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BYD setzt VW, BMW und Mercedes mit Rabatten unter Druck

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Bis zu 47 Prozent Preisvorteil: Wie die Politik BYDs Angriff auf deutsche Autobauer verschärft

Von: Marcel Reich

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Ein chinesischer Autobauer greift deutsche Hersteller in einem Segment an, das lange als ihre Stärke galt. Die Rabatte fallen teils drastisch aus.

München – Auf dem deutschen Automarkt verschärft sich der Preiskampf. Ausgerechnet bei Plug-in-Hybriden, die deutsche Hersteller jahrelang als wichtige Brückentechnologie auf dem Weg zur Elektromobilität positioniert haben, setzt der chinesische Autobauer BYD Volkswagen, BMW und Mercedes zunehmend unter Druck.

Eine neue Analyse des Center Automotive Research von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zeigt, wie aggressiv inzwischen um Kunden geworben wird. Bei den 15 untersuchten Plug-in-Hybrid-Modellen liegen die Nachlässe im August im Durchschnitt bei knapp 20 Prozent. Ermittelt werden die Rabatte anhand von Angeboten bei Internetvermittlern.

BYD dreht an der Preisschraube

Besonders stark dreht BYD an der Preisschraube. Beim BYD Seal 6 DM-i Touring Boost mit einem Listenpreis von 42.990 Euro ermittelt das CAR einen Rabatt von 31,8 Prozent. Damit sinkt der Transaktionspreis auf 29.320 Euro. Für den BYD Seal U DM-i Boost errechnen die Forscher einen Nachlass von 27,5 Prozent. Statt 39.990 Euro werden demnach 28.990 Euro fällig.

Damit liegt BYD teilweise deutlich vor vielen Konkurrenten. Beim BMW 530e beträgt der ermittelte Rabatt 24,9 Prozent, beim VW Tiguan eHybrid 20,6 Prozent. Der Skoda Kodiaq PHEV kommt auf 21 Prozent, die Mercedes E-Klasse E 300 e auf 16 Prozent. Über alle 15 untersuchten Plug-in-Hybride hinweg beträgt der durchschnittliche Listenpreis laut CAR 56.107 Euro. Nach den berücksichtigten Rabatten bleiben im Schnitt 45.373 Euro übrig.

Plug-in-Hybride werden zum Preiskampf-Segment

Für die deutschen Hersteller ist der Vorstoß besonders heikel. Plug-in-Hybride galten lange als eine Domäne der heimischen Autobauer: leistungsstarke Verbrennungsmotoren kombiniert mit einem zusätzlichen Elektroantrieb. Gerade für Firmenwagenfahrer und Kunden, die noch nicht vollständig auf ein reines Elektroauto wechseln wollten, waren sie ein strategisch wichtiges Angebot.

BYD verfolgt nach Einschätzung des CAR dagegen eine andere Strategie. Der chinesische Hersteller setzt auf vergleichsweise einfache Verbrennungsmotoren, mittelgroße Batterien und vor allem niedrige Preise. Damit verschiebt sich der Wettbewerb. Es geht nicht mehr nur um Reichweite, Leistung oder Markenimage, sondern immer stärker um den tatsächlichen Kaufpreis nach Rabatt.

BYD war bereits Nummer eins bei Plug-in-Hybriden

Dass diese Strategie funktioniert, zeigen die Zulassungszahlen. Im Mai erreichte BYD nach CAR-Berechnungen einen Anteil von 15,4 Prozent an allen neu zugelassenen Plug-in-Hybriden in Deutschland. Mit 4290 Fahrzeugen landete der Hersteller in diesem Monat sogar auf Platz eins des PHEV-Marktes.

Der Aufstieg verlief auffällig schnell. Im März hatte BYD mit 2300 Zulassungen erst Rang sechs belegt. Im April waren es bereits 2830 Fahrzeuge und Rang vier. Im Juni kam BYD auf 3930 Plug-in-Hybride und Platz drei, im Juli auf 3289 Fahrzeuge und Platz vier. Der Marktanteil im Segment lag zuletzt bei 10,7 Prozent.

Chinesischer Hersteller greift deutsche Domäne an

Damit hat sich der chinesische Hersteller binnen weniger Monate weit nach vorne gearbeitet – ausgerechnet in einem Segment, das von deutschen Konzernen lange als strategisch besonders wichtig betrachtet wurde. Für VW, BMW und Mercedes ist das ein Warnsignal: Der Wettbewerbsdruck aus China beschränkt sich nicht mehr auf reine Elektroautos.

