CDU-Mann Sven Schulze als Opfer: Russland erfindet vor Wahl Lüge
Wahlkampf in Sachsen-Anhalt Kinder-Lüge über Ministerpräsident: Russland verschärft Attacken Von Lars Wienand Aktualisiert am 19.08.2026 - 15:51 UhrLesedauer: 4 Min. Ein Klon der "Süddeutschen Zeitung" verbreitet frei erfundene "Enthüllungen" über Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU). Das trägt die Handschrift einer russischen Kampagne. Neue Eskalationsstufe im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt: Seit Wochen greift eine für den Kreml tätige Agentur mit erfundenen Behauptungen Politiker von SPD, CDU, Linkspartei und Grünen an. Um CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze mit einer Lüge zu beschädigen, wird jetzt härteres Geschütz aufgefahren. Seit Dienstagnachmittag wird neben einem Video mit dem Logo der "Süddeutschen Zeitung" auch ein Link zu einer Seite sueddeutsch.com verbreitet. In der Optik der "Süddeutschen Zeitung" wird dazu eine frei erfundene Geschichte über den Ministerpräsidenten mit schwerwiegenden Vorwürfen verbreitet. Die Beiträge waren am Mittwoch zunächst noch online und wurden weiter verbreitet. Dieser und andere Beiträge richten sich allesamt gegen Politiker aus Parteien, die mit der AfD konkurrieren. Aus russischen Leaks ist belegt, dass es Ziel des Kremls ist, mit Desinformationskampagnen und Stimmungsmache die AfD zu stärken. In Sachsen-Anhalt ist die AfD in den Umfragen bereits stärkste Partei, versucht aber, die absolute Mehrheit zu erringen. Verfassungsschutz hatte gerade erst gewarnt Nach einer Auswertung der Gruppe "Antibot4Navalny", die intensiv russische Desinformation verfolgt, gab es vom 24. Juni bis zum 3. August in mehreren Wellen 179 gefälschte Videos und 27 gefälschte Fotos angeblicher Titelseiten mit Bezug zu den Landtagswahlen in Deutschland. Bereits kurz nach Beginn von Russlands großangelegtem Einmarsch in die Ukraine hatten Versuche begonnen, mit nachgemachten Nachrichtenseiten pro-russische Narrative zu verbreiten und Stimmung gegen die Ukraine sowie westliche Politiker und Parteien zu machen, die Russland nicht unterstützen. t-online hatte dieses international auftretende Netz enthüllt. Weil täuschend echt wirkende Seiten vertrauenswürdiger Medien nachgebaut wurden, bekam die Methode den Namen "Doppelgänger". In der Folge wurden noch weitere Methoden und Kombinationen bekannt. Fast jeden Tag werden neue Videos in sozialen Netzwerken gepostet, die in der Optik von Medienmarken oder seriösen Institutionen Falschbehauptungen verbreiten. Dieses Vorgehen wurde als Matroschka bekannt, benannt nach den ineinander stapelbaren Puppen. In mehreren Wellen wurden dabei auch in den vergangenen Wochen Landespolitiker aus Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern angegriffen. Über Eric Stehr von der Linken, auf Platz 2 der Liste für den Magdeburger Landtag, wurde unter anderem verbreitet, er habe seine Großmutter aus Habgier ermordet, ein Webcam-Model getötet und Untergrund-LGBTQ-Sexpartys organisiert. Das Bundesamt vor Verfassungsschutz hatte erst am 12. August eine Warnung herausgegeben. Die Matroschka-Kampagne greife Politiker bis zur kommunalen Ebene an und versuche, eine Spaltung zwischen Ost- und Westdeutschland voranzutreiben. Merz wurde Jagd auf Eisbärenbabys angedichtet Bei Schulze wurde nun ein deutlich aufwendigerer Weg gewählt. Zusätzlich zu dem mit KI erstellten Video mit der Behauptung werden dazu weitere vermeintliche Belege konstruiert, um eine Story glaubwürdiger zu machen. Das ist das Vorgehen bei einer Kampagne, die als "Storm-1516" bezeichnet wird. "Storm-1516" ist auch Urheberin der Lügengeschichten um millionenschwere Immobilienkäufe des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. So wurde etwa mit gefälschten Dokumenten verbreitet, er habe die frühere Goebbels-Villa bei Wandlitz gekauft. Diverse deutsche Spitzenpolitiker waren ebenfalls schon Zielscheibe. Mit einem Artikel in einer nigerianischen Zeitung und einem Interview auf YouTube wurde verbreitet, die damalige grüne Außenministerin Annalena Baerbock zahle für einen Gigolo in Afrika. Ein Interview mit einem angeblichen Inuk, wie ein Ureinwohner der polaren Region genannt wird, und ein Artikel aus einem "Toronto Journal" sollte Menschen glauben machen, Friedrich Merz habe in Kanada zum Spaß zwei Eisbärenbabys erschossen. Über den Grünen-Kanzlerkandidaten Robert Habeck wurde mit dem Foto einer wirklich existierenden Jugendlichen aus Norddeutschland eine Missbrauchsgeschichte erfunden. Tweets zu Sven Schulze wurden koordiniert verschickt In eine ähnliche Richtung geht, was nun gegen Sven Schulze erstellt wurde. In dem Video und dem nachgeahmten Nachrichtenartikel wird die frei erfundene Behauptung aufgestellt, ein afghanischer Flüchtlingsjunge sei aus Gefangenschaft im Keller eines Privatanwesens von Schulze entkommen. Die Behauptungen gehen so weit, dass bei dem Jungen Verletzungen durch Handlungen in dem Anwesen festgestellt worden seien. Für die Kampagne gegen Schulze gab es offenbar ein Startsignal: Um 16.30 Uhr wurden Video und Link innerhalb weniger Minuten von mehreren Accounts geteilt. Es handelt sich um Nutzerprofile, die zumindest vorgeben, aus dem Irak, dem Iran oder dem arabischen Raum Nachrichten zu teilen. Die Accounts haben sich Reichweite aufgebaut und bieten zum Teil an, gegen Geld Beiträge zu verbreiten. Sie erreichen damit aber kaum Nutzer in Deutschland. Von AfD-Politikern wurden die Beiträge bisher nicht weiter verbreitet, lediglich von einzelnen deutschen Accounts, die als Sympathisanten erkennbar sind. Zuerst auf die Kampagne aufmerksam gemacht hatte der Monitoring-Account "Gnida Project". Die Spur der Seite endet zunächst technisch in Singapur, wo sie offenbar auf einem Server liegt. Aktualisiert wurde die zuvor brachliegende Internetadresse erst vor wenigen Tagen mithilfe von Namecheap, einem US-amerikanischen Anbieter für Adressen und deren Hosting. Namecheap verwaltet Millionen Adressen, das Registrieren ist sehr einfach und ohne größere Prüfprozesse möglich.