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Carlos Alcaraz: Es könnte um seine Karriere gehen

Sport

Rätsel um Tennis-Star Alcaraz Die Folgen könnten verheerend sein Von David Digili Aktualisiert am 16.08.2026 - 16:16 UhrLesedauer: 7 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Der spanische Tennis-Superstar muss sein Comeback erneut verschieben. Auch die US Open stehen infrage. Alcaraz und sein Team zögern – das hat besondere Gründe. Die Nachricht erregte Aufsehen in der Tenniswelt: Carlos Alcaraz hat am Mittwoch seine Teilnahme am Masters-Turnier in Cincinnati abgesagt – und ließ damit aufhorchen. Denn der Wettbewerb, der vom 13. bis zum 23. August ausgetragen wird, gilt als Generalprobe für die US Open in New York, die eine Woche später starten. Es ist das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres – und nun steht mehr denn je infrage, ob der junge Spanier es denn bis dahin schafft mit seinem Comeback. Seine Titelverteidigung im "Big Apple", wo er neben 2025 auch schon 2022 triumphieren konnte, ist ungewisser denn je. Die Zeit wird knapp. Denn vier Monate ist es her, dass Alcaraz sein letztes Match bestreiten konnte: Beim Sandplatz-Event in Barcelona Mitte April hatte er sich die Verletzung am rechten Handgelenk zugezogen. Der Fachbegriff: Tenosynovitis – eine Entzündung der Sehnen und anliegenden Sehnenscheide, verursacht durch extreme Belastung. Mögliche Symptome und Folgen: Schmerzen im Handgelenk, Schwellungen, Schmerzen bei repetitiven Bewegungen. Gerade für einen Spieler wie Alcaraz, der auch von seiner Kraft und Explosivität in den Schlägen profitiert, fatal. "Besser als Gold": Zweifacher Olympiasieger erstmals Vater geworden Chaos bei Leichtathletik-EM: Polizeieinsatz hält Athleten und Tausende Fans stundenlang fest Seitdem fällt er aus, hatte den Arm anfangs sogar in einer Bandage – die Blessur und ihre Folgen verunmöglichten ihm ein zeitnahes Comeback auf der Tour und bereiten ihm offenbar noch weiter Probleme. So verpasste er erst die French Open im Juni – die doch eigentlich sein Turnier sind, auf dem Sand von Paris gilt der 23-Jährige als legitimer Nachfolger seines legendären Landsmanns Rafael Nadal. Auch hier war er Titelverteidiger, musste zusehen, wie der Deutsche Alexander Zverev in Abwesenheit des großen Favoriten seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann. Alcaraz' lange Pause hat indes auch wiederholt Folgen für Zverev. In der Weltrangliste liegt der Hamburger seit dieser Woche wieder knapp hinter dem Spanier. Zverev, der aktuell in Montréal wieder ins Turniergeschehen einsteigt, kann seinen Rivalen aber schnell wieder verdrängen und sich womöglich sogar klar absetzen. Als Titelverteidiger in Cincinnati verliert Alcaraz in der Weltrangliste die 1.000 Punkte aus dem vergangenen Jahr. Im Falle einer US-Open-Absage würde der Vorjahreschampion sogar weitere 2.000 Punkte einbüßen. Zverev hat in New York angesichts seines Drittrunden-Ausscheidens 2025 nicht viele Punkte zu verteidigen. "Ich dachte: Oh, das ist kein gutes Zeichen" Im Juli kam auch das Aus für Wimbledon und damit einhergehend auch für die komplette Rasen-Saison. Beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft immerhin hatte er einen Gastauftritt, trug den WM-Pokal ins Stadion, und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Partie ausgerechnet in New York stattfand – dort, wo er nun in wenigen Wochen wieder an den Start gehen sollte. Was dort aber auffiel: Alcaraz trug bei seinem Auftritt einen Schutz am betreffenden rechten Handgelenk. Die Fachwelt ist sich uneins. "Zuerst dachte ich: Oh, das ist kein gutes Zeichen", sagte der frühere Weltranglistenerste Andy Roddick in seinem Podcast. "Aber dann wiederum: Wenn viele Leute um mich herum wären und ich eine Handgelenksverletzung hatte, würde ich hundertprozentig ein Zeichen tragen, das signalisiert: Versuch nicht, mir die Hand zu schütteln." Roddick bemerkte