Chinas Zentralbank ernennt die Deutsche Bank zur ersten europäischen Renminbi-Clearingstelle
Wer Orientierung in der Geopolitik suchte, kam im August auf seine Kosten. Zum Monatsbeginn machten die Amerikaner klar, wer ihr wichtigster geostrategischer Partner außerhalb der eigenen Hemisphäre ist: Japan. Mit einer rekordverdächtigen Währungsintervention stützten beide Seiten gemeinsam die japanische Währung und stießen die europäischen Partner dabei diplomatisch vor den Kopf. Ohne Vorwarnung veräußerten die USA einen Euro-Milliardenbestand, um dem japanischen Yen unter die Arme zu greifen. Das ist Diplomatie mit dem Vorschlaghammer – ein Signal, das für die Europäer mehr als eine bloße Warnung sein sollte. Es wäre angebracht, die Strategie im Umgang mit Washington zu überdenken. Man wäre gut beraten, in Rechnung zu stellen, dass die USA ihre Strategie von „America First“ mit harter Hand umzusetzen gedenken. Machen wir uns nichts vor: Ganz gleich, ob USA, China oder die sich immer schneller verschuldende EU – wir befinden uns in einem race to the bottom. Die hohen Schuldenstände werden Währungsabwertungen regelrecht erzwingen. Kommt es zum Schwur an den Anleihenmärkten und einem massiven Abverkauf mit explodierenden Zinsen, wird der Dollar wie stets die Fluchtwährung sein. Zudem werden die USA keine Sekunde zögern, mit Swaplines, also schnellen Liquiditätshilfen, gezielt und selektiv ihre Partner über Wasser zu halten. Es ist nicht zu übersehen: Die EU und ihre Mitgliedstaaten stehen unter massivem Zugzwang – nicht zuletzt aufgrund der zerbröselnden Wettbewerbsfähigkeit, die das eigene politische Modell heraufbeschworen hat. Da passt es ins Bild, was sich am 10. August in Frankfurt ereignete: Die People’s Bank of China (PBoC) ernannte mit der Deutschen Bank das erste europäische Geldhaus zur offiziellen Clearingstelle für internationale Renminbi-Transaktionen. Ein realistischer Blick auf die Geopolitik bestärkt den Verdacht, dass Peking und Brüssel angesichts der aggressiven Dollar-Politik ein Stück weit zusammenrücken. Auf geldpolitischer Ebene wäre dies ein Hauch von Tauwetter. Immerhin: Nach dem diplomatischen Super-GAU im vergangenen Jahr, als China kurzerhand mit einem Exportstopp bei Seltenen Erden drohte und Brüssel zeitverzögert seinen Digital Services Act mit massiven Strafen gegen Firmen wie Temu und AliExpress scharfstellte, ist dies auch dringend nötig. Doch handelt es sich bei dem Abkommen mit der Deutschen Bank möglicherweise um chinesischen Währungskolonialismus? Die Deutsche Bank könnte als Clearingstelle zum Dreh- und Angelpunkt europäischer Unternehmen werden, die der Stabilität der chinesischen Währung Vertrauen schenken und künftig bereit sind, das Dollarsystem zu umgehen. Selbstverständlich wächst dabei die Gefahr amerikanischer Sanktionen – SWIFT ist immer noch ein scharfes Schwert, auch wenn Chinas Gegenmodell „mBridge“ bereits am Horizont Konturen annimmt. Was aber genau bedeutet die Ernennung der Deutschen Bank? Die Integration des global bestens vernetzten Geldhauses schafft Effizienz im Transaktionswesen zwischen China und der Eurozone. Transfers über Offshore-Zentren oder chinesische Staatsbanken werden auf diese Weise obsolet, die Transaktionskosten sinken. Aus Sicht der Deutschen Bank sicherlich nicht uninteressant: Das Haus erhält privilegierten Zugang zu Onshore-Liquidität in Renminbi und wird dadurch in die Lage versetzt, europäische Unternehmen direkt an Chinas Zahlungsinfrastruktur, einschließlich des CIPS-Systems, anzudocken. Seit 2014 übernahm die Bank of China die Clearingarbeit für den Frankfurter Finanzplatz, ergänzt durch weitere Finanzzentren in London, Paris, Luxemburg und Budapest. Peking zieht mit der Deutschen Bank einen strategischen Joker: Das europäische Traditionshaus genießt naturgemäß wesentlich mehr Vertrauen als die für viele noch unbekannten chinesischen Geldinstitute. Aus Sicht der Bundesbank, die mit Argusaugen über den deutschen Finanzplatz wacht, birgt die Ernennung der Deutschen Bank kein systemisches Risiko. Man sieht eher den Standortvorteil für den Finanzplatz und wähnt sich sicher vor möglichen chinesischen Sanktionen in der Zukunft. Das, was die Europäer mit dem Vermögen der russischen Zentralbank bei Euroclear praktizierten – die Enteignung einer fremden Zentralbank –, traut man den Chinesen offenbar nicht zu, obwohl sie, geht es um die Verteidigung ihrer Interessen auf geopolitischer Ebene, in der Vergangenheit wahrlich nicht zimperlich waren. Die chinesischen Exporteure Seltener Erden lassen grüßen – sie sind schließlich stets nur einen raschen Anruf vom nächsten Exportstopp entfernt. Andererseits muss man sich die Frage stellen, ob man es sich leisten kann, den Zug zu verpassen, sollte das chinesische Modell eines Yuan- und goldbasierten Finanzsystems Erfolg haben. Dieser Drahtseilakt macht es umso wichtiger, dass Europa seinen zerstörerischen ideologischen Kurs verlässt und sich endlich auf seine Wirtschaftskraft und marktwirtschaftliche Prozesse besinnt. Die Absetzbewegungen vom US-Dollar-System und SWIFT sind unübersehbar. Große Zentralbanken wie die chinesische oder die russische erwerben seit geraumer Zeit große Mengen Gold – der eigentliche Anker, um Vertrauensdefizite zu schließen und den Boden zu bereiten für ein neues, von China dominiertes Finanzsystem. Alles läuft wohl auf eine bipolare Finanzwelt hinaus: New York wird seine Dominanz als Finanzplatz der westlichen Hemisphäre verteidigen, während Shanghai zum finanziellen Nukleus der BRICS+-Staatengruppe aufsteigen und eine eigene, auf dem Sicherheitsanker Gold basierende Kreditmarktinfrastruktur installieren könnte. Europa müsste jetzt seine Karten ausspielen: Seine Kapitalkraft wird durch Überregulierung und klimapolitischen Unfug regelrecht zerrieben. Die noch immer im Vergleich wohlhabenden europäischen Nationen wären gut beraten, zu einer wettbewerbsintensiven Ordnungspolitik zurückzukehren, um auf diese Weise Fakten zu schaffen und Investitionen nach Europa umzulenken. Was die EU politisch aus dieser misslichen Lage macht, bleibt offen. Angesichts der sichtbaren Fragmentierung des eigenen Kapitalmarktes scheint man jedoch eher leerer Rhetorik zu verfallen. Eine echte Strategie zur Positionierung der EU, des Eurosystems, in der sich neu ordnenden monetären Weltpolitik ist zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht erkennbar.