ChatGPT: Ab Montag erwartet Millionen Nutzer Werbung
Wer OpenAI für ein höherpreisiges Plus-, Pro- oder Enterprise-Abo bezahlt oder einen Business- oder Education-Zugang hat, dem bleibt die Reklame im Chatfenster erspart. Werbefrei bleibt ChatGPT außerdem für User, die das OpenAI-System für jünger als 18 Jahre hält. Auch sogenannte temporäre Chats , deren Inhalte nicht im Chatverlauf gespeichert werden, bleiben unberührt. Praktisch dürfte es dem Unternehmen eher um eine zusätzliche Monetarisierung seines Chatbots gehen, nun auch auf dem großen europäischen Markt. Durch die Einführung von Werbung kann OpenAI künftig auch mit kostenlosen Accounts, die teure Rechenleistung verbrauchen, Einnahmen erzielen. Geld für Bezahlabos gibt bislang nur ein kleiner Teil der Nutzerschaft von ChatGPT aus. Generische und personalisierte Werbung Per E-Mail informierte OpenAI deutsche Nutzer bereits am Wochenende über seine Pläne. Die ausgespielten Anzeigen würden »zunächst« nicht speziell auf den einzelnen User zugeschnitten, versprach die Nachricht. Einfluss habe aber das Gesprächsthema. Man wähle die Anzeigen »anhand des aktuellen Themas Ihrer ChatGPT-Unterhaltung und begrenzter Kontextinformationen aus«, hieß es, »wie etwa Ihrem ungefähren Standort und Gerätetyp«. OpenAI schreibt zu diesem Einsatz »generischer Werbung«, wie es sie in seiner neuen EU-Datenschutzrichtlinie nennt: »Wir verwenden Ihre früheren Chats oder Erinnerungen nicht, um diese Anzeigen auszuwählen.« Vorbehaltlich einer Zustimmung des Users kann das Werbesystem von ChatGPT grundsätzlich aber auch stark personalisierte Anzeigen ausspielen. Auf einer Hilfeseite skizziert das Unternehmen das so: »Wenn Anzeigenpersonalisierung aktiviert ist, kann ChatGPT ausgewählte Signale aus deiner weiteren ChatGPT-Nutzung verwenden, um Anzeigen für dich relevanter zu machen. Wenn die Erinnerungsfunktion aktiviert ist, kann ChatGPT Erinnerungen speichern und nutzen sowie bei der Auswahl einer Anzeige auf aktuelle Chats Bezug nehmen.« Werbetreibende selbst hätten aber keinen Zugriff »auf Ihre Chats, Ihren Chatverlauf, Ihre Erinnerungen oder Ihre persönlichen Daten«, betont OpenAI. Stand Mittwochmorgen heißt es auf seiner Hilfeseite: »Personalisierte Anzeigen sind zunächst im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und in der Schweiz nicht verfügbar.« Kein Einfluss auf die Antworten Einfluss auf die Antworten, die ChatGPT seinen Nutzern gibt, habe jegliche Werbung nicht, beteuert OpenAI derweil. Anzeigen seien stets eindeutig gekennzeichnet und visuell von den eigentlichen Chatbot-Antworten getrennt. Auf der Hilfeseite zum Thema Werbung heißt es, pro ChatGPT-Antwort sei das Ausspielen von einer oder auch mehreren Anzeigen möglich. Erwähnt wird im Hilfebereich auch, dass bei bestimmten Themen gar keine Reklame ausgespielt wird, etwa bei Chats zu Themen wie psychischer Gesundheit und Politik. Zur Frage »Wird es eine Möglichkeit geben, die Anzeigen auszublenden?« heißt es auf OpenAIs Infoseite , Nutzer der Free-Version von ChatGPT könnten auf Wunsch zu einer kostenlosen, werbefreien Variante des Dienstes wechseln. Diese enthält der Beschreibung zufolge aber Einschränkungen wie weniger Nachrichten pro Tag. Zudem fehlt die bei vielen Usern beliebte Bildgenerierung. Ob die werbefreie Schmalspurvariante des Dienstes direkt zum Start auch in Deutschland anwählbar sein wird, war Mittwochmorgen noch unklar.