weiter: "Es macht nicht den Eindruck, als würde er es mit seinem Comeback überstürzen. Er hat ja auch keinen Zeitrahmen dafür abgesteckt." Boris Becker äußerte Zweifel Tatsächlich beschränken sich die Informationen aus dem Alcaraz-Lager seit seiner Verletzung auf ein paar Posts in den sozialen Medien, die ihn beim zaghaften Training zeigen, von der für ihn so typischen Wucht und Dynamik ist dabei nichts zu sehen. Details zu seiner Fitness, zum Stand seiner Reha – Fehlanzeige. Die Stille ist auffällig. Fragen bleiben offen. Schon vor wenigen Wochen bemerkte Boris Becker in seinem gemeinsamen Podcast mit Andrea Petković: "Wenn er Mitte Juli noch nicht mal einen Ball sachte schlagen kann – ob das mit Cincinnati und den US Open was wird? Ich bezweifle es." Ist die Verletzung doch schlimmer als vermutet? "Die Cincinnati-Absage war sorgsam überdacht, keine spontane Entscheidung", schrieb dafür der gut informierte spanische Tennisjournalist Germán Abril bei X. Er fügte an: "Diese Absage ist kein Anzeichen für Probleme." Und weiter: "Die Reha verläuft positiv, aber Cincinnati wäre noch zu früh gekommen. Es ging darum, kein Risiko einzugehen, besonders mit den US Open in Reichweite." Tatsächlich schien Alcaraz die Intensität zuletzt doch etwas steigern zu können. Loading... Loading... Loading... Empfohlener externer Inhalt Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen X -Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren X -Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren. X-Inhalte immer anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen. Sein Kollege José Morón schreibt dagegen von einem "schweren Schlag". Alcaraz sei "immer noch nicht bereit, obwohl er zuletzt Fortschritte gemacht hat. Es bleibt abzuwarten, ob er an den US Open teilnimmt oder nicht." Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Und dass Alcaraz kein Wagnis eingehen will, ist begründet. Gerade bei Problemen an Hand oder Handgelenk sind Tennisspielerinnen und -spieler alarmiert. Alcaraz und sein Team um Trainer Samuel López wissen: Eine falsche, verfrühte, überhastete Entscheidung – und es könnten unvorhersehbare Folgen drohen. Mit erst 23 Jahren hat Alcaraz eine erhebliche Verletzung ausgerechnet an dieser kritischen Stelle. Dabei spielt ein Faktor wohl eine große Rolle: "Der ganzen Problematik zugrunde liegt die Frage: Ist die Belastung für Tennisspieler mittlerweile zu hoch? Und da müssen Sie einfach nur auf den vollen Terminkalender schauen", sagt Dr. Thorsten Dolla im Gespräch mit t-online. Der erfahrene Facharzt für Orthopädie weiß, wovon er spricht: Dolla arbeitet seit vielen Jahren auch im Sport, war lange Mannschaftsarzt des Berliner Fußballklubs Hertha BSC, betreute auch in anderen Sportarten zahlreiche Teams und Einzelsportler, ist bei Großveranstaltungen in der Hauptstadt im Einsatz. "Ich kann es mir nicht vorstellen" Dass Alcaraz bei den US Open noch an den Start geht, hält er nach der Absage für Cincinnati mindestens für unwahrscheinlich: "Ich kann es mir nicht vorstellen. Die Vorbereitung ist einfach nicht da." Dolla bestätigt den mentalen Aspekt: "Für den Kopf ist es gut, schon mal wieder ein kleineres Turnier zu spielen und das Gefühl zu bekommen: Es läuft beschwerdefrei. Ganz wichtig dabei – und ebenso schwer – ist aber auch die Geduld, es nicht zu überstürzen." Die Schwere der Blessur sei nicht zu unterschätzen. "So eine Reizung dauert eben nicht nur Tage über Wochen, sondern wie im Fall Alcaraz tatsächlich mehrere Monate." Er warnt: "Irgendwann ist der Körper am Ende. Deshalb gilt es immer, die richtige Balance zu finden zwischen Belastung und Entlastung." Dies sei die große Schwierigkeit für Profisportler im Jahr 2026. Überlastungsverletzungen werde man immer häufiger sehen. "Und zwar als Sehenscheidenentzündung wie bei Alcaraz, aber auch im Unterarmbereich. Die Spieler sind viel, viel im Einsatz. Und weil das Tennis immer schneller