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Chinesische Autos erobern Deutschland - und VW hat ein Preisproblem

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Chinesische Autos erobern Deutschland – und VW hat ein Preisproblem

Von: Martin Wald

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8,7 Prozent Marktanteil, 780.000 Neuwagen in sieben Monaten: Chinas Autobauer greifen jetzt Deutschland an. Ein Kunde spart 20.000 Euro und zeigt, warum VW nervös sein sollte.

40.000 Euro für einen voll ausgestatteten Geländewagen mit Panoramadach, Allrad und elektrischen Trittbrettern. Marcus Hoppe aus Hildesheim hat sich für ein Modell der chinesischen Marke BAIC entschieden und dabei nach eigener Schätzung bis zu 20.000 Euro gegenüber einem vergleichbaren europäischen Fahrzeug gespart. „Man wehrt sich ja oft ein bisschen gegen die China-Geschichte“, sagt der passionierte Jäger laut NDR.de. „Aber in der jetzigen Zeit muss man gucken, was man für sein Geld bekommt. Hier ist viel mehr drin als üblich.“

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Genau diese Rechnung treibt der deutschen Autoindustrie gerade den Angstschweiß auf die Stirn. Von Januar bis Juli 2026 entfielen 8,7 Prozent der Neuzulassungen in Europa auf chinesische Marken, wie eine Analyse des Handelsblatt auf Basis von Dataforce-Daten zeigt. 2021 waren es lediglich 0,6 Prozent. Rund 780.000 Neuwagen aus chinesischer Produktion kamen in den ersten sieben Monaten auf europäische Straßen, fast so viele wie im gesamten Jahr 2025. Allein gegenüber 2024 hat sich der Anteil laut Handelsblatt fast verdreifacht, ein Tempo, das in der Branche für Nervosität sorgt.

Deutschland ist das letzte große Ziel

Die Hersteller sind laut Handelsblatt nicht direkt in Deutschland gestartet. Sie testeten ihre Modelle zunächst in Süd- und Osteuropa sowie Großbritannien, sammelten dort Erfahrungen mit Zulassungsprozessen, Preisgestaltung und Kundenreaktionen, bevor sie sich nun an den größten und schwierigsten Pkw-Markt Europas wagen. Die Zahlen bestätigen, dass diese Strategie aufgeht: Der Marktanteil chinesischer Konzerne bei deutschen Neuzulassungen stieg im Juli von 3,9 auf 7,1 Prozent, wie NDR.de berichtet. Zwar liegen die deutschen Platzhirsche wie VW nach wie vor weit vorn, doch die Steigerungsraten auf chinesischer Seite sind enorm und lassen sich nicht mehr als Randnotiz abtun.

BYD führte im Mai bei den neu zugelassenen Plug-in-Hybriden vor allen deutschen Herstellern. Beatrix Keim, Direktorin des Center Automotive Research in Bochum, ordnet das als Anfang ein, nicht als Zufall. Chinesische Hersteller müssten laut Keim noch an Bekanntheit, Image, Kundendienst und Händlernetz arbeiten, das sei aber nur eine Frage der Zeit. „Die chinesischen Marken haben gelernt, dass man nicht nur online verkauft, dass man ein gutes Netzwerk braucht, dass man Werbung braucht - und das kommt natürlich“, sagt Keim laut NDR.de. Ihre Einordnung markiert den Unterschied zwischen einem kurzfristigen Preiseffekt und einer strukturellen Verschiebung, die sich über Jahre aufbaut.

Voll ausgestattet, aber ohne Wahl

Autohaus-Inhaber Marcus Wall aus Liebenau im Landkreis Nienburg verkauft neben BAIC auch die Marken DFSK, Forthing und BAW. Rund 70 Neuwagen aus China hat sein kleines Autohaus nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten abgesetzt, Verbrenner, E-Autos und Hybride gleichermaßen. Für einen Händler dieser Größe ist das eine beachtliche Stückzahl. „Die Akzeptanz wird größer“, sagt Wall laut NDR.de. Der Trick der chinesischen Hersteller: volle Ausstattung ab Werk statt teurer Aufpreisliste, dafür ohne individuelle Konfiguration. „Man kann wählen, ob man ein silbernes, schwarzes oder weißes Auto haben möchte“, erläutert Wall.

Sitzheizung hinten oder ein anderer Radsatz seien schlicht nicht bestellbar, es gebe nur eine Ausstattungsvariante. Während heimische Autobauer jedes Extra einzeln bepreisen, kalkulieren die chinesischen Marken offenbar von Anfang an mit einer schlanken, aber vollständigen Serienausstattung. In der deutschen Industrie wächst laut Handelsblatt die Sorge, dass sich der Preiswettbewerb weiter verschärft und die Margen der ohnehin kriselnden Autobauer zusätzlich unter Druck geraten. VW gilt in beiden Quellen als der Hersteller, der die Konkurrenz aus China am direktesten zu spüren bekommt, eine Exportschwemme aus Fernost fürchtet und einen unfairen Wettbewerb beklagt. Konzernchef Blume verweist laut NDR.de darauf, dass man unter den aktuellen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig sei. Dieser Satz beschreibt weniger ein Einzelproblem eines Herstellers als die Lage einer ganzen Branche, die sich an neue Preisrelationen gewöhnen muss, während die Konkurrenz aus China ihre Marktanteile Monat für Monat ausbaut.

Business Punk Check

Ein Kunde, der 20.000 Euro spart, interessiert sich nicht für Industriepolitik. Genau das ist das Problem der deutschen Hersteller: Ihre Klage über unfairen Wettbewerb überzeugt niemanden, der am Verkaufstresen steht und für weniger Geld mehr Auto bekommt. Die Zahlen von 3,9 auf 7,1 Prozent Marktanteil in einem einzigen Monat sind kein Ausrutscher, sondern ein Muster, das sich seit Jahren verdichtet.

Was bleibt, ist die Frage nach Nachhaltigkeit dieses Vorsprungs. Kein Servicenetz, kaum Konfigurationsspielraum, ein Image, das laut CAR-Direktorin Keim erst noch aufgebaut werden muss: Das sind reale Schwachstellen, keine PR-Behauptung. Für Early Adopters wie Marcus Hoppe zählt heute der Preis. Ob das reicht, wenn die erste Garantiereparatur ansteht oder der nächste Wiederverkaufswert verhandelt wird, bleibt offen. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob aus einem Achtungserfolg eine dauerhafte Machtverschiebung wird.

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