China kauft GB202 für 35 Milliarden Dollar
Chinesische Unternehmen haben laut Reuters mehr als sechs Millionen RTX Pro 5500 bestellt. Allein auf Alibaba, ByteDance und Tencent entfallen mehr als drei Millionen Exemplare mit einem Auftragswert von über 35 Milliarden US-Dollar.
Nvidia soll seinen Partnerunternehmen für das Jahr 2027 allerdings eine weltweite Produktionsmenge von höchstens drei Millionen Grafikkarten und KI-Beschleunigern genannt haben. Der Fokus dürfte dabei klar auf dem Enterprise-Segment liegen.
Für die Geforce RTX 5090 ist das eine weitere schlechte Nachricht. Die RTX Pro 5500 verwendet denselben GB202-Grafikprozessor mit identischer Shader-Anzahl, verkauft sich im professionellen Segment aber zu einem wesentlich höheren Preis.
Nvidia hat ein Produktionsende der RTX 5090 zwar dementiert. Nach Recherchen von PCGH erhalten OEMs, ODMs und Boardpartner jedoch keine neuen GB202-Chips mehr für Geforce-Grafikkarten. Gleichzeitig ist der günstigste Angebotspreis der RTX 5090 in Deutschland auf 7.367 Euro gestiegen.
RTX 5090 und RTX Pro 5500: GB202 zu verschiedenen Preisen
Nvidia hat die RTX Pro 5500 am 14. September 2026 vorgestellt. Die professionelle Workstation-Grafikkarte basiert wie auch die Geforce RTX 5090 auf dem großen Blackwell-Grafikprozessor GB202 mit 170 Streaming-Multiprozessoren.
Beide Modelle verfügen über 21.760 aktive Shader-Einheiten. Unterschiede bestehen insbesondere bei der Speicherbestückung und den Funktionen für professionelle Anwendungen.
Während die Geforce RTX 5090 mit 32 GiB GDDR7 an einem 512 Bit breiten Speicherinterface arbeitet, bietet die RTX Pro 5500 insgesamt 84 GiB GDDR7 mit ECC.
Laut PNY-Spezifikationen, über die PCGH bereits berichtete, beträgt die Busbreite der Profi-Grafikkarte ungewöhnliche 416 Bit. Nvidia selbst hatte die genaue Speicherorganisation zunächst nicht erläutert.
Die RTX Pro 5500 richtet sich unter anderem an Workstations für KI-Inferenz, Simulationen und andere rechenintensive Anwendungen. In China ist sie aufgrund der US-Exportbeschränkungen besonders gefragt, weil leistungsfähigere Rechenzentrumsbeschleuniger dort nicht ohne Weiteres erhältlich sind.
Mehr als 35 Milliarden Dollar Auftragswert
Der Preisunterschied zur Geforce RTX 5090 ist erheblich. Laut Reuters kostet eine RTX Pro 5500 rund 11.400 US-Dollar. Die offizielle US-Preisempfehlung der Geforce RTX 5090 liegt bei 1.999 US-Dollar.
Drei Millionen RTX Pro 5500 hätten bei diesem Stückpreis einen theoretischen Verkaufswert von 34,2 Milliarden US-Dollar. Da Alibaba, ByteDance und Tencent zusammen mehr als drei Millionen Karten bestellt haben sollen, beziffert Reuters den Gesamtwert ihrer Aufträge auf über 35 Milliarden Dollar.
Die gleiche Stückzahl Geforce RTX 5090 entspräche bei deren US-Preisempfehlung lediglich einem Verkaufswert von knapp sechs Milliarden Dollar.
Geforce RTX 5090 und RTX Pro 5500 im Vergleich
Dieser Vergleich zeigt den großen Unterschied bei den Verkaufspreisen, erlaubt aber keine direkte Berechnung von Nvidias Gewinn.
Bei der Geforce RTX 5090 liefert Nvidia den Boardpartnern ein Paket aus Grafikprozessor und Speicher. Nach einer PCGH-Modellrechnung erzielt das Unternehmen damit rund 850 Euro Rohertrag.
