China: Animationsfilm "Niu Lai" wird zum Megaerfolg - weil er so schlecht ist
Der Animationsfilm »Niu Lai« (zu Deutsch: »Die Kuh kommt«) ist in China zu einem unerwarteten Kassenschlager geworden. Der Film besticht offenbar durch amateurhafte Animationen (die Figuren werden in vielen Rezensionen als hässlich und unheimlich beschrieben) und einen schwer nachzuvollziehenden Handlungsstrang. Außerdem gab es kein Marketing und nicht mal einen Trailer vor dem Kinostart. Wie konnte das passieren? Offenbar hat die Diskussion im Netz darüber, wie schlecht der Film ist, ihn zu einem Phänomen werden lassen. Frei nach dem Motto: So schlecht, dass er schon wieder gut ist. In chinesischen Internetforen lassen sich neben Rezensionen, die den Film als schlecht bewerten, mittlerweile auch etliche lobende Worte finden, die häufig offenbar als Satire zu verstehen sind. Gegenentwurf zu KI? Einige Filmfans lobten die schlampige Animation als willkommene Abwechslung im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Ein Nutzer schrieb auf der Filmkritik-Website Douban: »Hat sich das Kreativteam in einer Zeit, in der KI so beliebt ist, für einen handgemachten, etwas groben visuellen Stil entschieden, um ein Gefühl der Rückkehr zum wahren Selbst zu vermitteln?«. Kommentare wie »über neun von zehn« und »fantastisch und sehr empfehlenswert« gehören ebenfalls zu den sarkastischen Reaktionen. Ein anderer User schreibt, dass es seine ursprüngliche Absicht gewesen sei, Freunden einen Streich zu spielen, indem er ihnen den Film empfahl. Er verglich junge Menschen, die ins Kino gehen, um sich solche Filme anzusehen, mit dem »6 7-Hype« in den USA. Manche fühlten sich einfach zu Dingen hingezogen, »die sie seltsam oder lustig finden, wobei viele auf einen Trend aufspringen, egal ob sie ihn verstehen oder nicht.« Jemand anderes versucht sich an einer Erklärung des Trends. »Niu Lai« sei einzigartig, weil der Film »in jeder erdenklichen Hinsicht schlecht« sei, »einschließlich der Handlung, der Spezialeffekte und fast aller Elemente, die man von einem Film erwartet«. Und dann: »Ironischerweise ist genau das, was die Neugier des Publikums geweckt hat«. Chinesischen Berichten zufolge haben nur zwei Personen den kompletten Film produziert, inklusive der Synchronisierung und des Drehbuchs. Dabei solle es sich um ein Mutter-Sohn-Team handeln. Nicht nur chinesische Animationsfilme müssen sich Kritik gefallen lassen. Auch Christopher Nolans »Odyssee« sieht sich Gegenwind ausgesetzt. Der Althistoriker Raimund Schulz hat mit der Hollywoodvariante kein Problem – und erklärt, wovon der Mythos wirklich handelt. Hier lesen Sie mehr.