Chef Blume will längere Arbeitszeit ohne zusätzlichen Lohn
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VW-Chef Blume will längere Arbeitszeit bei gleichem Lohn – IG-Metall: „Übles Foul“
Von: Christoph Elzer
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VW-Chef Oliver Blume bringt weniger Urlaub und mehr Wochenstunden ins Spiel. Nach der Kündigung von zehn Tarifverträgen rüstet sich die IG Metall zum Gegenschlag.
Wolfsburg – VW-Chef Oliver Blume hat höhere Arbeitszeiten für die rund 130.000 Beschäftigten des Autobauers in Deutschland ins Gespräch gebracht. Der Grund sind nach seinen Angaben die Kosten. Die Arbeitskosten in Deutschland lägen etwa doppelt so hoch wie in anderen europäischen Ländern, in denen Volkswagen aktiv sei, sagte Blume dem Portal The Pioneer in einem Podcast. Da müsse man in der heutigen Wettbewerbssituation einige Themen hinterfragen, sagte der Manager sinngemäß.
Konkret nennt Blume zwei Hebel: eine höhere Jahresarbeitszeit durch weniger Urlaubstage – und eine längere Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. „Das gilt es jetzt in den nächsten Wochen und Monaten zu verhandeln“, sagte er.
Zehn von 13 Tarifverträgen gekündigt
Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Am Mittwoch, 30. September, hatte Volkswagen zehn Tarifverträge gekündigt – darunter den wichtigen Manteltarifvertrag. Dieser bündelt die grundlegenden Regelungen für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland und bestimmt unter anderem Arbeitszeit, Zulagen und Urlaubstage. Insgesamt besteht der VW-Haustarif aus 13 einzelnen Verträgen.
Die Kündigung erfolgte fristgerecht zum 31. Dezember 2026. Mit dem Schritt wolle man „einen Verhandlungsraum öffnen“, erklärte das Unternehmen nach einem Gespräch mit Arbeitnehmervertretern in Hannover. Nicht betroffen ist der Zukunftstarifvertrag von 2024 mit seiner Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Erste Folgen könnten die Beschäftigten laut Arbeitnehmerseite ab Januar 2027 spüren.
Was bedeutet das für die Beschäftigten?
Eine konkrete Zahl, wie viel länger die VW-Belegschaft pro Woche arbeiten soll, gab es nach dpa-Informationen zuletzt noch nicht. Hintergrund: Eine höhere Wochenarbeitszeit könnte Volkswagen vor allem dort helfen, wo aktuell Mehrarbeit anfällt und zusätzliche Menschen eingestellt werden müssten. Mehr reguläre Stunden würden die Kosten unmittelbar senken. In Bereichen mit Personalüberhängen hingegen ergäbe eine Verlängerung keinen Sinn, hieß es aus Konzernkreisen.
Begründet wird der harte Kurs mit dem Druck von außen. Das wirtschaftliche Umfeld habe sich für die Autoindustrie „gravierend verschärft“, so der Personalvorstand der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel. Die Marktveränderungen seien „strukturell und tiefgreifend“. „Unter anderem drängen chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa“, sagte Meiswinkel. Vor rund einem Monat hatte der Aufsichtsrat bereits einem Sparplan zugestimmt, der Milliarden beim Personal und den Abbau Zehntausender Stellen vorsieht.
IG Metall spricht von „üblem Foul“
Der Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. „Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen“, teilte Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger mit. Das werde man nicht hinnehmen. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet mit einer „heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel“.
Die Diskussion reicht weit über Wolfsburg hinaus und berührt auch die restlichen deutschen Autobauer. Die 35-Stunden-Woche ist in der deutschen Autoindustrie bei tarifgebundenen Unternehmen Standard, gesetzlich verpflichtend ist sie aber nicht. Mercedes-Benz hatte die Debatte im Sommer neu entfacht: Aufsichtsratschef Martin Brudermüller regte im „Handelsblatt“ die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche an – für dasselbe Gehalt. Auch der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic stellte die 35-Stunden-Woche zuletzt infrage.
Die Gewerkschaft hat ihre Linie bereits klargemacht. Bei einem Auto-Aktionstag mit rund 175.000 Teilnehmern forderte die IG Metall zuletzt: „Finger weg von der 35-Stunden-Woche!“ Es bleibt abzuwarten, wie weit sich beide Seiten bei derart verhärteten Fronten in den kommenden Wochen aufeinander zubewegen können. (Quellen: The Pioneer, t-online.de, Tagesschau, dpa) (cel)