Clevere Menschen wirken in Gesprächen durch zwei Dinge sympathischer
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Clevere Menschen wirken in Gesprächen durch zwei Dinge sympathischer
Von: Jana Stäbener
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Frauen mit hoher kognitiver Leistungsfähigkeit erleben am Arbeitsplatz häufiger Schikane und Benachteiligung – bei Männern ist es das genaue Gegenteil.
Frankfurt – Wer durch hohe Intelligenz und ausgeprägte Problemlösungskompetenz glänzt, sollte eigentlich Wertschätzung und Unterstützung erfahren. Für Frauen gilt das jedoch nur bedingt, zeigt eine wissenschaftliche Untersuchung der University of Minnesota. Dafür untersuchten Nitya Chawla und ihr Team die Dynamik in zwei unterschiedlichen Arbeitsumfeldern. In einer ersten Stichprobe maßen sie die geistige Leistungsfähigkeit von 432 Studierenden an einer US-amerikanischen Wirtschaftsfakultät und fragten Wochen später die wahrgenommene Feindseligkeit untereinander ab und wie oft ihnen von Mitstudierenden geholfen wurde oder Informationen gezielt vorenthalten wurden.
Im zweiten Schritt überprüften die Forschenden diese Effekte im Unternehmensalltag von 394 Vollzeitbeschäftigten eines Finanzdienstleisters in China. Beide Untersuchungen kamen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis: Während hochkompetente Männer von ihren Kollegen als weniger feindselig wahrgenommen wurden und sogar mehr Unterstützung bei ihren Aufgaben erhielten, kehrte sich der Effekt bei Frauen mit hoher kognitiver Leistungsfähigkeit paradoxerweise um. Sie wurden vom Team als unnahbar, feindselig und wenig gemeinschaftsorientiert eingestuft. Als Folge erhielten sie deutlich seltener fachliche oder emotionale Hilfe und wurden häufiger Opfer subtiler Schikanen.
Kompetent bedeutet unnahbar? Die Falle der geschlechtsspezifischen Rollenbilder
Verantwortlich für diesen doppelten Maßstab ist laut den Forschenden aus Minnesota das psychologische Konzept des „Implied Communality Deficit“. Wenn Frauen hohe kognitive Kompetenz zeigen, unterstellen ihnen Kolleginnen und Kollegen unbewusst einen Mangel an Wärme, Einfühlungsvermögen und Gemeinschaftssinn. Die Psychologin Mona Algner, die zum Einfluss von Geschlechterstereotypen (Gender Bias) auf Frauen in Führungspositionen forscht, beschreibt die zugrundeliegenden Erwartungshaltungen so:
„Von Frauen wird in der Regel erwartet, warmherzig und unterstützend zu sein, während Männern eher Durchsetzungsstärke und Dominanz zugeschrieben werden. Wenn Frauen dominant auftreten, verstößt das gegen diese Erwartungen, was negative Reaktionen auslösen kann“, sagt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Wer sich nicht rollenkonform verhält, gerät schnell in ein Dilemma: Wer freundlich ist, wird oft nicht ernst genommen – wer direkt und kompetent auftritt, gilt schnell als unhöflich oder unnahbar. Auch die ehemalige Polizeidirektorin und heutige Expertin für Führungskultur und Organisationsentwicklung, Professor Sandra Schmidt, kennt diese unbewussten Mechanismen. Schmidt beobachtet, dass Frauen in Berufskontexten oft „in den Rollenerwartungen und Postulaten, von (vermeintlich) guter Führung im entsprechenden Organisationskontext ‚gefangen‘ sind“, schreibt sie in einem Gastbeitrag bei der Frankfurter Rundschau. In der Praxis führt das keineswegs zu mehr Gleichberechtigung, sondern oft zu einer unglücklichen Anpassung. Manche Frauen fangen unbewusst an, vorgelebtes „männlich“ konnotiertes Verhalten nachzuahmen, „als wollten sie ‚die besseren Männer‘ sein“. Schmidt hält diese Entwicklung für bedenklich, da sie auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit geht.“
Psychologin: Welche Menschen sympathischer wirken
Dass hohe fachliche Kompetenz im zwischenmenschlichen Miteinander nicht zwangsläufig zu Distanz oder Ablehnung führen muss, erklärt Larissa Knöchelmann vom Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Laut ihr zeichnen sich kluge Persönlichkeiten dadurch aus, dass sie die Grenzen des eigenen Wissens realistisch einschätzen und Wissenslücken offen eingestehen. Damit ist nicht gemeint, dass Menschen ihre Kenntnisse ständig infrage stellen. Wer eigene Unsicherheiten nicht überspielt, sondern neutral auf neue Informationen und Gegenargumente reagiert, werde in Gesprächen als sympathischer wahrgenommen und weckt beim Gegenüber eine positivere Erwartungshaltung.
Ergänzend dazu belegen sozial- und wirtschaftspsychologische Untersuchungen, dass Spitzenleistungen selten als isolierte Einzelleistung gelingen, sondern eng mit der Bereitschaft verknüpft sind, Unterstützung einzufordern. Die US-Psychologin Angela Duckworth betont, dass erfolgreiche Menschen ihren Aufstieg regelmäßig einer Vielzahl von Unterstützern zuschreiben und die Angewohnheit teilen, proaktiv um Hilfe zu bitten. (Quellen: eigene Recherche, FR-Gastbeitrag, APA)