DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

China verkauft immer mehr nach Deutschland

Wirtschaft

Startseite Wirtschaft Handel aus dem Gleichgewicht: China liefert immer mehr – Deutschland kauft mehr, als es verkauft Von: Lennart Niklas Johansson Schwenck Uns auf Google folgen Chinas Exporte nach Deutschland wachsen rasant. Das Handelsdefizit erreicht neue Rekordwerte. Deutschland und Europa suchen dringend nach Antworten. Berlin/Brüssel/Peking – Im Juni 2026 stiegen Chinas Exporte nach Deutschland laut Daten der chinesischen Zollbehörde in Peking um 27,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die deutschen Lieferungen nach China wuchsen im gleichen Zeitraum lediglich um 3,1 Prozent. Das Wachstumsgefälle ist offensichtlich – und es ist kein Zufallsprodukt eines einzelnen Monats. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 stiegen chinesische Warenlieferungen nach Deutschland um 19 Prozent, während die deutschen Exporte in die Volksrepublik lediglich um 1,8 Prozent zulegten. In konkreten Zahlen bedeutet das laut der Pekinger Zollbehörde: China lieferte von Januar bis Juni Waren im Wert von 67,5 Milliarden US-Dollar (rund 59,3 Milliarden Euro) nach Deutschland. Die deutschen Exporte nach China erreichten im selben Zeitraum nur 45,2 Milliarden Dollar. Das resultierende Handelsdefizit Deutschlands mit China beläuft sich damit auf 22,3 Milliarden US-Dollar, allein in einem halben Jahr. Autos, Maschinen, Elektronik: Was China nach Deutschland schickt Auch auf EU-Ebene zeigt die Bilanz ein deutliches Ungleichgewicht. Laut dem Rat der Europäischen Union importierte die EU im Jahr 2024 Waren aus China im Wert von 519 Milliarden Euro, während die EU-Exporte nach China nur 213,2 Milliarden Euro erreichten. Das ergibt ein Warenhandelsdefizit von mehr als 300 Milliarden Euro. Zwischen 2014 und 2024 stiegen die EU-Einfuhren aus China um mehr als 102 Prozent, die EU-Ausfuhren nach China lediglich um knapp 47 Prozent. Zu den wichtigsten Importgütern aus China zählen dabei Telekommunikations- und Büromaschinen, PCs, Audiogeräte sowie elektrische Maschinen und Geräte. Hinzu kommen in wachsendem Maße Elektroautos und Fahrzeugteile. Früher war es Deutschland, das Autos und Maschinen nach China exportierte. Heute dreht sich dieses Verhältnis spürbar um. Im Autohandel zwischen der EU und China hat sich das Kräfteverhältnis laut einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY bereits im vergangenen Jahr umgekehrt. Die EU importierte 2025 Autos und Autoteile aus China im Rekordwert von 22 Milliarden Euro, während die EU-Exporte nach China um 34 Prozent auf 16 Milliarden Euro einbrachen. Aus einem einstigen Exportüberschuss wurde ein Defizit von sechs Milliarden Euro. Für die deutsche Autoindustrie ist das besonders schmerzhaft: China war 2025 nur noch das sechstwichtigste Exportland für deutsche Hersteller – ein Jahr zuvor belegte die Volksrepublik noch Rang zwei. EY-Experte Constantin Gall warnte in diesem Zusammenhang gegenüber der Tagesschau vor einem „Elektro-Desaster“. Viele Unternehmen hätten „im Vertrauen auf rasch steigende Absatzzahlen hohe Investitionen in die E-Mobilität getätigt, ohne dass sich die erhofften Markterfolge eingestellt hätten.