Chemiebranche in Sachsen-Anhalt unter Druck: Evonik schließt Standort
Werksschließung
Nächstes Chemiewerk macht dicht: Evonik schließt Standort in Bitterfeld
Stand: 13.09.2026 16:32 Uhr
Der Chemiekonzern Evonik schließt Ende April 2027 sein Werk in Bitterfeld mit 40 Beschäftigten. Als Grund nennt der Konzern schwierige Marktbedingungen und mangelnde Auslastung. Die Schließung verschärft die Krise der Chemiebranche in Sachsen-Anhalt weiter. Verbände warnen vor einem Dominoeffekt im Mitteldeutschen Chemiedreieck mit rund 10.000 Beschäftigten.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Ein weiterer Chemiestandort beendet seine Produktion in Sachsen-Anhalt: der Chemiekonzern Evonik aus Essen schließt seinen Standort in Bitterfeld. Ende April kommenden Jahres soll das Werk schließen. Vor Ort sind 40 Mitarbeiter beschäftigt. Auch ein Standort in Hamburg wird dicht gemacht.
Hintergrund sind laut Evonik die anhaltend herausfordernden Marktbedingungen. Die Auslastung der Anlagen sei schon länger nicht mehr ausreichend, um wirtschaftlich zu bleiben. Auch eine Verkleinerung der Produktion vor Ort sei keine Option gewesen. In Bitterfeld stellt Evonik nach eigenen Angaben Chlorsilane her, die als Rohstoff für Mikrochips und Glasfaserkabel genutzt werden.
Domino-Effekt in der Chemiebranche befürchtet
Die Schließung des Evonik-Standorts reiht sich in eine Serie von Rückschlägen für die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt ein. Ende 2025 meldeten drei deutsche Tochterfirmen des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals Insolvenz an. Ein Unternehmen, das die Domo-Anlagen in Leuna übernehmen und erhalten sollte, hat erst vor wenigen Tagen endgültig aufgegeben. Auch der US-Konzern Dow hatte im Juli 2025 angekündigt, Teile seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen bis Ende 2027 zu schließen.
Branchenverbände warnen seither vor einem Dominoeffekt im Mitteldeutschen Chemiedreieck. Der Chef der Betreibergesellschaft des Chemieparks Leuna, Günther, wies dies für seinen Standort zuletzt zurück. Im Mitteldeutschen Chemiedreieck sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit insgesamt rund 100 Firmen mit etwa 10.000 Beschäftigten ansässig.
MDR (Dennis Blatt), dpa