wird, machen sie nicht nur viel aus dem Unterarm heraus, sondern auch aus dem Handgelenk", erklärt der Mediziner weiter. "Das ist bei Tausenden Schlägen, die da jede Woche in Spiel und Training ausgeführt werden, einfach eine erhebliche Belastung." Gerade Alcaraz' aggressives Spiel mit viel Power begünstige Verletzungen an Handgelenk und Arm dann zusätzlich. Thiem kostete das Handgelenk die Karriere Gleich mehrere Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit warnen: Der Österreicher Dominic Thiem, der im September 2020 noch die US Open gewann, verletzte sich wenige Monate später schwer am rechten Handgelenk, er hatte ähnliche Probleme mit der Sehnenscheide und der dazugehörigen Gelenkkapsel. Thiem entschied sich gegen einen operativen Eingriff und für eine konservative Behandlung. Erst im Frühjahr 2022 kehrte er auf die Tour zurück, fand jedoch nie zu alter Stärke, beendete im Jahr 2024 seine Karriere mit nur 31 Jahren. "Mein Handgelenk ist circa 70 Jahre alt und nicht 31", sagte er damals am Rande einer Veranstaltung. Noch schlimmer erwischte es den Argentinier Juan Martin del Potro. Der "Turm von Tandil", der 2009 bei den US Open triumphierte, hatte ab 2010 über Jahre mit einer hartnäckigen Tenosynovitis zu kämpfen – also exakt dem Leiden, das auch Alcaraz aktuell außer Gefecht setzt. Gleich mehrfach ließ sich del Potro operieren, musste wiederholt längere Pausen einlegen. Über die Jahre kamen schwere Knieprobleme hinzu, der 1,98-Meter-Mann gab 2022 entnervt auf. Und der US-Amerikaner Sebastian Korda kehrte nach einer bei den Australian Open 2023 erlittenen Handgelenksverletzung erst Monate später wieder zurück, konnte drei Monate lang überhaupt nicht mit Schläger trainieren. "Ich hatte große Schmerzen. Dadurch habe ich später dann bei jedem Training gezögert und musste immer wieder daran denken", erinnerte er sich später in einem Interview. "Ich musste wieder lernen, wie man richtig Tennis spielt." Eine erhebliche Rolle kommt dabei auch den Turnieren zu: Sowohl der Wettbewerb in Cincinnati als auch das Turnier zuvor in Montréal und die weiteren fünf Wettbewerbe der "Masters 1000"-Kategorie – die höchste unterhalb der vier Grand Slams – werden (geschäftlich) mittlerweile über zwei Wochen ausgetragen. Für Montréal sagten zahlreiche Stars ab, unter anderem Sinner und Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djoković. Sinner zog mit Verweis auf eine Knieverletzung dann auch für Cincinnati zurück. "Das Zauberwort ist dann immer 'Belastungssteuerung' – aber an irgendeinem Punkt geht es auch da nicht mehr weiter", plädiert Dolla für einen entschleunigten Terminkalender. Es gibt aber auch positive Beispiele: Die Tschechin Karolína Muchová, French-Open-Finalistin 2023 musste sich im Frühjahr 2024 einer Operation am Handgelenk unterziehen, fiel darauf neun Monate aus. Sie schaffte es wieder zurück, erst vor wenigen Wochen stand sie im Wimbledon-Endspiel. Die Tennis-Legenden Andre Agassi und Kim Clijsters gewannen nach Eingriffen am Handgelenk sogar noch Grand-Slam-Turniere. Ob die US Open 2026 aber wirklich noch zu früh kommen für das Comeback von Carlos Alcaraz – das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Verwendete Quellen Telefonat mit Dr. Thorsten Dolla x.com: Profile von @gerebit0 und @jmgmoron Aussagen von Andy Roddick bei "Served with Andy Roddick" theguardian.com: Doubts grow over Carlos Alcaraz’s US Open defence after latest withdrawal nytimes.com: Tennis players fear wrist injuries more than any other. Carlos Alcaraz is no exception Aussagen von Boris Becker bei "Becker Petkovic" kicker.de: Karriereende in Wien: Der Absturz von Dominic Thiem UCONN health: Carlos Alcaraz’s Wrist Pain: An Orthopedic Look at Tenosynovitis in Tennis Quellen anzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... ShoppingAnzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading...

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