Chronische Nierenerkrankungen verlaufen schleichend: Sind Tests unerlässlich?
Welche Tests sind notwendig, um Anomalien festzustellen?
Im Körper erfüllt jedes Organ eine spezifische Funktion und alle arbeiten zusammen, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten. Die Nieren werden dabei oft mit der „Wasserfabrik“ des Körpers verglichen; sie sind dafür verantwortlich, Abfallprodukte zu filtern und das notwendige Gleichgewicht im Körper zu bewahren.
Laut Dr. Trinh Hung von der Abteilung für Nephrologie und Rheumatologie des Krankenhauses 19-8 ( Ministerium für öffentliche Sicherheit ) leiden etwa 10 % der Weltbevölkerung und der Bevölkerung in Vietnam an chronischen Nierenerkrankungen.
Es ist wichtig zu wissen, dass diese Erkrankung oft unbemerkt verläuft. Viele Menschen, die sich testen lassen, achten lediglich auf ihren Blutkreatininwert. Dieser kann jedoch noch im Normbereich liegen, obwohl die Nierenfunktion bereits nachgelassen hat, insbesondere bei älteren Erwachsenen oder Menschen mit geringer Muskelmasse.
Daher erfordert die Beurteilung der Nierengesundheit die Betrachtung vieler verschiedener Indikatoren anstatt sich nur auf einen einzigen Test zu verlassen.
Laut Dr. Hung ist die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) einer der wichtigsten Indikatoren. Die eGFR wird anhand des Blutkreatininwerts in Kombination mit Alter und Geschlecht berechnet und spiegelt somit die Fähigkeit der Niere wider, Abfallprodukte pro Minute zu filtern.
Der Arzt erklärte außerdem, dass der Kreatininwert allein die Nierenfunktion möglicherweise nicht vollständig widerspiegelt. Die eGFR hingegen ermöglicht eine genauere Beurteilung des Ausmaßes des Filtrationsfunktionsverlusts und teilt die chronische Nierenerkrankung in fünf Stadien ein.
Die genaue Bestimmung des Krankheitsstadiums ist von entscheidender Bedeutung, da jedes Stadium unterschiedliche Überwachungs- und Behandlungsziele erfordert.
Ein weiterer wichtiger, aber oft übersehener Test ist die Bestimmung des Albumin/Kreatinin-Verhältnisses im Urin (uACR).
Normalerweise wird Albumin im Blut zurückgehalten. Bei einer Schädigung der Nierenmembran kann Albumin im Urin nachweisbar sein. Der uACR-Test misst das Verhältnis von Albumin zu Kreatinin im Urin. Mit uACR lässt sich eine Schädigung der Nierenmembran erkennen, bevor die eGFR abfällt. Daher gilt dieser Test als Frühwarnsystem für Nierenerkrankungen.
Die frühzeitige Erkennung von Läsionen bietet die Möglichkeit zur Intervention, Überwachung und Begrenzung des Risikos, dass die Krankheit zu einem schweren Stadium fortschreitet.
Neben Bluttests ist auch eine vollständige Urinanalyse eine einfache und kostengünstige Methode, die viele Informationen liefert.
Tests können das Vorhandensein von roten und weißen Blutkörperchen, Albumin sowie von Eiweiß und Zucker im Urin nachweisen. Diese Auffälligkeiten können auf Erkrankungen wie Glomerulonephritis, Harnwegsinfektionen oder Nierentubulusschäden hinweisen.
Daher ist dies auch einer der Tests, die bei der Beurteilung der Nieren- und Harnwegsgesundheit berücksichtigt werden sollten.
Während Blut- und Urinuntersuchungen Aufschluss über die Funktion geben, hilft der Nierenultraschall bei der Beurteilung der Morphologie und Struktur dieses Organs.
Mithilfe von Ultraschall können Ärzte die Größe, Form und innere Struktur der Nieren beobachten und so körperliche Läsionen wie Nierensteine, Nierenzysten, Hydronephrose aufgrund einer Harnwegsverengung, Nierentumore oder Nierenatrophie aufgrund chronischer Erkrankungen erkennen.
„Um eine möglichst umfassende Beurteilung der Nierengesundheit vorzunehmen, sollte man daher nicht nur einen einzelnen Indikator betrachten, sondern auch die Filterfunktion, Anzeichen von Schäden und die strukturelle Bildgebung der Nieren miteinander kombinieren“, bemerkte Dr. Hung.
Wer benötigt ein Screening?
Laut Dr. Hung ist nicht jeder Mensch gleich stark gefährdet, eine Nierenerkrankung zu entwickeln. Besonders gefährdet und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind Menschen mit einer Vorgeschichte von Nierenerkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer familiären Vorbelastung mit Nierenerkrankungen.