Chronische Darmkrankheiten: Oxalat in Gemüse könnte Entzündungen fördern
Oft Verdauungsprobleme?
Wann gesunde Lebensmittel Entzündungen fördern könnten
24.09.2026 - 13:36 UhrLesedauer: 3 Min.
Spinat, Mandeln und Süßkartoffeln gelten als gesunde Lebensmittel. Doch ein natürlicher Inhaltsstoff könnte bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Entzündungen verstärken.
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, kurz CED. Bei beiden Erkrankungen entzündet sich der Verdauungstrakt dauerhaft oder wiederkehrend. Welche Rolle die Ernährung dabei spielt, untersuchen Forschende seit Langem. Eine neue Studie der University of North Carolina School of Medicine rückt nun einen Pflanzenstoff in den Mittelpunkt: Oxalat.
Gut zu wissen
In Deutschland leben Schätzungen zufolge bis zu 600.000 Menschen mit einer CED – Tendenz steigend. Zu den wichtigsten Beschwerden zählen Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen. Blutiger Durchfall spricht eher für eine Colitis ulcerosa und tritt bei Morbus Crohn seltener auf. Zusätzlich können Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Fieber auftreten.
Oxalat kommt in vielen Pflanzen vor
Oxalat kommt natürlicherweise in allen pflanzlichen Lebensmitteln vor, allerdings in unterschiedlichen Mengen. Besonders viel davon ist etwa in Spinat, Mandeln, Mangold, Roter Bete, Rhabarber, kakaohaltigen Lebensmitteln und Süßkartoffeln enthalten. Der menschliche Körper kann Oxalat nicht selbst abbauen. Normalerweise scheidet er einen Großteil über den Stuhl aus.
Die Forscher der aktuellen Studie untersuchten nun, ob der Darm von Menschen mit CED anders mit dem Pflanzenstoff umgeht. Dafür analysierten sie unter anderem die Aktivität bestimmter Gene, den Oxalatgehalt im Stuhl und die Ernährung von Menschen mit und ohne CED. Zusätzlich führten sie Versuche an Mäusen sowie mit Zellkulturen durch.
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Forscher entdecken Veränderungen im Darm
Die Forscher fanden bei Menschen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa geringere Mengen der Transportproteine SLC26A2 und SLC26A3. Sie helfen dem Darm, Oxalat aufzunehmen. Vor allem in entzündetem Gewebe kamen die Transporter seltener vor. Dadurch könnte mehr Oxalat im Darm verbleiben und Entzündungen verstärken.
Dazu passt: Menschen mit Morbus Crohn hatten mehr Oxalat im Stuhl als Teilnehmer ohne CED, obwohl sich die Aufnahme pflanzlicher Lebensmittel nicht wesentlich unterschied. Die Forscher vermuten deshalb, dass der erkrankte Darm Oxalat anders verarbeitet.
Auch die Darmbakterien könnten eine wichtige Rolle spielen. Einige von ihnen können Oxalat abbauen. Dazu zählt das Bakterium Oxalobacter formigenes, das bei Menschen mit CED seltener vorkommt. Die Forscher wollen nun untersuchen, ob sich das Darmmikrobiom gezielt nutzen lässt, um Oxalat abzubauen und damit möglicherweise Entzündungen zu verringern.
So lässt sich der Oxalatgehalt reduzieren
Am wirksamsten ist Kochen – das Kochwasser sollte anschließend abgegossen werden, da sich darin das gelöste Oxalat sammelt.
- Spinat: kochen
- Rote Bete: schälen und kochen
- Süßkartoffeln: schälen und kochen
- Mangold: kochen – der Oxalatgehalt bleibt dennoch vergleichsweise hoch
- Getrocknete Bohnen: einweichen und kochen
Wichtig: Durch das Kochen lässt sich Oxalat reduzieren, aber nicht vollständig aus den Lebensmitteln entfernen.
Oxalat verstärkt Entzündungen bei Mäusen
Auch Tierversuche stützen diese Annahme. Bei Mäusen mit Darmentzündung verschlechterte zusätzliches Oxalat den Krankheitsverlauf. Bei einer künstlich ausgelösten Colitis hatten Tiere, die zusätzlich Oxalat erhielten, eine um 60 Prozent geringere Überlebensrate. In Zellversuchen verstärkte Oxalat zudem Entzündungsreaktionen bestimmter Immunzellen.
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Möglicher Zusammenhang mit schwerem Morbus Crohn
Auch ein dritter Oxalattransporter fiel auf: Eine geringe Aktivität von SLC26A6 hing bei Morbus-Crohn-Patienten mit einer schweren Form der Erkrankung zusammen, bei der Vernarbungen den Darm verengen. Fast 75 Prozent der Patienten mit geringer SLC26A6-Aktivität zeigten diese Form. Größere Studien müssen den Zusammenhang jedoch erst bestätigen.
Was bedeutet das für Patienten?
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Menschen mit CED pflanzliche Lebensmittel aus Angst vor Oxalat gänzlich meiden sollten – im Gegenteil. Laut den Autoren ist es möglich, eine vollwertige, pflanzliche Ernährung beizubehalten und gleichzeitig die Aufnahme von Oxalat zu reduzieren. Dies ist wichtig, da eine gemüsereiche Ernährung durchaus bei den Erkrankungen empfohlen wird.
Gut zu wissen
Bei Morbus Crohn mit ausgedehntem Befall des Dünndarms gibt es bereits eine Empfehlung zur oxalatarmen Ernährung. Denn oxalsäurereiche Nahrungsmittel können die Bildung von Nierensteinen begünstigen.
Wer den Verdacht hat, oxalatreiche Lebensmittel nicht gut zu vertragen, kann seine Ernährung und auftretende Beschwerden in einem Ernährungstagebuch festhalten. So lässt sich möglicherweise erkennen, ob bestimmte Lebensmittel wiederholt Probleme bereiten. Ärzte oder Ernährungsberater können anschließend dabei helfen, die Beobachtungen einzuordnen und die Ernährung individuell anzupassen. Größere Lebensmittelgruppen ohne ärztlichen Rat vom Speiseplan zu streichen, ist dagegen nicht sinnvoll.
Die Autoren schreiben selbst, dass die aktuellen Erkenntnisse noch nicht für eine allgemeine Empfehlung zu einer oxalatarmen Ernährung ausreichen. Denn die Untersuchungen umfassten nur relativ wenige Teilnehmer. Zudem erhielten die Mäuse vergleichsweise hohe Oxalatmengen. Weitere Studien müssen daher erst klären, ob manche Menschen mit CED Oxalat tatsächlich schlechter verarbeiten und ob sich daraus neue Ernährungs- oder Therapieansätze ergeben.