrag Trumps gehandelt, war keine grosse Überraschung. Der Präsident hatte wiederholt deutlich gemacht, dass er wenig von der Unabhängigkeit der Strafverfolgungsbehörden hält, sondern vielmehr Anklagen gegen gewisse politische Gegner erwartet. Zudem gilt Pirro, die früher als Richterin und Moderatorin einer Sendung auf Fox News gearbeitet hatte, als langjährige und enge Verbündete von Trump. Überraschender kam daher die Nachricht vor einer Woche, dass die Bundesstaatsanwältin die Anklage gegen Hearn mangels Beweisen fallen liess. Trump reagierte überaus verärgert. Es sei offensichtlich, dass Vandalen den Reflecting Pool beschädigt hätten, sagte der Präsident. Er warf Pirro Wankelmütigkeit und fehlendes Rückgrat vor: «Sie ist zusammengeklappt wie ein Regenschirm.» Wenige Tage später kam es zur offenen Konfrontation im Weissen Haus. Pirro reiste mit einer Schachtel von Beweismaterial zur Sitzung mit dem Präsidenten und dem Innenminister Doug Burgum, dessen Ministerium für die Verwaltung und den Schutz des gesamten bundeseigenen Landes zuständig ist. Pirro erklärte, die Probleme beim Reflecting Pool seien auf die fehlerhafte Installation durch die Baufirma zurückzuführen, die unter riesigem zeitlichem Druck arbeiten musste. Laut amerikanischen Medien ging es an der Sitzung laut zu und her. Die Staatsanwältin verwies etwa auf eine interne Kommunikation des National Park Service, in der bereits eine Woche vor Hearns Festnahme auf Probleme hingewiesen wurde. Auch dass die Beschichtung nicht nur am Rand abgebröckelt war, sondern auch auf dem Grund des Beckens, machte einen Vandalenakt unwahrscheinlich. Pirro warf Innenminister Burgum vor, er habe Trump die Vandalismus-Theorie bewusst aufgetischt, um vom Versagen seines Ministeriums und der beauftragten Baufirmen abzulenken. Ein Scherbenhaufen Offenbar war Pirro zu dem Schluss gekommen, dass die Anklage vor Gericht chancenlos sein würde, weshalb sie mit dem Rückzieher ihre berufliche Glaubwürdigkeit retten wollte. Das Risiko, bei Trump in Ungnade zu fallen, nahm sie dabei in Kauf. Bereits im Februar war Pirro mit dem Versuch gescheitert, auf Geheiss von Trump sechs Kongressabgeordnete wegen Landesverrats anzuklagen. Sie hatten Videos veröffentlicht, in denen sie Armeeangehörige an ihre Pflicht erinnerten, verfassungswidrige Befehle zu verweigern. Trump steht derweil vor einem Scherbenhaufen. Die Reparaturarbeiten am Reflecting Pool dauern an, die Kosten steigen weiter, und das Becken bleibt abgesperrt. Die Anwälte des fälschlicherweise angeklagten Sportlers verlangen nun eine offizielle Entschuldigung. Dennoch hält der Präsident an der Vandalismus-Theorie fest. Jüngst erklärte er, er sei noch unschlüssig, ob er Pirro feuern oder im Amt belassen werde.