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CDU Sachsen-Anhalt und die AfD: Basis kritisiert Pläne der Fraktion zur Siegmund-Wahl

Nation

Kritik am geplanten Saalauszug

CDU Bad Dürrenberg fordert Teilnahme an Ministerpräsidentenwahl

Stand: 25.10.2026 10:02 Uhr

Es gärt in Sachsen-Anhalts CDU. Die Entscheidung bei der Wahl des Ministerpräsidenten auf Nummer sicher zu gehen und den Sitzungssaal zu verlassen sorgt für einige Irritation. In einem offenen Brief fordert jetzt der Stadtverband Bad Dürrenberg – Aueland, an der Wahl teil zu nehmen. Aus Sicht der Stadträte spielt die Brandmauer keine große Rolle, sondern vielmehr die tatsächliche Politik.

von Uli Wittstock, MDR SACHSEN-ANHALT

Den Ratssaal von Bad Dürrenberg hat bislang noch keine Fraktion verlassen und dazu wird es wohl auch nicht kommen, sagt Lucas-Leon Essel, der CDU-Fraktionschef im Stadtrat: "Seit Beginn an haben wir die AfD, ob das nun der Bürgermeister war oder wir als Fraktion, ganz normal wie alle anderen behandelt. Denn das sind gewählte Vertreter von einem nicht unerheblichen Teil an Wählern." Tatsächlich hat die CDU als stärkste Fraktion gerade mal eine Stimme mehr als die AfD. Im Stadtrat würden dennoch alle Fraktionen zusammenarbeiten, erklärt Lucas-Leon Essel.

Seit Beginn an haben wir die AfD [...] ganz normal wie alle anderen behandelt. Lucas-Leon Essel

Offener Brief der CDU-Stadtfraktion in Bad Dürrenberg

Nun hat der Stadtverband der CDU einen Brief verfasst. Darin fordert er die eigenen Landtagsabgeordneten auf, an der Wahl des Ministerpräsidenten teilzunehmen. Es gehe dabei um ein demokratisches Prinzip, so Lucas Leon Essel. "Wir als Ortsverband sind der Überzeugung, dass diese 15 Vertreter auch in der Verantwortung stehen. Wie sie abstimmen, das ist ihnen überlassen." Man habe für diese Forderung viel Zustimmung erhalten, auch von CDU-Mitgliedern.

Stadtrat: Brandmauer ist kein Thema vor Ort

Dass die AfD Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, war bislang im Stadtrat von Bad Dürrenberg kein Grund zu debattieren, erklärt Lucas-Leon Essel: "Hier geht es um die Themen, die in Bad Dürrenberg wichtig sind. Und da spielt es keine Rolle, ob die Landespartei eine Einstufung hat. Selbst wenn die Linke eine Einstufung hätte, würden wir auch mit denen nach den besten Lösungen suchen."

Nur wenn es darum ginge, Geld aus dem Sondervermögen des Bundes zu beantragen, dann argumentiere die AfD ideologisch und lehne das ab. Auch wenn es der CDU-Fraktionschef nicht offen ausspricht, so wird doch deutlich, dass die Brandmauer bei der Politik vor Ort keine große Rolle spielt.

Generationenkonflikt wird unterschätzt

Lucas-Leon Essel ist 25 Jahre alt und absolviert derzeit sein Referendariat für Deutsch und Geschichte. Er ist gleich mehrfach in der Minderheit, sowohl in seiner Partei, wie auch in seiner Generation. Denn zum einen fehlt es der CDU an Nachwuchs und zum anderen wählen junge Menschen eher rechts und links der Mitte.

Für den Pädagogen ist das auch die Folge eines Generationenkonflikts: "Es muss jetzt was passieren und ich kann da die Mitmenschen in meinem Alter verstehen, dass sie dann eben die Antworten woanders suchen." Allerdings seien die Lösungen von der AfD oder den Linken unrealistisch. Auch deshalb sei er auch klar gegen die Forderung der ostdeutschen Ministerpräsidenten, bei der Rentenreform nachzubessern. Die Rente nach 45 Beitragsjahren sei nicht mehr finanzierbar.

Rote Linien statt Brandmauer?

Als Geschichtslehrer hält Essel nichts von der Idee der AfD, das Thema Nationalsozialismus im Unterricht weniger stark zu behandeln. Gerade bei diesem Thema sei das Interesse der Schülerinnen und Schüler groß. Essel spricht von roten Linien, welche die CDU deutlich ziehen müsste in ihrem Verhältnis zur AfD.

Aus seiner Sicht könne man nicht das Wählervotum negieren, immerhin hätten 43 Prozent die AfD gewählt: "Jetzt ist die AfD in der Situation, dass sie auch Kompromisse eingehen muss und mal sieht, wie die Realität wirklich ist." Ob dann aber die CDU gegen weitere Ukrainehilfen stimmt oder bereit wäre, die staatlichen Gelder für Kirchen zu streichen, darf wohl eher bezweifelt werden. In einem Landtag geht es eben selten um eine Ortsumgehung oder Kita-Sanierung.

MDR (Uli Wittstock, Maren Wilczek); erstmals veröffentlicht am 24.10.2026

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