Chemiewerk und Öldepot getroffen
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Dauerfeuer auf Russlands Wirtschaft: Putins Kriegskasse blutet – Treibstofflager und Öldepot in Flammen
Von: Christian Stör
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Ukrainische Drohnenschläge treffen russische Rüstungs- und Energieinfrastruktur. In Twer und Belgorod stehen Industrieanlagen und Depots in Flammen.
Redkino – Ukrainische Drohnen haben in der Nacht auf den 9. Oktober eine russische Chemiefabrik getroffen, die Treibstoff für Marschflugkörper produziert. Der Angriff auf das Redkino Experimental Plant in der Oblast Twer trifft eine Anlage, die auf die Produktion von militärischem Spezialtreibstoff ausgerichtet ist.
Die Fabrik stellt laut Kyiv Post Decilin-M her – einen Raketentreibstoff, der in Marschflugkörpern vom Typ Ch-55 und Ch-101 eingesetzt wird. Beide Waffentypen gehören zu den wichtigsten russischen Fernkampfmitteln bei Angriffen auf ukrainische Städte und die Energieinfrastruktur.
Anlage produzierte Treibstoff für Marschflugkörper
Der Angriff ist kein Einzelfall: Bereits im Februar hatte die Ukraine dieselbe Anlage attackiert. Damals wurden nach Angaben des ukrainischen Generalstabs rund 6.000 FPV-Drohnen und deren Komponenten zerstört. Die Fabrik steht zudem unter Sanktionen der USA, Großbritanniens und weiterer westlicher Staaten. Zeugen berichteten laut dem Telegram-Kanal Exilenova+ von Explosionsblitzen und dichtem Rauch über dem Werksgelände.
Das „Redkino Experimental Plant“ gilt als das größte Chemieunternehmen der Region Twer. Es produziert neben Decilin-M auch Kraftstoffadditive für Diesel und Flugkerosin. Die Anlage versorgt damit gleich mehrere Kernbereiche der russischen Rüstungs- und Energiewirtschaft. Regionalgouverneur Witali Korolew erklärte, der Brand sei inzwischen gelöscht worden. Die Beschäftigten seien in Schutzräume evakuiert worden, Verletzte unter den Mitarbeitern habe es nicht gegeben. Das ukrainische Militär äußerte sich zunächst nicht offiziell zu den Details des Angriffs. Welche Waffen genau eingesetzt wurden, blieb unklar; die Ukraine greift russische Infrastruktur im Hinterland regelmäßig mit Langstreckendrohnen an.
Öldepot bei Belgorod in Flammen – Zivile Opfer und Schäden an Rechenzentren
Parallel zum Angriff in Twer meldete das NASA-Satellitensystem FIRMS einen Brand an einem Öldepot nördlich der Stadt Belgorod. Das Depot beliefert nach eigenen Angaben Industrie- und Agrarbetriebe sowie Tankstellen in der Region. Das genaue Ausmaß des Schadens war zunächst nicht bekannt. Im Gebiet Belgorod kamen bei Beschuss von Wohnhäusern nach Angaben der regionalen Einsatzzentrale zwei Menschen ums Leben, vier weitere Personen wurden verletzt, darunter ein Kind. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Öldepot-Brand und den zivilen Opfern wurde in den Berichten nicht hergestellt.
Ebenfalls in derselben Nacht wurde ein Yandex-Rechenzentrum in der Oblast Kaluga beschädigt. Es war der zweite Tag in Folge, an dem Einrichtungen des russischen Technologiekonzerns unter Beschuss gerieten. Mehrere Module des Rechenzentrums seien vollständig ausgefallen, teilte Yandex mit. Bereits am Vortag war ein Yandex-Standort in Sasowo in der Oblast Rjasan getroffen worden, woraufhin der Betrieb dort komplett eingestellt werden musste. Der Gouverneur der Oblast Kaluga, Wladislaw Schapscha, meldete neun Verletzte, von denen fünf hospitalisiert wurden. Die russische Luftabwehr habe über der Region 26 Drohnen abgefangen.
Moskau meldet Abwehr von 505 Drohnen
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die eigene Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 505 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. Die Angriffe hätten sich über 19 russische Regionen, die besetzte Krim sowie das Schwarze und das Asowsche Meer erstreckt.
Betroffen waren demnach unter anderem die Oblaste Kaluga, Brjansk, Belgorod, Kursk, Tula, Twer, Smolensk und Moskau sowie die Region Krasnodar und die Republik Tatarstan. Die Angaben des russischen Verteidigungsministeriums lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Ukraine hat die Angriffe weder bestätigt noch dementiert.
Hintergrund der Angriffe: Fokus auf Treibstoffversorgung und Energieexporte
Die Angriffe reihen sich in eine Serie ukrainischer Schläge gegen russische Energie- und Rüstungsinfrastruktur ein. Bereits Anfang Oktober hatten ukrainische Drohnen eine Ölraffinerie in Omsk, rund 2500 Kilometer von der Frontlinie entfernt, getroffen. Seit Monaten läuft eine koordinierte Angriffskampagne der ukrainischen Streitkräfte gegen die russische Energie- und Treibstoffinfrastruktur im Hinterland.