BYD greift inzwischen auch dort an, wo deutsche Hersteller bisher auf ihre technische Erfahrung und ihre Markenstärke setzen konnten. Wenn ein chinesischer Anbieter bei Plug-in-Hybriden mit deutlich niedrigeren Transaktionspreisen Marktanteile gewinnt, wird der Spielraum für die etablierten Hersteller enger. Sie müssen entscheiden, ob sie selbst stärker rabattieren oder ihre Modelle über Ausstattung, Marke und Leasingangebote verteidigen.

Dudenhöffer sieht Export von Chinas Preiskrieg

Autoexperte Dudenhöffer sieht hinter dem Erfolg allerdings nicht nur attraktive Modelle, sondern einen größeren wirtschaftlichen Zusammenhang. Der chinesische Automarkt steht nach Einschätzung des CAR unter erheblichem Druck. Nach 23,9 Millionen Fahrzeugverkäufen im Jahr 2025 erwartet das Institut für 2026 nur noch etwas mehr als 20 Millionen Verkäufe.

BYD habe im ersten Halbjahr 2026 auf seinem Heimatmarkt rund 1,02 Millionen Fahrzeuge verkauft – etwa 40 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig seien die Exporte um mehr als 70 Prozent auf rund 790.000 Fahrzeuge gestiegen. Für Dudenhöffer ist das eine Erklärung für die aggressive Preispolitik in Europa. Das CAR spricht von einer Art „Export des Preiskriegs aus China“.

Deutschland bekommt Chinas Überkapazitäten zu spüren

Schwächere Verkäufe im Heimatmarkt treffen auf hohe Produktionskapazitäten und erhöhen den Druck, Fahrzeuge auf anderen Märkten abzusetzen. Deutschland bekommt diese Entwicklung nun unmittelbar zu spüren. Chinesische Hersteller können über hohe Rabatte versuchen, schnell Marktanteile zu gewinnen und ihre Werke auszulasten.

Für deutsche Autobauer ist das besonders schwierig. Sie kämpfen zugleich mit hohen Kosten, teuren Produktionsstandorten, dem Umbau zur Elektromobilität und schwächeren Märkten. Wenn zusätzlich chinesische Wettbewerber mit aggressiven Preisen in ihre Kernsegmente drängen, verschärft sich der Druck auf Margen und Auslastung.

Staatsprämie kann Preisvorteil deutlich vergrößern

Besonders brisant ist nach Ansicht der Autoren die staatliche Förderung von Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Für förderfähige Plug-in-Hybride beträgt die staatliche Unterstützung je nach Einkommen und Kinderzahl zwischen 1500 und maximal 4500 Euro. Die Fahrzeuge müssen dafür bestimmte Voraussetzungen etwa bei CO₂-Ausstoß oder elektrischer Reichweite erfüllen.

Rechnet das CAR den maximal möglichen Zuschuss zu den ohnehin gewährten Rabatten hinzu, ergeben sich bei verschiedenen BYD-Modellen rechnerische Preisvorteile von deutlich mehr als 40 Prozent gegenüber dem Listenpreis. In der CAR-Auswertung reichen sie je nach Modell von rund 38 bis 47 Prozent.

Nicht jeder Käufer bekommt volle Förderung

Wichtig ist allerdings: Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um einen Rabatt des Herstellers oder Händlers. In diese Rechnung fließt bereits die maximal mögliche staatliche Förderung ein. Nicht jeder Käufer erfüllt die Voraussetzungen für die volle Fördersumme. Das CAR bezeichnet die Werte deshalb als mögliche Obergrenzen.

Trotzdem ist der Effekt politisch brisant. Dudenhöffer kritisiert, dass die deutsche Förderung in dieser Marktlage besonders preisaggressive Angebote noch attraktiver machen kann. Während auf europäischer Ebene über eine Begrenzung chinesischer Autoimporte diskutiert werde, trage die deutsche Förderung gleichzeitig dazu bei, den Preisvorteil einzelner Anbieter zu vergrößern.

CAR kritisiert staatliche Elektroauto-Förderung

Das CAR kommt deshalb zu einem ungewöhnlich harten Fazit. Die staatliche Prämie sei in der derzeitigen Situation kontraproduktiv. Sie verstärke aus Sicht der Autoren einen Preiswettbewerb, den chinesische Hersteller bereits aus ihrem Heimatmarkt nach Europa trügen.

Dabei beschränkt sich die Kritik nicht auf Plug-in-Hybride. Auch bei reinen Elektroautos beobachtet das CAR einen aus seiner Sicht unerwünschten Effekt. Im Dezember 2025, also vor der Förderung, lag der durchschnittliche Transaktionspreis eines Elektroautos in der CAR-Auswertung noch 1328 Euro über dem eines vergleichbaren Verbrenners. Im August 2026 beträgt der Abstand 2249 Euro.

Förderung kommt laut CAR nicht voll beim Kunden an

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