Bei der RTX Pro 5500 läuft der Vertrieb anders. Nach Darstellung von 3DCenter lässt Nvidia die fertigen Profi-Grafikkarten von Auftragsfertigern (ODM) herstellen.
Damit kann Nvidia einen wesentlich größeren Teil der Wertschöpfung selbst vermarkten. Allerdings sind die tatsächlichen Verkaufserlöse, Herstellkosten und Margen nicht öffentlich bekannt. Der von Reuters genannte Stückpreis lässt sich daher nicht mit Nvidias Einnahmen aus einem Geforce-GPU-Kit gleichsetzen.
Bei der Chipauswahl gibt es dennoch eine wesentliche Gemeinsamkeit: Beide Karten verwenden einen GB202 mit demselben Ausbau an Recheneinheiten.
3DCenter geht deshalb davon aus, dass ein für die RTX 5090 geeigneter GB202 grundsätzlich auch für die RTX Pro 5500 infrage kommt. Ob einzelne Chips darüber hinaus unterschiedliche Qualitäts- oder Validierungsanforderungen erfüllen müssen, ist allerdings nicht bekannt.
Die hohe Nachfrage nach der Profi-Grafikkarte schafft somit einen wirtschaftlichen Anreiz, verfügbare GB202-Chips bevorzugt für dieses Modell einzusetzen.
GDDR7: Die RTX Pro 5500 benötigt deutlich mehr Speicher
Die RTX Pro 5500 ist allerdings auch in der Herstellung aufwendiger als eine Geforce RTX 5090. Mit 84 GiB verfügt sie über die rund 2,6-fache GDDR7-Kapazität des Gaming-Modells. Hinzu kommt die ECC-Unterstützung.
Bei drei Millionen Exemplaren summiert sich allein die nominelle Speicherkapazität auf 252 Millionen GiB. Rechnerisch würde dieselbe Speichermenge für knapp 7,9 Millionen Geforce RTX 5090 mit jeweils 32 GiB ausreichen.
Die Rechnung zeigt, dass die RTX Pro 5500 erheblich mehr GDDR7-Kapazität beansprucht als eine entsprechende Stückzahl RTX 5090. Daraus folgt allerdings nicht, dass Grafikspeicher als Engpass für Nvidia bedeutungslos wäre.
Welche GDDR7-Bausteine tatsächlich zur Verfügung stehen, wie sie eingekauft werden und welche Kapazitäten die Hersteller bereitstellen, lässt sich aus der reinen Speichergröße nicht ableiten.
Der Unterschied beim erzielbaren Verkaufspreis bleibt unabhängig davon erheblich.
RTX Pro 5500: Mehr als sechs Millionen Bestellungen aus China
Die Nachfrage nach der RTX Pro 5500 übersteigt offenbar selbst Nvidias geplante Produktionsmenge deutlich.
Nach einem Reuters-Bericht vom 20. Oktober haben Alibaba, ByteDance und Tencent zusammen mehr als drei Millionen Exemplare bestellt. Unter Einbeziehung weiterer chinesischer Unternehmen sollen bereits Bestellungen für mehr als sechs Millionen Karten vorliegen.
Dem steht eine deutlich kleinere Fertigungsplanung gegenüber. Nvidia soll Partnern mitgeteilt haben, dass 2027 weltweit höchstens drei Millionen RTX Pro 5500 produziert werden könnten.
Eine Quelle berichtet außerdem, dass manche Partner möglicherweise nur 5 bis 10 Prozent ihrer bestellten Mengen erhalten. Dabei handelt es sich um Angaben aus dem Partner- und Kundenumfeld, nicht um eine von Nvidia veröffentlichte Produktionsprognose. Erste Muster sollen im Dezember 2026 ausgeliefert werden. Der reguläre Lieferbeginn wird für das erste Quartal 2027 erwartet.
Dass die Bestellungen tatsächlich vollständig abgearbeitet werden, ist damit keineswegs gesichert. Reuters berichtet ausdrücklich, dass Nvidia seinen Kunden keine vollständige Belieferung zusagen kann.
Nvidia Rubin beansprucht zusätzliche TSMC-Kapazitäten
Die Produktion dürfte 2027 noch stärker unter Druck geraten. Laut zwei von Reuters zitierten Quellen will Nvidia einen Großteil seiner verfügbaren Fertigungskapazitäten bei TSMC für die Rechenzentrumsplattform Rubin einsetzen.
Damit konkurriert die RTX Pro 5500 nicht nur mit Gaming-Grafikkarten um Ressourcen. Auch innerhalb des professionellen und KI-orientierten Nvidia-Portfolios müssen Fertigungskapazitäten verteilt werden.
3DCenter vermutet, dass die von Reuters genannte Obergrenze von drei Millionen RTX Pro 5500 ungefähr dem bisherigen regulären Produktionsumfang des GB202 entsprechen könnte.
Bestätigt ist diese Gleichsetzung nicht. Aus der geplanten Stückzahl einer einzelnen Grafikkarte lässt sich die gesamte GB202-Fertigung nicht zuverlässig ableiten.
Ebenso wenig steht fest, ob Nvidia seine Kapazitäten noch erhöhen oder die Verteilung zwischen Geforce- und Profi-Produkten verändern wird. Die derzeitige Auftragslage dürfte eine bevorzugte Belieferung des Profi-Segments aber wirtschaftlich attraktiv machen.
US-Exportregeln treiben die Nachfrage nach Workstation-GPUs
Ein wesentlicher Grund für das Interesse chinesischer Unternehmen sind die US-Exportbeschränkungen. Besonders leistungsfähige Nvidia-Beschleuniger für KI-Rechenzentren dürfen nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen nach China verkauft werden. Die RTX Pro 5500 gehört dagegen nach Reuters zu den leistungsfähigeren Nvidia-Produkten, die chinesischen Kunden noch zur Verfügung stehen.
Die Unternehmen wollen die Karten dem Bericht zufolge vor allem für KI-Inferenz, also die Ausführung bereits trainierter Modelle, einsetzen.
Nvidia kritisierte gegenüber Reuters die bestehenden Exportregeln. Ein Sprecher erklärte, dass die Beschränkungen teilweise auch ältere Gaming-Produkte erfassten und US-Unternehmen dadurch im chinesischen Markt benachteiligten.
Die RTX Pro 5500 ist dennoch kein als Workstation-Karte getarnter Geforce-Import. Nvidia vertreibt sie als eigenständiges professionelles Produkt mit anderer Speicherbestückung und zusätzlichem Funktionsumfang.
Die hohe Nachfrage zeigt, dass chinesische Kunden angesichts der Exportkontrollen auch auf Workstation-Hardware ausweichen.
Geforce RTX 5090: Nvidia bestreitet das Produktionsende
Ob Nvidia den GB202 künftig überhaupt noch in nennenswerten Mengen für die Geforce RTX 5090 bereitstellt, bleibt umstritten.
Jeff Fisher, Senior Vice President Personal Computing bei Nvidia, hat am 16. Oktober Berichten über ein Produktionsende der Geforce RTX 5090 widersprochen.
Gegenüber 4Gamers erklärte Fisher, die Grafikkarte sei nicht eingestellt und werde weiterhin ausgeliefert. Gleichzeitig räumte er Einschränkungen in der Lieferkette ein.
Nach Recherchen von PCGH erhält das Geforce-Segment allerdings seit Mitte Oktober keine neuen GB202-Zuteilungen mehr. Boardpartner können weiterhin Grafikkarten mit bereits erhaltenen Chips produzieren. Auch der Abverkauf fertiger Karten ist davon nicht unmittelbar betroffen.
Nvidias Aussage über fortgesetzte Auslieferungen muss daher kein Widerspruch zum Ende neuer Chipzuteilungen sein.
Eine weitere Angabe stammt von einer Händlerquelle des YouTubers Moore’s Law Is Dead. Diese nennt laut einem PCGH-Bericht die erste Januarhälfte 2027 als möglichen EOL-Termin. Nvidia hat einen solchen Termin nicht bestätigt.
