Clarity Act wird ins Jahr 2027 verschoben
Die grosse US-Kryptoregulierung wird dieses Jahr voraussichtlich nicht mehr zustande kommen. Der Clarity Act soll digitale Assets klar zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC aufteilen, wobei Bitcoin und Ether unter die CFTC fielen. An der Sache liegt die Blockade nicht, denn der zentrale Stablecoin-Streit wurde bereits im Mai beigelegt. Das Problem ist der Zeitplan. Im Senat müssen zwei Ausschussversionen zusammengeführt und über 100 Änderungsanträge abgestimmt werden, und für die Verabschiedung braucht es 60 Stimmen. Die Republikaner halten nur rund 53 Sitze und sind damit auf Stimmen der Demokraten angewiesen. Nach der August-Pause beginnt zudem der Midterm-Wahlkampf, in dem komplexe überparteiliche Finanzgesetze erfahrungsgemäss liegenbleiben. Senatorin Cynthia Lummis warnt bereits, das Zeitfenster könnte sich bis mindestens 2030 schliessen. Die Prognosebörse Polymarket teilt diese Skepsis und preist eine Verabschiedung 2026 nur noch mit 39% ein, nach 82% im Februar. Trump verdient 1.4 Mrd. USD und blockiert eigenes Gesetz Ausgerechnet der Präsident erschwert dem Clarity Act den Weg. Die verbleibenden demokratischen Stimmen hängen an einer Ethik-Klausel, die Amtsträgern privaten Krypto-Besitz verbieten würde und direkt auf die Geschäfte der Trump-Familie zielt. Wie gross diese Interessen sind, zeigt die jüngste Offenlegung beim U.S. Office of Government Ethics. Donald Trump meldete für 2025 ein Krypto-Einkommen von 1.4 Mrd. USD, ein rund 25-facher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Rund 800 Mio. USD stammen aus dem mitgegründeten Projekt World Liberty Financial, weitere 635 Mio. USD aus dem TRUMP-Meme-Coin. Das Weisse Haus akzeptiert generelle Regeln, lehnt aber personenbezogene Bestimmungen ab. Für Kleinanleger fällt die Bilanz düster aus. Der TRUMP-Token notiert bei 1.69 USD und liegt damit 80.5% unter seinem Höchststand von 74 USD. Während das Familienvermögen stark wuchs, trugen private Käufer die Verluste. BlackRock und Visa fordern Tether und Circle heraus Nicht nur Einzelakteure drängen in den Stablecoin-Markt, auch die etablierte Finanzwelt schliesst sich zusammen. Über 100 Unternehmen bilden das Konsortium „Open Standard“ und planen für das zweite Halbjahr 2026 einen gemeinsamen Dollar-Stablecoin unter dem Kürzel OUSD. Zu den Mitgliedern zählen der Vermögensverwalter BlackRock, die Zahlungsdienstleister Visa, Mastercard und Stripe sowie die Verwahrbank BNY Mellon und Coinbase. Auffällig fehlen die bisherigen Marktführer Tether und Circle, die zusammen rund 258 Mrd. USD auf sich vereinen. Das neue Modell verzichtet auf Gebühren beim Prägen und Einlösen und teilt die Reserve-Rendite unter den Teilnehmern. Gedeckt wird OpenUSD vollständig durch kurzlaufende US-Staatsanleihen und Cash. Aufgebaut ist das Projekt auf der Infrastruktur von Stripe und dessen Tochter Bridge. Die Reaktion an der Börse liess nicht auf sich warten, denn die Circle-Aktie verlor am Ankündigungstag 8.2%. Schweizer Anbieter sichern sich breit den EU-Marktzugang Während US-Konzerne den Stablecoin-Standard neu ordnen, sichern sich Schweizer Anbieter auf breiter Front den Zugang zum EU-Binnenmarkt. Die europäische Kryptoregulierung MiCA ist seit Ende 2024 voll wirksam, die Übergangsfristen liefen diese Woche endgültig aus. Eine CASP-Autorisierung erlaubt den EU-weiten Betrieb per Passporting. Anfang Juli zählte die EU 283 zugelassene Anbieter, wobei Deutschland mit 59 Lizenzen führt. Die Schweizer Häuser gehen dabei zwei Wege. Crypto Finance, AMINA Bank, Relai, SwissBorg und Swissquote holten sich Lizenzen über Töchter in Deutschland, Österreich, Frankreich und Luxemburg. Zuletzt zeichnete sich ein Trend nach Liechtenstein ab, dessen EWR-Mitgliedschaft ein Passporting über alle 30 EWR-Staaten ermöglicht. Diesen Weg gingen RuleMatch, Bitcoin Suisse und Sygnum. Bewusst fern bleiben Anbieter wie Taurus und 21Shares, die auf tokenisierte Wertpapiere und ETP-Produkte setzen und damit unter andere Regelwerke fallen. Insgesamt liegt die Schweizer Adoptionsrate über dem EU-Durchschnitt. Bitmine und Sharplink bauen Ethereum eine institutionelle Anlaufstelle Ausserdem: Das Ethereum-Ökosystem erhält eine neue Brücke zur Wall Street. Die unabhängige Non-Profit-Organisation Ethereum Institutional soll als zentrale Anlaufstelle zwischen dem Netzwerk und Banken, Vermögensverwaltern und Regulatoren dienen. Getragen wird sie von den börsennotierten Firmen Bitmine und Sharplink sowie von Ethereum-Mitgründer Joe Lubin. Schon vor dem Start bestehen über 500 institutionelle Beziehungen mit einem vertretenen Vermögen von rund 250 Mrd. USD. Der geografische Fokus liegt zunächst auf New York, London, Hongkong und Singapur, eine Expansion nach Zürich, Frankfurt und Tokio ist geplant. Der Anspruch auf Neutralität steht allerdings in Spannung zu den Trägern. Bitmine und Sharplink sind ETH-Treasury-Firmen mit direktem finanziellem Interesse am Kurs. Das Timing ist zudem heikel, denn parallel strukturiert die Ethereum Foundation um und baut unter ihrem Effizienzmandat rund 20% der Stellen ab.