Chef Reichelt attackiert „Correctiv“ nach Datenleck
Das Nachrichtenportal „Nius“ des ehemaligen „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt ist abermals zum Ziel eines Hackerangriffs geworden. Das rechte Medium bestätigte dies in seiner Berichterstattung und spricht von einem „umfangreichen Datensatz aus dem Redaktionssystem von ‚Nius‘, der bei einem Hackerangriff erbeutet wurde“.
Insgesamt sind knapp neun Gigabyte Daten abgeflossen und frei im Netz verfügbar, wie das Medienhaus „Correctiv“ berichtet. Der Datensatz umfasst demnach Informationen über Abozahlen, Angaben zu Mitarbeitern sowie zu Lesern und den rund 12.000 Abonnenten. Auch Mailadressen, Klarnamen mit Wohnanschriften und in mehreren Fällen sogar Teile von Kreditkartennummern sollen öffentlich sein. „Correctiv“ zufolge finden sich darunter auch Daten von Politikern aus Bund und Ländern sowie von Unternehmern. In den Daten aus dem Redaktionssystem sollen zudem Informationen über die Gesprächspartner von „Nius“ enthalten sein.
Das Medium konfrontierte „Nius“ nach eigenen Angaben am Montag mit Fragen über das Leck – ein im Journalismus üblicher Vorgang, um der betroffenen Seite vor Veröffentlichung eine Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben. „Nius“ machte die „Correctiv“-Anfrage und den folgenden Bericht daraufhin jedoch in seiner Sendung zum Thema.
Reichelt geht zum Gegenangriff über
Dort teilte Reichelt am Mittwoch gegen das Medienhaus aus. „Correctiv“ habe „über Wochen eine Straftat einfach verheimlicht“ und versäumt, „Nius“ unmittelbar über das Leck zu informieren. Stattdessen habe „Correctiv“ das Material für die eigene Recherche genutzt, laut Reichelt ein „absoluter Dammbruch“. Eine Strafanzeige gegen Unbekannt werde vorbereitet. Und weiter: „Wenn Redaktionssysteme steuerfinanziert ausgespäht werden, dann endet die Pressefreiheit.“
Reichelts Portal hatte „Correctiv“ wiederholt als steuerfinanziert bezeichnet. Das für investigative Recherchen bekannte, gemeinnützige Medium ist seit dessen Bericht über das Potsdamer Treffen 2023 ein Feindbild der politischen Rechten. Mit seiner Aussage legt der Ex-Bild-Chef nahe, dass „Correctiv“ an der Beschaffung der Daten beteiligt gewesen sein könnte. Das Medienhaus weist das zurück.
Man habe „,Nius’ weder gehackt noch Daten unbefugt beschafft“, sagte eine Sprecherin dem „Spiegel“. Wie die Daten ins Netz gelangten, sei „Correctiv“ nicht bekannt. Auch die Darstellung von „Correctiv“ als steuerfinanziertes Medium sei so nicht zutreffend. Öffentliche Fördermittel spielten nur eine untergeordnete Rolle in der Finanzierung von Medienbildungs-Projekten. Nach eigenen Angaben erhält „Correctiv“ vor allem Spenden von Unterstützern und Zuwendungen von Stiftungen.
Immer wieder Probleme mit IT-Sicherheit
Überdies ist „Correctiv“ offenbar nicht das einzige Medium, das auf die Daten aufmerksam wurde. Auch „t-online“ berichtet, in dieser Woche anonym einen Link zu einer Seite im Darknet erhalten zu haben. Dort habe die Mailadresse des Anbieters gestanden, an die sich Journalisten und Wissenschaftler mit Fragen zum Material wenden könnten. „t-online“ zufolge reagierte der Adressat zunächst nicht auf eine Anfrage.
„Nius“ sorgt nicht zum ersten Mal wegen Problemen mit der IT-Sicherheit für Aufsehen. Schon im Sommer vergangenen Jahres veröffentlichten Hacker Nutzerdaten des Portals. Reichelt erstattete Anzeige. Ende September warnte die Bundestagsverwaltung die Abgeordneten vor einem Phishingangriff. Der Absender der betrügerischen E-Mails war eine Adresse von „Nius“. (Tsp)