Chinesische Forscher haben ein Lidar-System modelliert, das einen Tarnkappenjet vom Typ F-35C nachts aus bis zu 61,5 Kilometern erkennen soll
Chinesische Forscher haben ein raketengetragenes Lidar-System modelliert, das einen Tarnkappenjet vom Typ F-35C nachts aus bis zu 61,5 Kilometern erkennen können soll. Am Tag lag die berechnete Reichweite bei 27,7 Kilometern. Beschrieben wird das Konzept in einer Facharbeit der China Airborne Missile Academy, die sich mit Luft-Luft-Raketen befasst.
Laut der „South China Morning Post“ (SCMP) arbeitet das System nicht mit Radar, sondern mit Laserimpulsen. Es sendet Licht aus und misst die schwachen Reflexionen, die vom Ziel zurückkommen. Verwendet wurde in dem Modell ein sogenanntes Einzelphotonen-Lidar. Solche Sensoren sind darauf ausgelegt, selbst sehr kleine Mengen zurückkehrenden Lichts zu registrieren.
Reichweite steigt bei Dunkelheit deutlich
Für ihr Modell wählten die Forscher laut „SCMP“ einen Laser mit einer Wellenlänge im unsichtbaren Infrarotbereich (1064 Nanometer). Das System war für den Einbau in eine Rakete gedacht und musste deshalb klein, leicht und sparsam sein. In der Rechnung arbeiteten sie mit eher schwachen Laserblitzen und einer Linse mit 10 Zentimetern Durchmesser.
Nachts gibt es viel weniger störendes Licht aus der Umgebung. Deshalb kann der Sensor schwache Signale besser erkennen als am Tag. Nach den Berechnungen musste eine bestimmte Mindestmenge an Licht vom Ziel zurückkommen, damit das System das Flugzeug sicher erfassen kann.
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Abweichungen nur 20 bis 50 Zentimeter
Auf kürzere Distanz sollte das Ortungssystem nicht nur erkennen, dass dort ein Ziel ist. Er könnte dann auch genauere Angaben zur Form und Lage des Flugzeugs liefern. Bei einer Entfernung von 27,7 Kilometern war das Modell so genau, dass Abweichungen in der Tiefe nur etwa 20 Zentimeter und seitlich etwa 50 Zentimeter betrugen.
Ein Laserstrahl ist sehr schmal und deckt nicht wie ein Radar einen großen Himmelsausschnitt ab. Gerade bei der ersten Zielsuche ist das ein Problem. Ein Analyst sagte dazu, der Strahl sei wohl „so schmal, dass er kaum als Frühwarnsystem taugt – zu Beginn ist er nur ein Entfernungsmesser“.
Zweifel an der praktischen Nutzung
Selbst eine Reichweite von gut 60 Kilometern würde die F-35 nicht automatisch in Bedrängnis bringen. Das Flugzeug kann Luft-Luft-Raketen mit deutlich größerer Reichweite tragen. Der neue Ansatz könnte deshalb eher eine Ergänzung zu Radar- und Infrarotsystemen sein als ein Ersatz.
Ob aus dem Modell jemals ein einsatzfähiges Erkennungssystem wird, ist offen. Bislang handelt es sich um eine Computersimulation. Weder ein eingebautes noch ein flugerprobtes System ist bekannt. Die Forscher wollen ihre Arbeit nun verfeinern und die Erkennung von Tarnkappenzielen mit solchen Lasersuchern weiter verbessern.
Chinas Tarnkappenjets
Bei Tarnkappenflugzeugen gelten die USA als weltweit führend. China verfügt mit der J-20 bereits über einen weitgehend einsatzbereiten Tarnkappenjäger der fünften Generation. Der zweisitzige Langstreckenjäger ist vor allem für die Bekämpfung gegnerischer Unterstützungsflugzeuge und für Einsätze in großer Entfernung ausgelegt.