Christa Pike ist nach fehlgeschlagener Todesstrafe wieder bei Bewusstsein und spricht
Die Amerikanerin Christa Pike, die in der vergangenen Woche einen Hinrichtungsversuch mit zwei Giftspritzen überlebte, ist wieder aufgewacht. „Sie ist bei Bewusstsein, spricht und wird weiterhin intensivmedizinisch betreut“, teilten die Anwälte der Fünfzigjährigen in der Nacht zu Mittwoch mit. Pikes Prognose sei aber unsicher. „Im leichtesten Fall erwarten die Ärzte eine lange Genesung.“
Pike war vor 30 Jahren wegen der Ermordung ihrer Mitschülerin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung sollte schließlich am vergangenen Mittwoch im Gefängnis Riverbend in Nashville (Tennessee) vollstreckt werden. Während Angehörige des Opfers, Medienvertreter und ihre Anwälte die geplante Hinrichtung im Besucherzimmer neben dem „death chamber“ verfolgten, schlugen mindestens sieben Versuche fehl, in Pikes Arm eine geeignete Vene für die Injektionen zu finden. Die Todeskandidatin beklagte sich derweil über brennende Schmerzen im Arm.
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Ihr Anwalt Randy Spivey berichtete später von einer bläulichen Verfärbung der Haut. Der Jurist vermutete, das bei Hinrichtungen in Tennessee eingesetzte Sedativ Pentobarbital sei in Pikes Muskel anstelle des Blutkreislaufs injiziert worden. Schon vor der geplanten Exekution hatten die Anwälte auf schwer erreichbare Venen ihrer Mandantin hingewiesen, die zu Komplikationen führen könnten. Nach dem Hinrichtungsversuch nannte der Jurist zudem veraltetes oder nicht ordnungsgemäß hergestelltes Pentobarbital als möglichen Grund für Pikes Überleben.
Droht Pike eine zweite Exekution?
Als Pike auch die zweite und laut Tennessees Gesetzen letzte Giftspritze überstand, wurde sie von der Hinrichtungstrage ins Krankenhaus gebracht. Laut ihren Anwälten versuchten die Ärzte dort, das Pentobarbital wieder aus ihrem Körper zu ziehen. Pike soll die einzige amerikanische Todeskandidatin sein, die einen bis zu Ende vollzogenen Hinrichtungsversuch überlebte. Der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte vorerst alle geplanten Vollstreckungen von Todesurteilen aus. Der Leiter der Gefängnisbehörde des Bundesstaates, Frank Strada, kündigte seinen Rücktritt an.
Falls Pike wieder gesund wird und keine Hirnverletzungen davonträgt, droht ihr unter Umständen ein zweiter Gang in den Exekutionsraum. „Sie kann aber nicht hingerichtet werden, wenn sie nicht in der Lage ist, das Prozedere zu verstehen“, sagte die Juristin Deborah Denno, die an der Fordham School of Law lehrt, der „New York Post“. Es sei aber auch möglich, Pikes Todesurteil in lebenslange Haft umzuwandeln. Falls die Giftspritzen in der vergangenen Woche zum Tode geführt hätten, wäre die Fünfzigjährige die erste hingerichtete Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren geworden.
Die Mutter ihres Opfers, May Martinez, zeigte sich derweil enttäuscht. Sie hatte den Hinrichtungsversuch aus dem Besucherraum in Riverbend verfolgt. „Ich bin in Tränen ausgebrochen. Sie lag auf der Trage, hat geredet, gelacht und immer wieder den Kopf gehoben“, sagte Martinez dem Sender ABC. „Der Bundesstaat Tennessee sollte mich um Entschuldigung bitten.“