Bundibugyo-Virus: Schnellere Diagnostik und möglicher Kreuzschutz
Zwei Untersuchungen unter Leitung von Forschenden des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) liefern nach Angaben der beteiligten Institute neue Hinweise zur Kontrolle des aktuellen Ausbruchs des Bundibugyo-Virus (BDBV) in der Demokratischen Republik Kongo. Die Arbeiten erschienen in „The Lancet Infectious Diseases“. Die eine Studie beschreibt, wie diagnostische PCR-Tests während eines laufenden Ausbruchs beschleunigt geprüft werden können. Die andere analysiert biologische Eigenschaften des BDBV-Stamms von 2026 und prüft, ob der zugelassene Ebola-Impfstoff VSV-ZEBOV Antikörper hervorbringt, die BDBV im Labor neutralisieren.
BDBV kann schwere hämorrhagische Erkrankungen verursachen. Anders als beim Ebola-Virus (Zaire-Typ) gibt es gegen BDBV derzeit keine zugelassenen Impfstoffe oder spezifischen Therapien. Zertifizierte Ebola-Tests seien nicht auf den Nachweis von BDBV ausgelegt gewesen. Zudem habe zunächst kein Isolat des aktuellen Ausbruchsstamms für eine Testvalidierung zur Verfügung gestanden.
Diagnostik innerhalb von zwei Wochen geprüft
Seit der Covid-19-Pandemie gelten in der EU schärfere Anforderungen an neue Diagnostika. Jeder neue Test muss demnach eine eigene Validierungsstudie durchlaufen. Das könne die Verfügbarkeit während Ausbrüchen verzögern, heißt es aus dem Umfeld der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Am 20. Mai 2026 sei an der Charité ein US-amerikanischer Patient aufgenommen worden, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit BDBV infiziert habe. Aus einem Rachenabstrich isolierten Forschende unter Leitung des DZIF-Wissenschaftlers Christian Drosten virales Erbgut und entwickelten daraus einen Referenzstandard zur Prüfung diagnostischer Tests.
Anschließend sei ein internationales Netzwerk aus neun Laboren gebildet worden. Beteiligt waren demnach Mitgliedseinrichtungen und Wissenschaftler des DZIF, des Nationalen Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) sowie europäischer Forschungskonsortien, darunter Universitätskliniken und Hochsicherheitslabore der Stufe BSL-4. Das Netzwerk untersuchte vier PCR-Testkandidaten von zwei Herstellern. Innerhalb von zwei Wochen seien die Tests analytisch und klinisch geprüft worden; Hinweise auf Kreuzreaktionen seien nicht gefunden worden.
Die Studie zeige, dass ein dezentrales Labornetzwerk rasch belastbare Leistungsdaten liefern und so potenziell die regulatorische Zulassung und Verfügbarkeit von Tests beschleunigen könne. Öffentliche Forschungseinrichtungen und Diagnostikunternehmen müssten dafür eng zusammenarbeiten. Öffentliche Fördermittel könnten die Prüfung von Tests für seltene, aber hochgefährliche Erreger beschleunigen, bei denen kommerzielle Anreize begrenzt seien. Die Arbeit erschien als „Accelerated qualification of diagnostic tests during an ongoing outbreak of Bundibugyo virus disease: a collaborative analytical validation study“ (Best TD et al., Lancet Infect Dis., DOI: 10.1016/S1473-3099(26)00465-2, Epub 2. September 2026, PMID: 42685735).
Kein Hinweis auf effizienteren Zelleintritt – schwächere Neutralisation als gegen Ebola
Die zweite Studie leitete der DZIF-Wissenschaftler Stefan Pöhlmann am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) in Göttingen. Untersucht wurde, ob genetische Unterschiede im Glykoprotein des BDBV-Stamms von 2026 die Fähigkeit des Virus beeinflussen, in menschliche Zellen einzudringen. Das Glykoprotein ist das zentrale Oberflächenprotein und entscheidend für die Infektiosität.
Da Arbeiten mit authentischem BDBV die Sicherheitsstufe 4 erfordern, verwendeten die Forschenden Pseudoviruspartikel mit Glykoproteinen von BDBV-Stämmen der Jahre 2007/08, 2012 und 2026. Nach den Ergebnissen gab es keine Hinweise, dass der Stamm von 2026 effizienter in menschliche Zellen eindringt als frühere Varianten.
Zusätzlich analysierte das Team Serumproben von zehn gesunden Freiwilligen, die den zugelassenen rekombinanten Ebola-Impfstoff VSV-ZEBOV erhalten hatten – vor der Impfung sowie 28 und 180 Tage danach. Nach der Impfung neutralisierten Antikörper der Teilnehmenden Pseudoviren mit den Glykoproteinen aller drei untersuchten BDBV-Stämme, einschließlich des Stamms von 2026. Bei sechs von zehn Geimpften sei zu beiden Zeitpunkten eine spezifische Neutralisierung von BDBV festgestellt worden. Die neutralisierende Aktivität sei jedoch etwa 3,5- bis 3,6-mal geringer gewesen als gegenüber dem Ebola-Virus.
Die Ergebnisse deuten den Autoren zufolge darauf hin, dass der zugelassene Ebola-Impfstoff einen gewissen Kreuzschutz gegen BDBV bieten könnte. Sie stünden im Einklang mit früheren Untersuchungen an nichtmenschlichen Primaten. Die aktuelle Studie sei jedoch mit Pseudoviren im Labor durchgeführt worden. Die Befunde müssten mit authentischem BDBV bestätigt werden und belegten nicht, dass eine Impfung Menschen vor Infektion oder Erkrankung schützt. Die Arbeit erschien als „Pseudovirus-based analysis of host cell entry and vaccine-induced neutralisation of Bundibugyo virus“ (Hoffmann M et al., Lancet Infect Dis. 2026 Sep;26(9):e330-e331, DOI: 10.1016/S1473-3099(26)00407-X, Epub 23. Juli 2026, PMID: 42492560).
Bedeutung für die Ausbruchsvorsorge
Beide Studien ergänzten einander: schnelle Testevaluation, virologische Charakterisierung und immunologische Analysen. Ein frühzeitiger Aufbau internationaler Labornetzwerke, die Bereitstellung von Referenzmaterialien und etablierte regulatorische Verfahren könnten die Zeit zwischen Ausbruchserkennung und verfügbarer Diagnostik sowie möglichen Präventionsmaßnahmen verkürzen.
Wissenschaftliche Ansprechpartner sind Prof. Dr. Christian Drosten (Charité – Universitätsmedizin Berlin) und Prof. Dr. Stefan Pöhlmann (Deutsches Primatenzentrum).
Original paper:
Hoffmann M et al. Pseudovirus-based analysis of host cell entry and vaccine-induced neutralisation of Bundibugyo virus. Lancet Infect Dis. 2026 Sep;26(9):e330-e331. doi: 10.1016/S1473-3099(26)00407-X. Epub 2026 Jul 23. PMID: 42492560.
Best TD et al. Accelerated qualification of diagnostic tests during an ongoing outbreak of Bundibugyo virus disease: a collaborative analytical validation study. Lancet Infect Dis. 2026 Sep 2:S1473-3099(26)00465-2. doi: 10.1016/S1473-3099(26)00465-2. Epub ahead of print. PMID: 42685735.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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