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China im KI-Fieber: Warum Sexspielzeug und Chatbots boomen

Technologie

Nackte Menschen, soweit das Auge reicht. Es sind nicht wirklich Menschen, sondern Puppen. "Früher habe ich Wachsfiguren gemacht", sagt Lin Minzhao, während er Farbe auf eine Puppe sprüht, die ohne Kopf mit gespreizten Armen und Beinen vor ihm hängt. Das sei jetzt nicht viel anders, denn das Ziel sei das Gleiche: "Sie sollen so realistisch wie möglich aussehen."

Boom für Sexspielzeug-Branche durch KI

Die Puppen aus Silikon und elastischem Kunststoff sollen mit Sprache, Bewegung und Temperatur auf ihre Nutzer reagieren. Künstliche Intelligenz (KI) hat das Geschäft auf ein neues Level gehoben. Leonard Liu führt durch seine Fabrik.

"Wir haben gerade eine Technologie namens 'IronAI Bionic Vagina' auf den Markt gebracht. Dank Sensoren im Intimbereich kann die Puppe wahrnehmen, ob der Kunde in sie eindringt oder nicht. Sie erfasst seine Geschwindigkeit, sein Timing, seinen Rhythmus", sagt der 37-Jährige.

Besser - oder zumindest anspruchsloser als eine echte Sexualpartnerin.

Chinesische Nutzer betrachten Chatbots viel eher als Freunde

Inzwischen ist China nicht mehr nur der weltweit größte Exporteur für Sexspielzeug, sondern auch der heimische Markt wächst. Für Liu macht er inzwischen 20 Prozent aus, Tendenz steigend. Die Puppe ist für viele nicht nur Sex-Spielzeug, sondern auch digitaler Begleiter.

Für solche Technik sind chinesische Kundinnen und Kunden besonders offen. Nach einer Studie betrachten chinesische Nutzer Chatbots viel eher als Freunde, als deutsche Nutzer das tun. Sie geben dreimal so häufig an, dass sie sich durch Chatbots weniger einsam fühlen und fünfmal so häufig, dass sie ihre tiefsten Geheimnisse mit ihnen teilen würden.

"Viele Menschen in China haben Probleme, vor allem mit sozialen Kompetenzen", sagt Liu. Diese Art von Produkten helfe ihnen dabei, ihr Selbstvertrauen im Umgang mit Menschen zu stärken. "Das ist ein gutes Training." Ob eine Puppe, die sich komplett nach den Bedürfnissen des Nutzers richtet, wirklich auf echten Sex vorbereitet? Darüber lässt sich wohl streiten.

Chinas Gesellschaft an Technologie im Alltag gewöhnt

Chinas Grundstimmung mit Blick auf KI ist positiv. Wie Leonard Liu sehen viele Geschäftsleute darin vor allem eine Chance. Die staatlich gewollte KI-Begeisterung geht quer durch Chinas Gesellschaft. Durch eine Gesellschaft, die daran gewöhnt ist, dass ohne Apps im Alltag nichts geht: bezahlen, Taxi rufen, Fahrrad leihen. Durch eine Gesellschaft, in der Eltern ihre Kinder in den Ferien zu KI-Camps schicken. Niemand will den Anschluss verpassen.

So dreht sich in der "AGI-Bar" in Shanghai auch alles um KI. Statt "All you can drink" heißt es hier: "All you can code". Zum Bier bekommen die Gäste unbegrenzte Token für ein KI-Modell des chinesischen Anbieters DeepSeek. Token sind sozusagen die Währungseinheit, die die Programmierer brauchen. Der "Signature Drink": Für 1,30 Euro gibt es ein Glas mit mehr Schaum als Bier - als Metapher für den überschäumenden KI-Hype.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen China und den USA

China und die USA liefern sich bei KI ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Gegensatz zu den USA bieten chinesische Firmen ihre KI-Modelle meist frei und kostengünstig an und sind so besonders interessant für weniger kaufkräftige Länder - zum Beispiel in Afrika oder Lateinamerika -, die mit den Modellen gleich auch Pekings Weltsicht importieren.

Über Risiken der KI wird auch in China diskutiert. Doch eher in der Wissenschaft und längst nicht so präsent wie im Westen. Der Vorschlag führender US-Firmen, bei der KI-Entwicklung auf die Bremse zu treten, wird hier eher als Versuch interpretiert, Chinas Aufstieg zu verhindern.

China: Vollgas statt Bremse bei KI-Entwicklung

"Vielleicht können wir uns darauf einigen, das Tempo ein wenig zu drosseln. Ich weiß allerdings wirklich nicht, wie das funktionieren soll, wenn es kein grundlegendes Vertrauen zwischen China und den USA gibt", sagt Xiao Qian, Vizedekanin Institut für internationale KI-Governance Tsinghua-Universität Peking. "Aus chinesischer Sicht sollten Entwicklung und Sicherheit Hand in Hand gehen."

Auch in der KI-Bar will niemand einen Gang zurückschalten.

"Wir haben in China Jahrzehnte rasanten Wachstums hinter uns, wohl sogar rasanter als in den meisten anderen Teilen der Welt", so Steve weiter. Das habe Chinas Gesellschaft besser darin gemacht, sich an Neues anzupassen.

"Um zu verhindern, dass KI das Überleben der Menschheit gefährdet, müssen wir sie besser verstehen und sie in eine positive Richtung lenken", sagt der 26-jährige Wu Changli, Doktorand einer KI-Akademie,

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