Caulius‘ Klemmbaustein-Kolumne: Gefahr!
Das Ende ist nah! Als Kind der 70er habe ich viele Phasen der Panik vor dem Ende der Welt durchgemacht: Ozonloch, saurer Regen, Tschernobyl, immer mal wieder der Russe, Rechtschreibreform, Corona, Smart Brick, Der Wendler… Wir leben aber noch. Lässt das den Schluss zu, dass wir auch zukünftigen Hiobsbotschaften trotzen werden? Einer Regel ist schließlich nur so lange zu trauen, bis sie erstmals durchbrochen wird. Aber wodurch? Klimawandel? Merz? Dieselpreis? Das Ende von Ninjago? Ein heißer Kandidat ist die Künstliche Intelligenz (KI) – und kaum einer merkt es. Läuft es Ihnen bei dem der Begriff „Hugging Face“ schon kalt den Rücken hinunter? Sollte es aber. Denn Anfang Juli 2026 hatten KI-Agenten (kleine KI-gesteuerte Programme) in einer vermeintlich abgeschlossenen Umgebung von OpenAI eine Testaufgabe bekommen – eine Art Capture the Flag. Blöd war nur, dass diese Aufgabe nicht lösbar war. Gut jedoch, dass KI-Agenten dazu gebaut sind, durchzuziehen. Aufgeben ist keine Option. Eine Aufgabe ist nicht lösbar? Dann wird eben das Ergebnis gefakt. Der Fake soll nicht auffallen? Dann müssen sich eben die KI-Agenten abstimmen (was sie eigentlich nicht können sollten) und Infos aus der Internetwelt über Verschleierungsmöglichkeiten sammeln (was sie eigentlich auch nicht können sollten). Kurz gesagt, durch das Brechen ganz vieler Regeln und kollektives Zusammenarbeiten gelingt es ihnen, die Grenzen der Testumgebung zu durchbrechen und die KI-Plattform Hugging Face zu hacken. Ein Einzelfall? Wohl nicht, denn vor Kurzem soll auch Googles KI Gemini etwas Ähnliches gelungen sein. Was ist, wenn es gewollt oder ungewollt mal Energieversorger, Mobilfunkprovider, Bardobrick oder Flughäfen trifft?
Das Gute ist, dass wir LEGO-Fans da tiefenentspannt sein können. Unsere Passion ist analog.
Natürlich könnte die Builder App gehackt werden. Wer nur stupide nach Anleitung baut, merkt vielleicht gar nicht, dass er plötzlich statt des neuen Modular Buildings ein Playmobil-Männchen baut. Der Schreck dürfte beim Blick auf das fertige Modell tief gehen.
Die Smartbricks könnten sich vernetzen. Hoffen wir mal, dass die böswillige KI nicht gerade diese Technik nutzen möchte, um uns Menschen ihre Forderungen mitzuteilen. Das könnte frustrierend für alle Beteiligten enden. Und klar, das neue Batmobile mit Control+ könnte uns gehörig gegen den Knöchel fahren. Das wars aber schon und in Ermangelung eines Beleuchtungssystems könnte die KI uns LEGO-Fans nicht einmal durch flackernde Lichter in den Wahnsinn treiben.
Und während unsere Mitmenschen durch die dunklen Gassen der Endzeitwelt streifen, stets auf der Suche nach etwas Zerstreuung, sitzen wir im flackernden Licht des Lightbricks und bauen langsam unseren Pile of Shame der im Angebot gekauften, aber nie gebauten Sets ab. Das prasselnde Feuer der Anleitungshefte und Verpackungen wärmt uns auch an kalten Tagen. Und kein Problem ist zu groß, dass es nicht durch einen Teiletrenner gelöst werden könnte.
Die Moral von dieser Kolumne mal ganz im Ernst: Hugging Face ist eine Warnung und zeigt, was unabsichtlich – aber auch was absichtlich möglich sein kann. Bis vor Kurzem hat Deutschland nach Estland geguckt, wo alles digital ist. Heute guckt Estland neidvoll nach Deutschland, das für den Notfall noch Papierakten hat. Gut, dass wir LEGO-Fans beim Bauen viel Zeit haben, über all das nachzudenken. Und spätestens, wenn die Künstliche Intelligenz Brickmerge und die News zu Angeboten bei StoneWars lahmgelegt hat, wird es auch für uns teuer …
Sein Kurbelradio schonmal ölend: