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China schickt Container über die Arktis

Welt

Ein Containerschiff verlässt in diesen Tagen den Hafen Ningbo und nimmt Kurs nach Norden, nicht in Richtung Suezkanal. An Bord der „Dubai Tower“, die Platz für 1740 Standardcontainer bietet, beginnt die erste reguläre Containerlinie durch die Arktis. Die chinesische Reederei Sea Legend führt die Strecke von Chinas Ostküste entlang der russischen Nordküste bis nach Felixstowe in Großbritannien. Die Ladung dafür wird nach Angaben des Betreibers seit dem 12. August in Ningbo-Zhoushan gesammelt. Für die Saison sind nach Angaben des Betreibers acht Abfahrten zwischen dem 12. August und dem 27. Oktober geplant, im Wochentakt. Sieben Schiffe mit einer Kapazität zwischen rund 1500 und 5000 Containern sollen die Verbindung bedienen. Dabei vermarktet die Reederei die Strecke als Ice Silk Road, in Anlehnung an die alte Seidenstraße zwischen China und Europa. Die übliche Fahrt zwischen beiden Häfen dauert rund 40 Tage. Über die Arktis halbiert sie sich je nach Eislage auf etwa 20 Tage. Im Sommer zieht sich das Eis so weit zurück, dass Schiffe die Passage ohne durchgehende Eisbrecher-Begleitung schaffen. Neben der zeitlichen Verkürzung wiegt vor allem die Sicherheit. Die Nordroute meidet die klassischen Konfliktzonen der Seefahrt wie die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer. Dort greift die von Iran unterstützte Huthi-Miliz seit Wochen wieder Schiffe an. Ende Juli erklärte die Miliz, zwei saudische Tanker attackiert zu haben, die „Encelia“ und die „Layla“. Eine Sicherheitsquelle meldete für die „Encelia“ einen Raketeneinschlag, die saudische Nachrichtenagentur SPA bestätigte einen Brand am Bug. Der Ölpreis stieg daraufhin erstmals seit Mai auf mehr als 100 Dollar je Barrel. Rahul Khanna, Leiter der Schifffahrtsrisikoberatung beim Versicherer Allianz, sagte der Financial Times, der Verkehr über die Nordroute habe deutlich zugenommen. Reeder wollten Zeit und Kosten sparen und zugleich die geopolitischen Nadelöhre umfahren. Durch russische Gewässer Die arktische Seidenstraße verläuft fast vollständig durch russische Hoheitsgewässer. Sie ist in 28 Abschnitte unterteilt, für die eine dem Staatskonzern Rosatom unterstellte Verwaltung die Regeln setzt und die Genehmigungen erteilt. Der Rosatom-Chef Alexej Lichatschow bestätigte die acht Fahrten bis Oktober. Wer die Meerengen im Süden meidet, ist im Norden auf Russland angewiesen. Russland und China hatten die Region nach Angaben des Atlantic Council zu einem Feld ihrer Zusammenarbeit erklärt, als Handelsweg nach Europa und als Quelle für Rohstoffe. Russland betreibt zudem die weltgrößte Flotte atomgetriebener Eisbrecher und behandelt die Nordostpassage als eigene Hoheitsroute. Das Eis bleibt gefährlich Die Route bringt Gefahren mit sich. Weit im Norden fällt zeitweise das GPS aus, Rettung und Bergung sind kaum erreichbar. Nach Angaben der Allianz gab es im Polarkreis in zehn Jahren mehr als 500 gemeldete Schiffsunglücke, fast die Hälfte durch Maschinenschäden. Für die Fahrt gilt der Polar-Code der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation mit strengen Sicherheits- und Umweltauflagen. Große europäische Reeder halten sich zurück. Maersk schickte 2018 das erste Containerschiff durch die Arktis, hat aber wie andere zugesagt, die Strecke zum Schutz des Ökosystems zu meiden. Malte Humpert, Arktis-Fachmann bei High North News, nennt zwei Gründe: die Beziehungen zu Russland und den Klimawandel. Das geschmolzene Eis macht es möglich Ausgerechnet der Klimawandel macht das Geschäft überhaupt möglich. Nach einer Untersuchung der University of Southampton ging das winterliche Meereis zwischen 2024 und 2025 um 5,8 Prozent zurück, der stärkste je gemessene Rückgang. In diesem Jahr erholte es sich leicht, blieb aber auf dem zweitniedrigsten je erfassten Stand. Die Fahrten könnten zudem Auftrieb bringen. Zwar beziffert der Betreiber der Route den Ausstoß an Kohlendioxid auf etwa die Hälfte der Südroute, weil der Weg deutlich kürzer ausfällt, Fachleute halten trotzdem dagegen. So sollen Schiffe im Eismeer Rußpartikel freisetzen, die sich auf Schnee und Eis legen und die Erwärmung beschleunigen. Für die Lieferketten biete die Strecke vor allem einen Ausweichweg abseits der krisenanfälligen Passagen im Süden, heißt es aus der Branche. Für Peking fügt sich die Linie in einen langen Plan. Die Polar-Seidenstraße rief Staatschef Xi Jinping 2017 aus, 2018 schrieb China sie in sein Arktis-Weißbuch. Die acht Fahrten dieses Sommers sind ein Anfang. Die Richtung ist gesetzt. Lesen Sie mehr zum Thema

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