Campino bei „Inas Nacht“: Tennis, die Toten Hosen und Weinschorle
In der NDR-Unterhaltungssendung „Inas Nacht“ sind am Donnerstagabend wie gewohnt zwei Gäste eingeladen. Zuerst ist die Moderatorin und Sängerin Barbara Schöneberger dran: Moderatorin Ina Müller spricht mit der Entertainerin über deren Liebe zu Schweden, über Baulärm und gute Gespräche mit Frauen. Zum Frauenplausch stößt dann der Sänger der Toten Hosen hinzu, den Müller zum Beginn der Sendung als „meinen Lieblings-Campino“ angekündigt hatte. Erst mal feiert die Moderatorin Campinos überbuchte Gastvorlesung und will wissen, ob die Band auch gekommen sei. „Ja, damit der Saal voll wird, ne?“, witzelt der Sänger. In der Kulisse der Sendung – der Hamburger Hafenbar Zum Schellfischposten – gehört die Getränkefrage zum Einstiegsritual. Campino tut sich schwer. Er wolle vorsichtig einsteigen: Schorle. Dann sagt er: „Mach einfach mal was rein“. Müller glaubt sich zu erinnern, dass Campino bei früheren Auftritten in der Sendung „immer Weinschorle“ getrunken habe. „Das hat aber nicht immer geklappt“, sagt Campino. „Ich war am Ende immer richtig dicht.“ Die Idee, es sei nur eine Schorle, habe ihn schon manchen Abend und manche Entschuldigung gekostet. So freut sich Campino, hier wieder eingeladen zu sein. Müller sinniert darüber, ob sie auch zu einer Vorlesung eingeladen werden könnte. Campino macht ihr Hoffnung und schlägt das Thema Showbiz vor. Nun will Schöneberger wissen, worüber Campino geredet habe. „Über Lyrik und Texte und was ich so besonders mag“, sagt er. „Und dann auch KI.“ Dann will Müller aber Tacheles reden: „Warum macht ihr jetzt das letzte Album“, fragt sie, „das tut doch gar nicht Not?“ Der Frontmann der Toten Hosen wiegelt ab. „Da gibt’s gar keine richtige Erklärung“, sagt er und verweist auf ein Gefühl. Er wisse, dass es richtig sei. Campino deutet an, dass dies nicht alle Bandkollegen so empfanden. Es habe aber niemand vom Vetorecht Gebrauch gemacht. Wichtig sei, den Schlusspunkt selbst zu setzen – „möglichst in einem Moment, der nicht peinlich ist“. Postwendend fragt Müller, ob Campino schon das Golfspielen angefangen habe. Der räumt ein, er habe es einmal versucht und Spaß daran gehabt. Trotzdem sei es nicht sein Sport, im Gegensatz zu Minigolf. Stattdessen habe er vor etwa sieben Jahren das Tennisspielen für sich entdeckt – in einem „langweiligen“ Urlaub in einem Hotelressort in Malaysia. Zum Thema Bandstreit weicht Campino abermals aus. „Ach ja, das ist wie in einer Familie, da scheppert es auch mal“, sagt der Düsseldorfer. Er kläre Streitigkeiten gern, bevor er schlafen gehe. Andere könnten das klärende Gespräch auf den nächsten Tag verschieben. „Das macht mich wahnsinnig“, sagt Campino. Er glaubt von sich, auch nach schlimmen Bemerkungen recht schnell sagen zu können: Schwamm drüber. Das führt der Hosen-Frontmann darauf zurück, mit fünf Geschwistern aufgewachsen zu sein: „Wenn du aus einer Großfamilie kommst, ist Umarmen und Kriegserklärung schneller aus dem Ärmel geholt.“ Nach Anekdoten von Kletterei auf Traversen, Verstärkern und Fensterbrettern sagt Campino: „Das war gut, aber auch kindisch.“ Als er Vater geworden war, habe er sich gesagt, „wegen so einem Quatsch“ dürfe er nicht sein Leben riskieren. Sein heute 22-jähriger Sohn sei nicht wie er in diesem Alter: Er studiert, liebt Hiphop, ist aber „zum Glück jetzt doch Fußballfan geworden“. Beim Thema Familie geht es natürlich auch um Campinos aus England stammende Mutter. Wenn sie sauer wurde, habe sie auf die englische Sprache gewechselt, erzählt er. Daraufhin fragt Müller, ob er sich mit einem frühen Gast, dem Oasis-Sänger Liam Gallagher, hätte unterhalten können. Campino windet sich. Er hätte das vielleicht gekonnt, aber wohl nicht gewollt. „Der ist aus Manchester“, sagt der Sänger, dessen Herz für den Liverpool FC schlägt. Zwischen den beiden britischen Städten und ihren Fußballvereinen besteht eine tiefe Rivalität. Zur Sendung gehört, dass die Gäste singen. „Es war nie meine Stärke, im Fernsehen Lieder zu spielen“, sagt Campino widerstrebend. Das Problem: Nur ein Lied, und es muss klappen. „Wenn du eine Show spielst, kannst du noch was rausholen, mit einem dummen Spruch und so.“ Ehe er sich live mit den Bandkollegen der Toten Hosen an die Arbeit macht, muss Campino noch seinen Schnürsenkel binden. Sicherheit geht vor. Kleidung ist auch ein Gesprächsstoff: Zum Staatsbankett beim britischen König Charles hatte Campino Frack getragen – und Spott geerntet. „Das war da die Kleiderordnung“, sagt er. „Ich wäre mir blöd vorgekommen, wenn ich da als einziger in T-Shirt und kurzer Hose gesessen hätte.“ Zum Schluss gibt es auf Bierdeckel geschriebene Fragen aus dem Publikum. Das fängt schon schwierig an. Wer der Schlauste der Toten Hosen sei, will Campino nicht sagen – um niemanden aus seiner Band zu vergrätzen. Ob die Bandmitglieder gemeinsam zur Vorsorgeuntersuchung gehen, taugt als Witzvorlage besser: „Nein, aber wir tauschen die Ergebnisse aus.“ Aber als Campino damit punkten will, dass er in der Familie schon immer „der Müllmann“ gewesen sei, macht er sich selbst zur Witzvorlage. „Wow“, sagt Schöneberger, „wie oft macht man das, 20, 30 Mal am Tag? Das hält sich ja die Waage, der Mann bringt 30 Mal am Tag den Müll raus, und die Frau macht den Rest – das ist nur fair.“