China: Aufholjagd bei Auto-Reparaturkosten setzt europäische Hersteller unter Druck
Europäische Autohersteller verlieren im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern laut einer Analyse der Allianz rasch ihren bisherigen Vorteil bei den Reparaturkosten. In der Kfz-Versicherung sei der Vorsprung heimischer Fahrzeuge bei niedrigeren Typklassen geschrumpft. 2024 seien europäische Hersteller bei der Versicherungseinstufung noch drei Typklassen besser gewesen als chinesische, 2026 sei es nur noch eine, sagte Christian Sahr, Leiter des Allianz-Zentrums für Technik (AZT) in Ismaning.
Das Allianz-Zentrum für Technik zählt in der Autobranche seit Jahrzehnten zu den prominenten Adressen bei Unfallforschung und Fahrzeugsicherheit. Die Typklassen werden vom Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV) festgelegt. Teure Autos sind üblicherweise in höhere Kasko-Typklassen eingestuft.
Europäische Autoindustrie lässt nach
Die chinesischen Hersteller seien im Durchschnitt 1,5 Typklassen besser geworden, die europäischen 0,5 Typklassen schlechter, sagte Sahr. »Ein erster Trend ist deutlich zu erkennen: die chinesischen Hersteller lernen schnell. Der zweite sehr negative Trend ist, dass die europäischen Hersteller im Durchschnitt schlechter werden.«
»Europäische Hersteller scheinen der Reparaturfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge zunehmend weniger Bedeutung beizumessen«, sagte der Ingenieur. »Für Fahrzeughalter kann das teuer werden.« Die Gesamtkosten eines Fahrzeugs steigen demnach mit zunehmendem Alter des Wagens. Sahr könne sich nicht erklären, wieso die europäischen Hersteller einen Wettbewerbsvorteil aufgäben, der für Verbraucherinnen und Verbraucher immer wichtiger werde.
Große chinesische Marken werden besser
Wenn ein Hersteller neu auf den Markt komme, kein Werkstattnetz habe und Ersatzteile nicht verfügbar seien, stiegen wegen längerer Reparaturdauer und teurerer Ersatzteile auch die Versicherungskosten, sagte der AZT-Chef. Das sei bei manchen chinesischen Fahrzeugen anfangs der Fall gewesen. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation deutlich verbessert, insbesondere bei den großen Herstellern, die sich langfristig am Markt behaupten würden.
Marktführer der chinesischen Hersteller in Deutschland ist BYD. Mit 36.748 Neuzulassungen in den ersten acht Monaten hat das 1995 gegründete Unternehmen inzwischen Konkurrenten wie Tesla, Citroën oder Mazda hinter sich gelassen.
Der Kauf eines chinesischen Autos bleibt jedoch aus einem anderen Grund ein Risiko: Das Überleben vieler Hersteller ist ungewiss. In China gibt es bislang über 100 Automarken, von denen etliche rote Zahlen schreiben oder nur sehr kleine Gewinne einfahren. Auf dem chinesischen Heimatmarkt legen zwar die Verkaufszahlen von Elektroautos zu. Doch die Zulassungszahlen insgesamt sind eingebrochen – ein maßgeblicher Grund für die Exportoffensive.