“ Jetzt folge bei vielen Herstellern ein Strategiewechsel zurück zum Verbrenner, was erneut „hohe Investitionen“ erfordere. Zulieferer in der Krise: Fast jede vierte Stelle seit 2019 weggefallen Was die Zahlen beschreiben, spüren viele Beschäftigte längst im Alltag. Der Umsatz der Zulieferer sank 2025 laut EY um vier Prozent, die Beschäftigung sogar um gut zehn Prozent. Seit 2019 hat die Branche damit fast jede vierte Stelle verloren. Von Januar bis November 2025 wurden 39 Insolvenzverfahren in der deutschen Autoindustrie eröffnet, so viele wie zuletzt 2013. Für EY-Experte Gall sind Werksschließungen bei Zulieferern kein Ausnahmefall mehr, sondern Alltag. Und er sieht vorerst keine Trendwende: „Der Stellenabbau wird weitergehen – bis zu einer echten Gesundung der Branche ist es aber noch ein sehr weiter Weg.“ Wie ernst die Lage ist, zeigt auch ein Blick auf den größten europäischen Autobauer. VW-Konzernchef Oliver Blume äußerte sich kürzlich konkret zum Stellenabbau beim Konzern. Ohne Veränderung der Arbeitskosten würde sich „eine theoretische Ableitung von rund 50.000 Stellen weltweit ergeben“, so Blume. Diese kämen zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellen, die bis 2030 abgebaut werden sollen. Unter dem Strich stünden damit bis zu 100.000 gestrichene Arbeitsplätze, ein erheblicher Teil davon in Deutschland. China fördert gezielt Zukunftsbranchen – und erhöht den Druck auf Deutschland Die Autoindustrie ist kein Einzelfall. Ähnliche Verschiebungen zeigen sich im Pharmasektor. Laut einem IW-Gutachten im Auftrag des Pharmaverbands Pro Generika befinden sich 47 Prozent der Produktionsstandorte für Antibiotika in China. Vor 20 Jahren hielten europäische Unternehmen noch knapp 60 Prozent der zertifizierten Zulassungen für Generika-Wirkstoffe – heute sind es nur noch rund ein Drittel. EU-Gesundheitsminister aus elf Mitgliedstaaten bezeichneten diese Abhängigkeit 2025 als „Achillesferse der europäischen Versorgungsarchitektur“. Hinter diesem Muster steckt eine langfristige industriepolitische Strategie. China fördert gezielt Zukunftsbranchen wie Halbleiter, Robotik, Quantentechnologie, Wasserstoffnutzung und Biotechnologie. Viele dieser Felder stehen auch im Mittelpunkt der deutschen Hightech-Politik. Chinesische Unternehmen bieten dabei zunehmend technologisch anspruchsvolle Produkte zu niedrigen Preisen auf den Weltmärkten an und gewinnen damit Marktanteile, die lange als westliche Domäne galten. EU reagiert mit Zöllen und strengeren Einfuhrregeln Die Europäische Union hat auf die verschobene Handelsbilanz bereits mit Gegenmaßnahmen reagiert. So wurden Sonderzölle auf chinesische Elektroautos eingeführt. Auch die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro für Pakete aus Drittstaaten wird abgeschafft. Die EU-Finanzminister beschlossen im November 2025 in Brüssel, diese sogenannte De-minimis-Freigrenze deutlich früher als geplant zu streichen. Statt erst ab Mitte 2028 soll die Regelung bereits im ersten Quartal 2026 greifen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic bezeichnete dies als „entscheidenden Schritt“, damit die EU ihre Position „angesichts der sich rasch verändernden Handelsrealitäten stärkt“. Die Maßnahme richtet sich insbesondere gegen chinesische Online-Plattformen wie Temu und Shein, über die laut EU-Kommission 91 Prozent aller E-Commerce-Importe unter 150 Euro in die EU gelangen. Allein Shein und Temu verschickten nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) täglich rund 400.000 Pakete an deutsche Kunden. (Quellen: Chinesische Zollbehörde, Rat der Europäischen Union/Eurostat, EY-Analyse zum EU-Autohandel mit China, Handelsverband Deutschland, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, EU-Kommission, Tagesschau) (ls)

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