Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Energieverband warnt vor Herausforderungen beim Füllen der Gasspeicher
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat vor Herausforderungen bei der Befüllung der Gasspeicher gewarnt. Das Ziel, bis Anfang November einen Füllstand von 70 Prozent zu erreichen, werde zunehmend schwer erreichbar, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW im Deutschlandfunk. Die Gasspeicher-Füllstandvorgabe sei zwar auf 70 Prozent abgesenkt worden. Dennoch sei auch das eine enorme Herausforderung. Das Ziel sei zwar noch erreichbar – »aber es wird immer enger«, sagte Andreae. Aktuell liegt der Füllstand demnach bei 50 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 67 Prozent. Grund dafür sind demnach die hohen Gaspreise infolge des Irankriegs. Normalerweise kauften Händler Gas im Sommer günstig ein und speicherten es für den teureren Winter ein, sagte Andreae. »Im Moment funktioniert dieser Mechanismus aber nicht, weil wir insbesondere durch den Krieg im Iran, eine Preisentwicklung sehen, die diesen sogenannten Sommer-Winter-Spread nicht ermöglicht«, sagte Andreae. »Es wäre unwirtschaftlich im Moment, Gas vorzuhalten, einzuspeichern.« Kein Unternehmen könne dauerhaft mit Verlust einkaufen. Situation nicht mit 2022 vergleichbar Es sei jedoch kein Vergleich zum Krisenjahr 2022, sagte Andreae. Im Februar 2022 hatte Russland die Ukraine angegriffen; infolgedessen kam es zu Engpässen und Preissteigerungen. Die Situation heute sei »weder bei der Mengenverfügbarkeit noch bei der Preisentwicklung« vergleichbar. Mit dem Aufbau der Flüssigerdgas-Terminals sei eine zweite Versorgungssäule entstanden, die damals noch nicht existiert habe. Außerdem verwies Andreae darauf, dass bestelltes Gas geliefert werde und Haushaltskunden vertraglich abgesichert seien. Sie warnte ausdrücklich vor »einer zu schnellen Panikmache«. Als falschen Weg bezeichnete Andreae staatliche Gaskäufe, wie sie die Bundesregierung 2022 vorgenommen hatte. Der Staat habe sich als Einkäufer betätigt und damit die Preise automatisch in die Höhe getrieben, sagte sie. Stattdessen plädiert die BDEW-Chefin dafür, Einspeicherung über Entlastungen bei Steuern, Abgaben und Umlagen wirtschaftlich attraktiver zu machen. Ziel müsse es sein, dass Gas möglichst lange in den Speichern bleibe und der laufende Bedarf vorrangig unter anderem über Flüssigerdgas-Terminals gedeckt werde.