Cathie Woods ARK wettet auf ein Comeback der CoreWeave-Aktie an der NASDAQ
ARK stockt auf, obwohl die Aktie unter Druck steht
Anleihemarkt und Zinslast rücken in den Mittelpunkt
Analysten senden gemischte Signale nach dem Rücksetzer
Zwei Fonds von Cathie Woods Anlagevehikel ARK haben am Montag Aktien von CoreWeave gekauft, nachdem das Papier des KI-Cloudanbieters im Oktober deutlich nachgegeben hatte. Im selben Zug trennte sich ARK von Palantir-Aktien. Ob aus dem Zukauf eine frühe Wette auf die Erholung wird, entscheiden am Ende Schulden und der Anleihemarkt.
ARK kauft in den Rücksetzer
Laut ARK Trading Desk nahm der ARK Innovation ETF (ARKK) gut 102.000 CoreWeave-Aktien auf, der ARK Next Generation Internet ETF (ARKW) kam auf rund 30.000 Stück. In beiden Fonds macht die neue Position jeweils nur etwa ein Zehntelprozent des Fondsvermögens aus.
Gekauft hat ARK in eine ausgeprägte Schwäche hinein: Auf Sicht von fünf Handelstagen büßte die CoreWeave-Aktie rund 21 Prozent ein und schloss am Montag an der NASDAQ bei 61,12 US-Dollar. Vorbörslich geht es am Dienstag weitere 4,78 Prozent auf 58,18 US-Dollar nach unten.
Auf der anderen Seite gab ARKK knapp 16.000 Palantir-Aktien ab, ARKW weitere rund 2.400. Im KI-Lager setzt ARK damit unterschiedliche Akzente. Für CoreWeave ist das ein Signal, dass ein namhafter Investor den Kursrutsch nicht als Grund zum Rückzug liest. Angesichts der Größenordnung bleibt es aber bei einem Signal.
Warum der Anleihemarkt die CoreWeave-Aktie belastet
Ausgelöst hatte den Kursrutsch der Anleihemarkt. Vor einer Woche war die Rendite der CoreWeave-Anleihe mit einem Kupon von 9,625 Prozent und Fälligkeit 2032 auf rund 15 Prozent gestiegen. Verlangen Investoren für ein ohnehin hoch verzinstes Papier eine solche Rendite, preisen sie ein erhebliches Kreditrisiko ein.
Woher diese Sorge rührt, zeigt der Quartalsbericht vom 11. August. Im zweiten Quartal hat CoreWeave den Umsatz auf 2,58 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt, nach 1,21 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Die Finanzierung zehrt das Wachstum jedoch auf: Einem bereinigten operativen Ergebnis von 128 Millionen US-Dollar standen Zinsaufwendungen von 640 Millionen US-Dollar gegenüber, also rund das Fünffache. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust. Als Gegengewicht steht ein Auftragsbestand von rund 104 Milliarden US-Dollar zum 30. Juni 2026.
Zwischen Kurszielsenkung und Branchenwarnung
Bei den Analysten ergibt sich nach dem Rücksetzer ein gemischtes Bild. Am selben Tag, an dem ARK zukaufte, stufte Goldman Sachs CoreWeave von Neutral auf Buy hoch, Analystin Gabriela Borges setzt das Kursziel bei 106 US-Dollar an. Exane BNP Paribas bleibt zwar bei Buy, Analyst Daniel Wang kappte das Kursziel aber deutlich von 169 auf 117 US-Dollar. Beide Ziele liegen damit unter dem mittleren Kursziel von 138,83 US-Dollar, das sich aus den Urteilen von 29 Analysten mit 22 Kauf-, fünf Halte- und zwei Verkaufsempfehlungen ergibt.
Rückenwind aus der Branche fehlt ebenfalls. Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Gartner eine Studie, wonach Infrastrukturausgaben von mehr als 3,5 Billionen US-Dollar bis Ende 2030 abschreibungsgefährdet sein könnten. Neoclouds zählten demnach zu den am stärksten exponierten Anbietern. CEO Michael Intrator schrieb am selben Tag in einem Memo an die Belegschaft, Märkte könnten Dinge falsch verstehen und irrational handeln. Der Auftragsbestand decke die Schulden mehr als ab.
Was der Zukauf für Anleger bedeutet
Der Einstieg von ARK taugt als Stimmungssignal, nicht als Beleg für eine Trendwende. Gemessen an der Größe der Tranchen setzt ARK eher einen Fuß in die Tür, als eine große Wette einzugehen. Für Anleger hängt die Investmentthese der CoreWeave-Aktie an einer Frage: Gelingt es, den Auftragsbestand schnell genug in operative Erträge zu verwandeln, um die heutige Zinslast zu tragen?
Auffällig ist die Kluft zwischen Aktien- und Anleihemarkt. Während die Mehrheit der Analysten weiter zum Kauf rät, verlangen Anleiheinvestoren Renditen, wie sie für Papiere mit erhöhtem Ausfallrisiko üblich sind. Löst sich diese Spannung auf, dürfte das kräftige Kursbewegungen nach sich ziehen, in die eine wie die andere Richtung. Wer einsteigt, setzt auf ein Papier mit Hebelwirkung auf den KI-Investitionszyklus, bei dem sich Chancen und Risiken gleichermaßen verstärken.
Beim nächsten Quartalsbericht wird sich zeigen, ob das operative Ergebnis mit dem Zinsaufwand Schritt hält. Bis dahin bleibt die Rendite der 2032er-Anleihe der schnellste Gradmesser dafür, wie viel Vertrauen der Kreditmarkt CoreWeave entgegenbringt.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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