China: Comedian Guo Degang macht Witz - und darf nicht mehr auftreten
Alles begann demnach Ende Juli mit einem Auftritt Guos in Wuhan und »Ich spiele meine geliebte Pipa« – einem patriotischen Lied, das den kommunistischen Guerillakräften gewidmet ist, die während des Chinesisch-Japanischen Krieges gegen Japan kämpften. 2019 gehörte der Song zu den 100 Liedern, die zur Feier des 70. Jahrestags der Gründung der Volksrepublik China ausgewählt wurden. Guo dichtete es während seines Auftritts um. Statt »Die Sonne geht im Westen unter; alles ist still am Weishan-See« hörte das Publikum »Die Sonne geht im Westen unter; alles ist still in der Verbotenen Stadt«. Die Verbotene Stadt ist der weitläufige Palastkomplex in Peking, der Jahrhunderte das Machtzentrum der chinesischen Kaiser war. Seine Erwähnung könnte in China als politisch heikel interpretiert werden, da der Ort historisch eng mit den jeweiligen Machthabern verbunden ist, schreibt CNN. Guo wurde laut dem Sender beim Kultur- und Tourismusamt von Wuhan von einem Beschwerdeführer angezeigt. Dieser soll angegeben haben, er habe »nicht nur ein klassisches revolutionäres Werk verzerrt und vulgarisiert, sondern auch gegen die öffentliche Moral und anerkannte Verhaltensnormen verstoßen«, schreibt der US-Sender. Er bezieht sich auf einen Bericht der Zeitung »thePaper«, die der chinesischen Regierung nahesteht. Der Fall zeigt, wie vorsichtig Comedians im stark zensierten China vorgehen müssen, um nicht in das Fadenkreuz der regierenden Kommunistischen Partei zu geraten. Lesen Sie auch: In China boomt Stand-up-Comedy, weibliche Comedians füllen zunehmend die Säle. Wie ist das möglich im Land der Zensur ?