Christa Pike wacht auf: Anwalt beschreibt ihren Zustand
Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung der Amerikanerin Christa Pike hat ein Gericht in Tennessee der Staatsanwaltschaft aufgetragen, sämtliche möglichen Beweisstücke aus dem Exekutionsraum wie Reste des Sedativs Pentobarbital, Videoaufnahmen und Injektionsnadeln sicherzustellen. „Wir haben den Antrag auf die Sicherung gestellt, um zu klären, was in der vergangenen Woche tatsächlich passiert ist“, sagte Pikes Anwalt Luke Ihnen nach einer Anhörung am Mittwochvormittag (Ortszeit).
Da der Bundesstaat Tennessee bislang keine Entscheidung über einen zweiten Hinrichtungsversuch getroffen habe, seien die Beweise für künftige Anträge der Fünfzigjährigen entscheidend. „Wir wollen Frau Pikes durch die Verfassung garantierten Rechte schützen“, spielte der Jurist auf das Verbot von „grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung“ an. Ihnen erinnerte auf den Stufen des Gerichts des Bezirks Davidson auch an seine früheren Warnungen zu Pikes schwer erreichbaren Venen, die das Setzen einer Giftspritze erschwerten.
F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen
F.A.Z. bei Google bevorzugen
Pike, die im Jahr 1996 wegen der Ermordung ihrer 19 Jahre alten Mitschülerin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt wurde, hatte am 30. September im Gefängnis Riverbend in Nashville zwei Giftspritzen überlebt. Wie ihre Anwälte berichteten, war das Hinrichtungsgift vermutlich in den Armmuskel anstelle von Blutgefäßen injiziert worden.
Gouverneur von Tennessee setzte Vollstreckung von Todesurteilen aus
Der Anwalt Randy Spivey, der Pike gemeinsam mit Ihnen und weiteren Juristen vertritt, sagte nach der Anhörung am Mittwoch, die Fünfzigjährige sei nach der fehlgeschlagenen Exekution künstlich beatmet worden. Am vergangenen Montag, fünf Tage nach der Einweisung in das Krankenhaus der Vanderbilt University, sei der Hirntod der Fünfzigjährige angenommen worden.
„Am Dienstagmorgen wachte sie aber plötzlich auf und konnte sprechen“, sagte der Jurist. Pike habe ein Blutgerinnsel im Arm, stark geschwollene Hände und eine Lungenentzündung. Sie sei geistig verwirrt und könne sich an die mehr als 60 Minuten auf der Hinrichtungstrage nicht erinnern. „Christa weiß aber, was ihr angetan wurde. Sie ist wütend und verstört“, fasste Spivey zusammen.
Nach Pikes gescheiterter Exekution hatte der Gouverneur von Tennessee, der Republikaner Bill Lee, vorerst weitere Vollstreckungen von Todesurteilen ausgesetzt. Der Gouverneur verlangte zudem eine externe Untersuchung zu den Regelungen des Bundesstaates bei Hinrichtungen. Zu der Forderung von Pikes Anwälten, das Todesurteil gegen ihre Mandantin in lebenslange Haft zu verwandeln, äußerte Lee sich vorerst nicht.
Pike ist schon die zweite Todeskandidatin in Tennessee in jüngerer Vergangenheit, bei der die Hinrichtung nicht wie geplant verlief. Im Mai hatte die Gefängnisbehörde die Exekution des Mörders Tony Carruthers abgebrochen, als keine geeignete Vene für die Injektion gefunden werden konnte.