Container versteckt – Was Trumps Flucht aus Ankara über die iranische Bedrohung aussagt
Audioplayer wird geladen Anzeige Donald Trump hat Ankara nach dem Nato-Gipfel Anfang Juli nie in der Air Force One verlassen, die er am letzten Tag des Zusammentreffens der Allianz vor den Augen der Kameras bestiegen hat. Die Beschreibung dessen, was danach geschah, liest sich wie ein Spionage-Thriller. Wie die „Washington Post“ und die „New York Times“ übereinstimmend berichten, hat der US-Präsident das Flugzeug nach Betreten wieder verlassen – über einen Catering-Container. Dieser, so zeigen es Fotos, hat an der anderen Seite des Flugzeugs geparkt. Trump habe sich zusammen mit einer Handvoll Mitarbeiter darin versteckt. Anzeige Der auf einem Lkw befindliche Container wurde daraufhin per Hydraulik herabgelassen und in einer Geheim-Aktion wurde der Präsident quer über das Rollfeld zu einem US-Regierungsflugzeug, einer C-32A, gefahren, das er dann unbemerkt – ebenfalls über den Container – besteigen konnte. In diesem unscheinbaren Flieger wurde er nach Großbritannien geflogen. Offiziell handelte es sich um das Flugzeug von Kriegsminister Pete Hegseth. Dieser habe die Maschine absichtlich öffentlichkeitswirksam über die Außentreppen bestiegen, um den Abflug der Maschine aus Ankara nicht verdächtig wirken zu lassen. Anzeige Selbst enge Mitarbeiter wussten nichts Die Öffentlichkeit, amerikanische Journalisten und nach Berichten beider Zeitungen, selbst enge Mitarbeiter des Präsidenten, wussten nichts von der Aktion. Das ikonische blau-weiße Flugzeug flog ohne den Präsidenten – trug aber trotzdem das Callsign „Air Force One“. Eigentlich trägt immer jenes Flugzeug dieses Callsign, in dem sich der Präsident befindet. Grund für die klandestine Operation war den Berichten zufolge eine „glaubhafte Bedrohung“ durch den Iran gegen die Präsidentenmaschine. Lesen Sie auch Trump war eigentlich in seinem neuen Flugzeug angereist, einer von Katar geschenkten Boeing 747. Sie erhielt einen rot-weiß-blauen Anstrich und hat ein luxuriöses Interieur. Schon vor Abreise aus Ankara sorgte es für Verwirrung, dass Trump den Rückweg nach Washington nicht in diesem Flugzeug antritt, sondern vermeintlich in der alten Maschine. „Wegen der guten alten Zeiten“, kündigte Trump den angeblichen Flugzeugwechsel an. Das neue Flugzeug solle in Großbritannien auf einem US-Stützpunkt landen, um den dort stationierten Soldaten vorgeführt zu werden, so der Präsident. Schnell sickerte durch, dass das nicht der Wahrheit entsprach und eine Bedrohung durch den Iran vorlag. Die von Katar geschenkte Maschine verfügt US-Medienberichten zufolge nicht über dieselben militärischen Abwehrfähigkeiten, wie die alte Maschine. Die „New York Times“ berichtete im Juli zuerst darüber, woraufhin das Justizministerium den vier berichtenden Journalisten Gerichtsvorladungen zukommen ließ. Diese wurden später wieder zurückgenommen. Trump hatte während des Nato-Gipfels in Ankara den zuvor ausgehandelten Waffenstillstand mit dem Iran für beendet erklärt. „Was mich angeht, ist er vorbei“, sagte er vor der Presse. Die nun öffentlich werdenden Erkenntnisse zeigen, wie groß die Bedrohung durch Teheran gewesen sein muss. Nicht nur müssen US-Sicherheitsbehörden diese als extrem glaubhaft eingeschätzt haben, sie müssen die iranischen Fähigkeiten ebenfalls als ausreichend bewertet haben, einen entsprechenden Angriff auch erfolgreich durchführen zu können. Lesen Sie auch Trump ist schon lange iranischen Bedrohungen gegen sein Leben ausgesetzt. Seit der Tötung des Generals der iranischen Revolutionsgarde Qasem Soleimani durch einen US-Luftschlag in Trumps erster Amtszeit, ruft Teheran zur Vergeltung gegen den US-Präsidenten persönlich auf. Zwar gibt es bisher keine Belege, dass die bisherigen Attentatsversuche auf Trump in Verbindung zum Iran standen, dennoch wuchs im Weißen Haus die Sorge, wie die „New York Times“-Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan in ihrem Buch „Regime Change“ berichten. Im Januar zeigte das iranische Staatsfernsehen ein Bild von Trump beim Attentat in Butler und schrieb dazu: „Dieses Mal wird sie nicht verfehlen“. Die in Ankara durchgeführte Geheim-Aktion ist nahezu präzedenzlos. Nur unter extremen Umständen wird der genaue Aufenthaltsort des US-Präsidenten von dem ihn stets begleitenden Pressetross geheim gehalten. Zuletzt geschah das während der Terrorangriffe des 11. Septembers 2001. Der damalige Präsident George W. Bush wurde in den ersten Stunden des Anschlags zu einem geheimen Ort gebracht. Erst Stunden später teilte das Weiße Haus mit, dass er sich auf einer Militärbasis im Bundesstaat Nebraska befand. Gregor Schwung berichtet für WELT seit Juli 2026 als US-Korrespondent aus Washington, D.C. Zuvor war er außenpolitischer Korrespondent in Berlin.