BVB im Wandel: Borussia Dortmund setzt auf eine neue Strategie
Wandel beim Vizemeister Dortmund kehrt zu den eigenen Wurzeln zurück Von Jan Schultz 13.07.2026 - 17:11 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Der BVB startet mit vielen Veränderungen im Kader in die Saisonvorbereitung. Dahinter steckt ein Strategiewechsel, der an erfolgreiche Zeiten erinnert. Der Startschuss ist gefallen. Am Sonntag kamen die Profis von Borussia Dortmund erstmals seit dem Ende der vergangenen Bundesligasaison wieder zusammen. Zum Auftakt der Vorbereitung auf die neue Spielzeit, zunächst noch ohne die WM-Fahrer, stand die Leistungsdiagnostik an. Ab Dienstag, wenn die Mannschaft erstmals mit dem Ball auf dem Platz trainiert, gibt es für die Beobachter auch ohne die Nationalspieler reichlich zu sehen. Der BVB präsentiert sich zwar nicht runderneuert, aber doch mit neuer Ausrichtung. Deutlich wird das allein schon beim Blick auf die Transferbewegungen des Sommers. Die Verträge mit den langjährigen BVB-Profis Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan wurden nicht verlängert. Kjell Wätjen, Julien Duranville und Cole Campbell, allesamt Talente, die in Dortmund den Sprung nach oben nicht gepackt haben, wurden verkauft. Vor dem Abschied stehen auch die in ihren Leistungen zu selten überzeugenden Karim Adeyemi sowie Yan Couto, deren Abgänge vor allem den finanziellen Handlungsspielraum erweitern sollen. Wechsel nach Spanien: Barcelona-Präsident bestätigt Adeyemi-Transfer Plötzlich anderer Klub: Überraschende Wende bei Bundesliga-Star Demgegenüber stehen die Verpflichtungen der drei Teenager Joane Gadou, Kauã Prates und Justin Lerma. Mit Mussa Kaba, Mathis Albert und Samuele Inácio rücken drei weitere Teenager fest in den Profikader auf, die in der Vorsaison teils schon erste Bundesliga-Minuten sammeln durften. Der Trend ist also klar: Borussia Dortmund wird jünger, will wie in den erfolgreichen Jahren unter Jürgen Klopp verstärkt auf vielversprechende Talente setzen, anstatt Bundesliga-erfahrene Mittzwanziger aus Stuttgart, Mönchengladbach oder Bremen zu holen. Es ist eine Ausrichtung, wie sie nach Empfinden von CEO Carsten Cramer für den BVB nur logisch ist. "Wir werden wieder mehr in Werte investieren müssen, das ergibt sich aus unserer DNA. Wir sind der Verein, der entwickelt, der Spieler besser macht", erklärte er im Gespräch mit dem "Kicker". Der Klubboss erklärte zwar, "jetzt nicht nur 19-Jährige verpflichten" zu wollen, betonte aber: "Wir sind ein Verein, der Potenziale hebt und Fantasie weckt, das muss sich auch in der Transferpolitik widerspiegeln." Den Grundstein dafür hat die Borussia nicht in diesem Sommer, sondern bereits im Frühjahr gelegt. "Es war kein Zufall, dass wir Ole Book als Sportdirektor geholt haben", sagte Cramer. Neu-Sportdirektor Book steht sinnbildlich für den BVB-Wandel Nils-Ole Book, der Ende März von der SV Elversberg nach Dortmund gekommen ist, steht für die Weiterentwicklung von jungen Talenten, die andere Vereine oftmals gar nicht auf dem Zettel haben. So hat er seinen Ex-Klub von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga geführt, zwei Monate nach Books Abschied ist Elversberg gar ins Oberhaus aufgestiegen. Und so blickte auch Lars Ricken im Rahmen der Vorstellung auf seinen neuen Kollegen. "Wir