Bundesweiter Warntag: Warum es heute ab 11 Uhr laut wurde
Wer nimmt am Warntag teil?
Heute um 11 Uhr haben Bund und Länder probeweise ihre Katastrophenwarnsysteme ausgelöst, auch Kommunen konnten sich beteiligen. Die Teilnahme am Warntag war freiwillig. Es kann also sein, dass Kommunen zwar über Sirenen verfügen, diese aber nicht auslösten - oder dass es keine Sirene in der Nähe gibt.
Wer löst die Warnung aus?
Das passiert zentral, über das Modulare Warnsystem des Bundes. Das ist ein öffentliches Warn- und Kommunikationssystem für den Notfall, das vor allem auf die Datenübertragung per Satellit setzt, zur Sicherheit aber auch über Kabel. Daneben können Kommunen eigene Warnkanäle testen.
Wie fällt die Bilanz dieses Jahr aus?
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte sich mit dem Ergebnis zufrieden. "Unsere Warnsysteme funktionieren zuverlässig, erreichen unsere Bevölkerung auf den unterschiedlichsten Wegen und sind wichtiger Teil unseres leistungsstarken Bevölkerungsschutzes", sagte er in einer ersten Einschätzung.
Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zog eine positive erste Bilanz. Es habe sich gezeigt, dass Warnsystem und Warnkanäle zuverlässig funktionierten und im Ernstfall Millionen von Bürgerinnen und Bürgern warnen könnten, erklärte BBK-Präsidentin Grit Tüngler.
Warum gibt es den Warntag?
Um zu testen, ob die Behörden die Bevölkerung im Notfall gut erreichen. Das kann nötig werden bei Naturkatastrophen, wenn Deutschland ein militärischer Angriff droht oder die Bundesrepublik tatsächlich angegriffen wird.
Zudem soll laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) der Warntag das Bewusstsein der Bevölkerung für Warnungen stärken. Wenn Abläufe und Warnwege bekannt sind, falle es im Ernstfall leichter, richtig und schnell zu reagieren. Erstmals gab es den Warntag am 10. September 2020. Grundlage dafür war ein Beschluss der Innenministerkonferenz.
Das BBK führt Umfragen zum Warntag durch, um zu ermitteln, inwieweit das funktioniert. Im vergangenen Jahr wurden demnach nahezu 100 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer über mindestens einen Warnkanal erreicht.
Welche Warnwege gibt es?
Der Alarm wird über Sirenen, digitale Anzeigetafeln, Apps auf dem Handy, den UKW-Rundfunk, das Digitalradio und die Technologie Cell Broadcast verbreitet. Daneben können auch Lautsprecherwagen auf den Alarm hinweisen. Ob das passiert, ist Entscheidung der Kommunen.
Wie schalte ich den Handyalarm ab?
Warnungen der höchsten Stufe 1 lassen sich grundsätzlich nicht abschalten. Der Alarmton hält so lange an, bis der Nutzer die Meldung aktiv vom Display weggewischt oder bestätigt. Wer die Alarmmeldung gar nicht erst erhalten will, kann sein Handy kurz vor 11 Uhr abschalten oder in den Flugmodus versetzen.
Welche Sirenensignale gibt es?
Ein an- und abschwellender Sirenen-Heulton bedeutet Warnung. Ein heulender Dauerton signalisiert das Ende des Probealarms beziehungsweise im Ernstfall, dass die Gefahr vorbei ist.
Wie funktioniert Cell Broadcast?
Bei Cell Broadcast geht die Warnung an alle dafür vorbereiteten Handys in einer bestimmten Funkzelle. Damit werden auch Touristen und andere Menschen mit ausländischen Mobilfunknummern erreicht, die sich gerade in Deutschland aufhalten. Das Verfahren ist - anders als etwa ein Versand per SMS - laut BBK anonym; Mobilfunknummern oder andere Daten der Empfänger müssen nicht bekannt sein.
Ältere Geräte können Cell-Broadcast-Nachrichten jedoch zum Teil nicht empfangen. Das BBK bietet auf seiner Internetseite eine Übersicht der geeigneten Geräte an.
Was ist in diesem Jahr anders?
In diesem Jahr wurden über Cell Broadcast erstmals auch Entwarnungen verschickt. Das funktioniert laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seit Ende November vergangenen Jahres.
Außerdem wurde in diesem Jahr auch über das Digitalradionetz DAB+ gewarnt. Der Automatic Safety Alert soll Hörerinnen und Hörer auch dann erreichen, wenn Mobilfunk und Internet nicht funktionieren - und dazu bei Bedarf auch Radios im Standby-Betrieb anschalten. Das System soll ab diesem Monat eingeführt werden.
Was können die Menschen selbst tun?
Wenn man Warnungen erhalten will, ob Probealarme oder im Ernstfall, sollte das Handy eingeschaltet sein und sich nicht im Flugmodus befinden. Zudem rät die Bundesregierung dazu, das Betriebssystem aktuell zu halten. Daneben gibt es spezielle Warn-Apps wie Nina. Dabei ist es wichtig, einen Ort anzugeben, zu dem man Hinweise erhalten will. Das können auch Hinweise zu ganz lokalen Vorfällen wie Bränden sein.
Mit Material von AFP und dpa