Bürgermeister schließt Freibad zum Höhepunkt der Hitzewelle
Startseite Deutschland Bürger kommen Bitte nicht nach: Bürgermeister verordnet Freibad-Schließung zum Höhepunkt der Hitzewelle Von: Moritz Bletzinger Uns auf Google folgen Pralle Sonne, Temperaturen an die 40 Grad – und das Freibad bleibt zu. So geschehen in Glashütten im Taunus. Nicht alle konnten die Entscheidung nachvollziehen. Glashütten – Zu sommerlich fürs Baden. Während der extremen Juni-Hitzewelle kommt die Wasserversorgung der Gemeinde Glashütten im Taunus (Hessen) an ihre Grenzen und muss durchgreifen. Auch, weil Bürger der Aufforderung, Trinkwasser zu sparen, offenbar nicht nachkamen. Was ist passiert? Schon zwei Tage vor dem Hitze-Wochenende (27./28. Juni) hatte der Gemeindevorstand Alarm geschlagen: Die Wasserversorgung habe kritische Verbrauchswerte erreicht. Bei anhaltender Trockenheit und Hitze stieg der Frischwasserverbrauch im Juni demnach tagtäglich. Bis auf 150 Liter pro Person am Tag. Normalerweise liegt er im Mittel bei ca. 105 Litern am Tag, rechnet das Bauamt auf Nachfrage des Münchner Merkur von Ippen.Media vor. Wasserverbrauch viel zu hoch: Gemeinde meldet große Probleme im Hitze-Juni „Viel zu hoch“, stellt die Gemeinde klar und die Wasserampel auf Gelb-Rot. „Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, ihren Frischwasserverbrauch sorgsam zu gestalten.“ Eine Allgemeinverfügung, die den Umgang mit Wasser regelt, will Bürgermeister Thomas Ciesielski umgehen. Dafür müssen aber alle mitmachen. Wassersparen ist angesagt, was so übrigens auch für Münchner gilt. Das Problem: Die Gemeinde Glashütten regelt ihre Wasserversorgung autark und ist nicht an einen Verband angeschlossen. Fünf Tiefbrunnen fördern das Wasser aus bis zu 150 Metern Tiefe und pumpen es in einen Hochbehälter. Das Wasser aus der Leitung ist also durch physikalische Grenzen limitiert, nicht unbegrenzt verfügbar. Bürgermeister verkündet Freibad-Schließung zum Höhepunkt der Hitzewelle Einige konnten oder wollten das während der Hitzewelle, die ja so viele ins Freibad lockt, aber offenbar nicht wahrhaben. Am Sonntag (28. Juni) griff Bürgermeister Ciesielski ein. „Trotz der in den vergangenen Tagen mehrfach veröffentlichten Hinweise und eindringlichen Appelle zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser ist leider keine spürbare Veränderung des Verbrauchsverhaltens eingetreten“, schrieb er in einem Facebook-Eintrag. Die Konsequenz: „Das Schwimmbad bleibt heute geschlossen!“ Die Filteranlage im Freibad Schloßbrunn könne nicht betrieben werden, ohne die Brandreserven zu gefährden, erklärt Ciesielski im Beitrag weiter. Sein dringender Appell: „Nur wenn wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen und unseren Wasserverbrauch deutlich reduzieren, können weitere Einschränkungen vermieden werden.“ Gärten und Rasen sollen nicht bewässert und größere Pools nicht befüllt werden. Freibad-Schließung in Glashütten im Taunus entfacht emotionale Debatte Unter dem Facebook-Post entbrannte prompt eine emotionale Debatte. „Für mich ist das alles eine einzige Bankrotterklärung“, schreibt eine Bürgerin, „das Schwimmbad macht dicht, Bürger rufen dazu auf, sich gegenseitig zu kontrollieren.“ „Lächerlich. Was hat das mit dem Schwimmbad zu tun?“, fragt eine andere. Und eine Frau gibt zu bedenken: „Wenn ihr das öffentliche Schwimmbad schließt, werden die Leute ihre privaten Pools erst recht befüllen. Und wer keinen hat, muss öfter unter die Dusche.“ Es melden sich aber auch viele, die die Entscheidung der Freibadschließung nachvollziehen können. „Sehr umsichtig und konsequent. Das dürfte nicht jedem Bürger gefallen. Vielleicht werden Menschen daraufhin für einen verantwortungsvolleren Umgang mit unserem wertvollen Gut sensibilisiert“, schreibt eine Frau. Ein Bürger stellt fest: „Tja, die Reserve für einen möglichen Brand und die Belieferung mit Trinkwasser sind maßgeblich! Der Egoismus wächst ins Unermessliche!“ Freibad schließt sogar mehrere Tage – Gemeinde hat Verständnis, dass sich viele ärgern Die Stimmung kocht und am Tag darauf folgt die nächste schlechte Nachricht: Das Freibad Schloßbrunn bleibt voraussichtlich bis einschließlich Mittwoch (1. Juli) geschlossen. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, dass das Wasser an sich fehlt. Die Pumpen sind am Limit. Sie müssen sich von der Volllast erholen und für eine Zeit abgeschaltet werden. Sonst droht laut Bauamt eine Verockerung (Sauerstoff gelangt beim Pumpen ins Grundwasser. Dadurch oxidiert das darin enthaltene Eisen, legt sich als zähe Ablagerung auf die Filterstrecke und setzt der Anlage zu). „Der Verbrauch muss insgesamt gedrosselt werden“, sagt der zuständige Gemeindemitarbeiter. Sonst fällt der Brunnen irgendwann ganz aus. In Glashütten ist sich die Gemeinde indes bewusst, dass die Freibadschließung zur Hitzezeit bei vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht gut ankommt. „Wir wissen natürlich, dass sich viele, auf einen Schwimmbadbesuch in Schloßborn freuen, und ich sowie alle beteiligten Mitarbeiter der Verwaltung haben großes Verständnis dafür, dass Sie sich über die Schließung unseres Freibades ärgern“, schreibt Bürgermeister Ciesielski. Die Maßnahme sei aber leider notwendig, um die Versorgungssicherheit mit Trinkwasser sicherzustellen.