DAX +0,15 % 25.410,84 Pkt 18:00:00 MDAX +0,67 % 30.287,68 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.116,23 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,96 % 52.361,58 Pkt 21:43:41 S&P 500 +0,17 % 7.676,77 Pkt 21:43:43 Nasdaq +0,62 % 26.169,38 Pkt 22:15:59 Nikkei -0,80 % 62.189,65 Pkt 07:45:03 Gold -0,43 % 4.021,20 USD 00:49:16 Silber -0,70 % 53,96 USD 00:48:42 Brent -0,33 % 110,37 USD 00:47:50 WTI -0,28 % 101,48 USD 00:48:50 Bitcoin -0,03 % 80.002,46 USD 00:59:16 EUR/USD -0,39 % 1,11770 USD 00:58:44 EUR/GBP +0,02 % 0,83730 GBP 00:59:22 EUR/CHF +0,52 % 0,92480 CHF 00:59:22 EUR/JPY +0,24 % 176,025 JPY 00:59:22

Chinas Dominanz wird zur Gefahr: Das schmutzige Geschäft mit den Seltenen Erden

Wirtschaft

Wenn China will, stehen in Europas Fabriken die Räder still. Peking beherrscht den Weltmarkt für seltene Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder bestimmte Erze, die etwa für den Bau von Computerchips wichtig sind. Die finden sich inzwischen in fast allen elektronischen Geräten, von der Kaffeemaschine über Smartphones bis zu Windkraftanlagen und Autos.

Die Europäische Union (EU) hat erkannt, wie gefährlich die große Abhängigkeit von China ist, und will gegensteuern. In der Vergangenheit hat Peking bereits Exportstopps und Einschränkungen verhängt, um Druck auf einzelne Staaten auszuüben. In den kommenden Jahren sollen in der EU daher die Lieferketten diversifiziert, eigene Vorkommen erkundet und das Recycling ausgebaut werden.

Jüngst hat die EU-Kommission acht deutschen Projekten für den Abbau, die Verarbeitung und das Recycling von Rohstoffen ihre Unterstützung zugesagt. Auf der Liste steht unter anderem die Lithiumförderung in Sachsen-Anhalt sowie mehrere Projekte für Batterierecycling.

Diese Unternehmungen sollen künftig einfacher Genehmigungen bekommen und Fördergelder beantragen können. Unterstützt werden 46 Projekte aus 16 Ländern. Es ist bereits das dritte Mal, dass die Kommission Projekte auswählt, die sie für besonders wichtig erachtet. Nach Angaben der Brüsseler Behörde sind es insgesamt nun 93 strategische Projekte in der EU und 13 in Drittländern und Überseegebieten.

Erklärtes Ziel der EU ist es, bis 2030 mindestens zehn Prozent der Rohstoffe auf EU-Gebiet abzubauen und die benötigten Materialien zu mindestens 40 Prozent selbst zu verarbeiten. Bis zu einem Viertel der Rohstoffe soll in der EU recycelt werden. Künftig soll ein einzelnes Drittland außerdem nicht mehr als 65 Prozent eines solchen wichtigen Rohstoffs liefern.

Stéphane Séjourné, EU-Kommissar für Industrie, gab sich in diesen Tagen bei der Präsentation der neuen Unternehmensliste optimistisch: „Unser Ansatz ist einfach: die Abhängigkeit verringern, die Produktion in Europa steigern. Wir verfügen über die Ressourcen, die Projekte und die Finanzierung – nun legen wir einen Gang zu.“

Kritik vom Europäischen Rechnungshof

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommen allerdings die Prüfer des Europäischen Rechnungshofes. In einem bereits im Februar veröffentlichten Papier mit dem Titel „Keine solide Strategie vorhanden“ stellen sie fest, dass die bisherigen Schritte der EU zur Diversifizierung der Einfuhren „nicht zu greifbaren Ergebnissen“ geführt hätten. Engpässe hemmten die heimische Produktion, und das Recycling stecke noch in den Kinderschuhen. Angesichts ihrer Beobachtungen halten es „die Prüfer für unwahrscheinlich, dass viele EU-geförderte Projekte noch im geplanten Zeitrahmen erfolgreich umgesetzt werden können“.

Als Problem erweist sich auch, dass die EU-Förderlandschaft hochgradig fragmentiert ist. Deswegen ist die Einrichtung einer gebündelten Finanzierungsplattform geplant, die sich allerdings verzögert. Dafür hat das Europaparlament eine Anpassung der europäischen Rohstoffstrategie und den Aufbau eines Zentrums für kritische Rohstoffe beschlossen.

„Das Zentrum soll die Nachfrage europäischer Unternehmen bündeln, gemeinsame Einkäufe und langfristige Lieferverträge erleichtern, strategische Reserven aufbauen und Investitionen entlang der Rohstofflieferketten unterstützen“, sagt die CDU-Europaabgeordnete Hildegard Bentele.

Gefährlicher Abbau

Ein zentrales Problem ist allerdings nicht nur der Einkauf von Seltenen Erden, sondern vor allem die Weiterverarbeitung und Raffination der Rohstoffe. Denn ohne eigene Verarbeitungskapazitäten bleiben etwa Rohstoffpartnerschaften wirkungslos.

Die Gewinnung ist allerdings ein äußerst schmutziges und meist giftiges Geschäft. Für wenige Gramm reines Material muss teils eine ganze Tonne Erde durchsiebt werden. Zudem sind Prozesse häufig unter Anwendung von Chemikalien wie Schwefelsäure oder Natronlauge notwendig. Die Verfahren sind komplex und haben zahlreiche Nebeneffekte. Es entstehen radioaktive Isotope und giftige Abwässer.

In China gleichen die Gegenden um die Produktionsgebiete häufig Mondlandschaften. Außerdem werden während des gesamten Prozesses große Mengen an Wasser und Strom benötigt. Die Förderung der meisten Seltenen Erden in Deutschland gilt deshalb allein aus Umweltgründen als praktisch unmöglich.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatte es geheißen, die Förderung der meisten Seltenen Erden in Deutschland gelte allein aus Umweltgründen als „praktisch möglich“. Das Gegenteil ist der Fall. Richtig ist: „praktisch unmöglich“. Wir haben den Fehler korrigiert.

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