RTX 5090 kostet inzwischen mindestens 7.367 Euro
Die eingeschränkte Versorgung macht sich längst bei den deutschen Handelspreisen bemerkbar. Am 23. Oktober 2026 um 9:20 Uhr begann die Angebotsliste der Geforce RTX 5090 im PCGH-Preisvergleich bei 7.367 Euro.
Am 18. Oktober lag der günstigste Preis noch bei knapp 6.800 Euro. Innerhalb von fünf Tagen verteuerte sich der Einstieg damit um rund 570 Euro. Zum Vergleich: Die offizielle Preisempfehlung für die Founders Edition beträgt in Deutschland 2.099 Euro.
Der Handel verlangt aktuell also mindestens das 3,5-Fache der ursprünglichen Preisempfehlung. Wie sich die Preise weiterentwickeln, hängt vor allem davon ab, ob Nvidia wieder größere Mengen bereitstellt und wie schnell vorhandene Lagerbestände abverkauft werden.
Die Reuters-Bestellungen für die RTX Pro 5500 liefern einen zusätzlichen Hinweis darauf, weshalb eine rasche Entspannung bei der GB202-Versorgung derzeit unwahrscheinlich erscheint. Ein konkreter Zusammenhang zwischen einzelnen China-Aufträgen und den aktuellen deutschen Handelspreisen ist damit jedoch nicht nachgewiesen.
RTX 5080 mit 24 GiB als möglicher Ersatz für die RTX 5090
Während die Geforce RTX 5090 immer teurer wird, verdichten sich die Gerüchte um eine RTX 5080 mit 24 GiB. Laut Benchlife könnte die Grafikkarte im ersten Quartal 2027 erscheinen und die bisherige RTX 5080 mit 16 GiB ergänzen oder ersetzen. Nvidia hat das Modell bislang nicht angekündigt.
Nach den bisherigen Informationen soll die größere RTX 5080 weiterhin auf dem GB203 basieren. Mit 10.752 Shader-Einheiten verfügt dieser über weniger als die Hälfte der Recheneinheiten des GB202 in der RTX 5090. Die zusätzliche Speicherkapazität würde daran nichts ändern.
Laut einer PCGH-Simulation erreicht eine stark übertaktete RTX 5080 mit schnellerem Speicher lediglich ungefähr das Leistungsniveau einer Geforce RTX 4090. Eine RTX 5080 mit 24 GiB wäre deshalb vor allem ein Speicher-Upgrade. Die Rechenleistung einer RTX 5090 könnte sie nicht ersetzen.
Geforce RTX 60: Rubin-Gaming-Chips erst 2028?
Auch die nächste Geforce-Generation dürfte keine kurzfristige Lösung bringen. 3DCenter sieht in den umfangreichen China-Aufträgen einen möglichen zusätzlichen Anreiz für Nvidia, die Produktion bestehender professioneller Blackwell-Produkte länger zu priorisieren.
Das ist eine wirtschaftliche Überlegung, kein bestätigter Nvidia-Fahrplan. Die derzeit vorherrschenden Insiderprognosen sehen den Marktstart der größeren Geforce-RTX-60-Modelle auf Rubin-Basis frühestens 2028. Für die Mittelklasse rechnet Kepler_L2 sogar erst 2029 mit einer Geforce RTX 6060.
Offiziell hat Nvidia zur nächsten Geforce-Generation weder einen Namen noch einen Veröffentlichungstermin genannt.
Für Käufer einer Geforce RTX 5090 bleibt damit vorerst die aktuelle Marktlage entscheidend: Nvidia bestreitet die Einstellung der Karte, PCGH-Quellen berichten von ausbleibenden GB202-Zuteilungen, und die Händlerpreise steigen weiter.
Die RTX Pro 5500 erklärt diesen Engpass nicht allein. Ihr wesentlich höherer Verkaufspreis und die umfangreichen Bestellungen aus China liefern aber einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Grund, weshalb Nvidia den GB202 bevorzugt im professionellen Segment einsetzen könnte.
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