haben großes Vertrauen in Ole und seine Expertise, wenn es darum geht, kreative und mutige Ideen auf dem Transfermarkt zu entwickeln", sagte der Geschäftsführer Sport und lobte vor allem Books Fähigkeiten, in der Vergangenheit "viele junge Talente entwickelt und gleichzeitig Kaderwerte geschaffen" zu haben. Der Sportdirektor selbst weiß, was von ihm verlangt wird: "Wir werden versuchen, Perlen zu finden, die Borussia Dortmund besser machen." Die bisherigen Wechsel passen dazu, wenngleich Lerma kein Book-Transfer ist. Seine Verpflichtung tütete der Klub schon vor zwei Jahren ein – auf die Ankunft musste der BVB aber warten, bis der Ecuadorianer 18 Jahre alt wurde. Auch der Japaner Takato Yamamoto, der zur neuen Saison die U23 verstärkt, könnte eine solche Perle sein. Weitere sollen folgen. "Wir sind noch dabei, die Mannschaft final zu bauen", deutete Cramer weitere Zugänge an. Konstantinos Karetsas könnte ein solcher sein. Der 18-jährige offensive Mittelfeldspieler gilt als hochveranlagt, wäre bei einer geforderten Ablösesumme von 35 Millionen Euro aber keinesfalls ein Schnäppchen. Der BVB will den den in Belgien geborenen griechischen Nationalspieler dem Vernehmen nach trotzdem unbedingt holen. Auf dem Wunschzettel stand zunächst auch Herthas Kennet Eichhorn, das Toptalent ist aber in Leverkusen gelandet. BVB hat keine Eile bei Kovač-Gesprächen Anders als in der Vergangenheit, als angehende Superstars wie Ousmane Dembélé, Erling Haaland oder Jude Bellingham schnell mit Gewinn weiterverkauft wurden, sollen Hoffnungsträger künftig länger in Dortmund bleiben. "Wir wollen nicht immer nur junge Spieler entwickeln, damit wir sie morgen verkaufen, sondern sie auch mal bis übermorgen oder überübermorgen bei uns behalten", erklärte Cramer seine Vision. "Denn am Ende geht es darum, erfolgreich Fußball zu spielen." Loading... Loading... Loading... Was die Borussen trotz des Wandels nicht wollen, ist eine Veränderung auf der Trainerbank. Zumindest nicht in diesem Sommer. Niko Kovač hat sich in der Vergangenheit nicht den Ruf als großer Talenteförderer erarbeitet, baute im Schlussspurt der abgelaufenen Saison aber zunehmend Youngster ein. "Man muss mir nur zeigen, dass man gewillt ist. Dann hat man mich schon", erklärte der Deutsch-Kroate im April und lobte Inácio als "fleißig". Der Vertrag des Trainers läuft noch bis zum Sommer 2027, Grund zur Eile sehen beide Seiten nicht. Der Klub werde "genau wie im letzten Jahr rechtzeitig die Gespräche aufnehmen", betonte Cramer. Er nehme Kovač diesbezüglich als "tiefenentspannt" wahr. Dabei sind die Herausforderungen, denen der BVB gegenübersteht, enorm. "Der internationale Wettbewerb wird jedes Jahr brutaler", weiß Cramer. "Wir sind gerade auf der Kante der europäischen Top 10. Wenn wir das halten und nicht auf Platz 15 heruntergereicht werden wollen, dann müssen wir den nächsten Schritt gehen." Dabei sind mit einer verjüngten Mannschaft "auch mal Rückschläge" zu erwarten. Für den Klubboss ist der Anspruch dennoch klar: Borussia Dortmund soll "der angriffslustige, ambitionierte, außergewöhnliche, unmögliche Außenseiter im europäischen Fußball bleiben". Ein Ausrufezeichen kann der BVB gleich im ersten Pflichtspiel der Saison setzen. Am 22. August empfängt die Borussia im Rahmen des Supercups den FC Bayern.