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Chefs Weidel und Chrupalla fordern Abbruch der Listenwahl in Nordrhein

Nation

Die AfD-Bundesspitze fordert den Abbruch der Aufstellungsversammlung der AfD für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und eine Neuwahl der Landesliste. Dies geht aus einem WELT vorliegenden Schreiben hervor, das die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla am Donnerstagabend an den Landesvorstand der NRW-AfD um Martin Vincentz verschickt haben. „Mehrere in ihrem Kern übereinstimmende Schilderungen sprechen dafür, dass stimmberechtigte Delegierte bedroht oder erheblich unter Druck gesetzt wurden“, heißt es in dem Brief. „Auch Sie, Herr Dr. Vincentz, schließen in Ihrem letzten Schreiben mögliche Drohungen oder Handgreiflichkeiten nicht aus. Eine bloße Verurteilung solcher Vorgänge und der Verweis auf staatliche Ermittlungen reichen jedoch nicht aus, um die drohende Gefahr einer Nichtzulassung der Landesliste abzuwenden.“ Der Bundesvorstand beschloss am Montag, für die Schlichtung zwischen den Lagern einen Mediator nach Nordrhein-Westfalen zu schicken. WELT berichtete am Mittwoch über ein fünfseitiges Schreiben von Vincentz an die Parteispitze. Daraus geht hervor, dass Vincentz den Mediationsvorschlag des Bundesvorstands ablehnt. „Das Scheitern dieser sogenannten Mediation ist von Teilen der neu gewählten Bundesvorstands-Mehrheit offenkundig fest eingeplant, damit die Initiatoren ihre Sabotageaktion in Marl fortsetzen können“, behauptet der Landesvorsitzende. Vincentz erhebt in dem Schreiben schwere Vorwürfe gegen Weidel: Die „Sabotageaktion in Marl“ finde „im Auftrag“ des „Weidel-Helferich-Lagers“ statt, schreibt er. „Wir sind fassungslos, dass sich eine Bundessprecherin nicht klar von derartigen undemokratischen, Antifa-ähnlichen Auswüchsen distanziert.“ Vize-Landeschef Kay Gottschalk, der bis Anfang Juli auch Vize-Bundeschef der AfD war, spricht von einer „planmäßigen, vorsätzlichen und zielgerichteten Sabotageaktion gegen unsere Listenaufstellung, ausgehend vom obersten Parteigremium und durchgeführt von einer kleinen, destruktiven Minderheit“. WELT hatte am Mittwoch über eine Chatgruppe aus dem Helferich-Lager mit dem Titel „Operation Filibuster“ berichtet, gegründet vom Vize-Bundeschef und Weidel-Vertrauten Sven Tritschler. Auch mehrere Mitarbeiter des Bundesvorstandsmitglieds Maximilian Kneller waren Teil der Gruppe. Darin war die Blockade des Parteitags geplant worden. „Jetzt mobilisieren für Freitag. Die Schattenarmee muss stehen, egal was passiert“, schrieb Tritschler darin etwa. Vor dem Schreiben von Weidel und Chrupalla hatte der Bundestagsabgeordnete Gottschalk die Parteispitze in einem WELT vorliegenden Brief von Donnerstag zum Handeln aufgefordert. „Sie – und nur Sie als Bundesvorstandsmitglieder – können gegen die aus Ihrer Mitte heraus betriebene Aktion einschreiten“, heißt es darin. „Wer in dieser Lage untätig bleibt, verletzt seine Einschreitenspflicht nicht mehr fahrlässig, sondern nimmt den weiteren Vermögensschaden des Landesverbandes NRW billigend in Kauf und handelt damit mit bedingtem Vorsatz.“ Gottschalk sagte WELT: „Ich fordere den sofortigen Rücktritt von Sven Trischler und Maximilian Kneller aus dem Bundesvorstand. Alice Weidel muss in ihrem Laden dringend aufräumen und über ihre Personalauswahl nachdenken.“ Dem Landesverband sei durch die Blockade ein „erheblicher Vermögensschaden“ entstanden, der bei den Gruppenmitgliedern „geltend gemacht“ werden müsse. Politikredakteur Frederik Schindler berichtet für WELT über die AfD, Islamismus, Antisemitismus und Justiz-Themen. Zweiwöchentlich erscheint seine Kolumne „Gegenrede“. Seit Februar 2026 erscheint wöchentlich sein Podcast „Inside AfD“.

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