DAX +0,15 % 25.410,84 Pkt 18:00:00 MDAX +0,67 % 30.287,68 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.116,23 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,96 % 52.361,58 Pkt 21:43:41 S&P 500 +0,17 % 7.676,77 Pkt 21:43:43 Nasdaq +0,62 % 26.169,38 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,95 % 63.404,01 Pkt 02:36:35 Gold -0,23 % 4.029,00 USD 02:41:35 Silber -0,31 % 54,18 USD 02:41:10 Brent -0,85 % 109,80 USD 02:41:14 WTI -0,82 % 100,93 USD 02:41:34 Bitcoin -0,02 % 79.996,27 USD 02:51:34 EUR/USD -0,41 % 1,11720 USD 02:50:42 EUR/GBP -0,13 % 0,83740 GBP 02:51:36 EUR/CHF +0,08 % 0,92480 CHF 02:51:36 EUR/JPY +0,11 % 176,107 JPY 02:51:37

CoreWeave, Nebius, TeraWulf: Diese Unternehmen halten die Märkte in Atem

Technologie

2017 hatte das Unternehmen, das gerade aus Sorge vor einer möglichen KI-Schuldenkrise im Fokus der Märkte steht, mit Künstlicher Intelligenz noch wenig zu tun. „Atlantic Crypto“ wurde damals gegründet, um Kryptowährungen zu „schürfen“ – ein Prozess, bei dem Hochleistungscomputer sehr komplexe mathematische Aufgaben lösen. Dafür schaffte das Unternehmen sehr leistungsfähige Grafikprozessoren (GPUs) von Nvidia an.

Als 2018 und 2019 dann zeitweise die Preise von Kryptowährungen stark fielen, entschlossen die „Atlantic Crypto“-Gründer sich, mit den teuren Grafikprozessoren etwas anderes anzustellen und die Hochleistungs-Rechenkapazitäten als Cloud an andere Unternehmen zu vermieten. Aus „Atlantic Crypto“ wurde Coreweave, und aus Coreweave wurde spätestens mit dem Erscheinen ChatGPTs im Jahr 2022 ein rasant wachsendes Unternehmen. Denn für das Training und den Betrieb fortschrittlicher Künstlicher Intelligenz sind genau die Grafikprozessoren nötig, zu denen Coreweave sich über seine gute Beziehung zu Nvidia frühzeitig Zugang verschafft hatte.

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Heute zählen fast alle großen KI-Anbieter zu den Kunden Coreweaves. Trotzdem brach die Aktie am Mittwoch zeitweise um mehr als 15 Prozent ein, weil am Anleihenmarkt die Zweifel an der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells wachsen.

Neoclouds stehen für 17 Prozent des Rechenzentrenausbaus

Coreweave ist der größte und prominenteste, aber längst nicht der einzige Vertreter der sogenannten Neoclouds. Anbieter wie Nebius, IREN oder Terawulf haben sich wie Coreweave auf die Bereitstellung von Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz spezialisiert. Viele dieser Anbieter stammen auch aus dem Kryptogeschäft, Nebius ist als internationale Abspaltung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aus dem russischen Internetkonzern Yandex hervorgegangen. Heute hat Nebius seinen Sitz in Amsterdam und ist in New York an der Nasdaq gelistet.

Das Geschäft zieht offenbar auch viele Glücksritter an: Die Rechenzentren-Berater von American Compute zählen abseits der großen „Hyperscaler“ Amazon, Google und Microsoft insgesamt 536 Unternehmen, die Zugang zu GPUs verkaufen. Darunter sind klassische regionale Cloudanbieter, aber eben auch viele neu gegründete Anbieter.

Letztlich betreiben die Neoclouds Rechenzentren und vermieten die KI-Chips von Nvidia weiter. Sie füllen damit eine Lücke, weil selbst die riesigen Cloudanbieter Microsoft, Google und Amazon die Nachfrage nicht komplett bedienen können. Selbst Microsoft mietete Rechenkapazitäten von Coreweave, um den ChatGPT-Entwickler Open AI zu versorgen. Das Technologieunternehmen Cisco schätzt, dass solche Neoclouds schon heute für 17 Prozent des gewaltigen Ausbaus von Rechenzentren stehen. Im kommenden Jahrzehnt könne der Anteil gar fast auf ein Drittel steigen.

Ein Schuldenberg von 51 Milliarden Dollar

Die wachsende Nachfrage ist unbestritten. Nebius hat seinen Umsatz im zweiten Quartal um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Euro gesteigert. Coreweave hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 2,58 Milliarden Dollar erzielt, 112 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Gleichzeitig stieg unter dem Strich der Verlust von 290 Millionen auf 626 Millionen Dollar. Allein die Zinskosten lagen bei 640 Millionen Dollar. Denn KI-Chips sind teuer. Um den Bau und die Ausstattung ihrer Rechenzentren zu finanzieren, haben sich die Neoclouds verschuldet. Ende Juni saß Coreweave auf einem Schuldenberg von 51 Milliarden Dollar.

Als Sicherheiten für die Kredite dienen oft die KI-Chips der Unternehmen. Selbst das kleine britische KI-Cloud-Start-up Fluidstack, das im Jahr zuvor gerade einmal zehn Mitarbeiter beschäftigte, soll Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr bis zu zehn Milliarden Dollar von der australischen Investmentbank Macquarie geliehen haben. Erst im März hat Coreweave einen Kredit über 8,5 Milliarden Dollar mit Chips besichert. Der Kredit läuft bis 2032. Wegen des rasanten technischen Fortschritts in der Chipentwicklung gibt es aber Sorgen, dass die KI-Chips von heute in wenigen Jahren nur noch einen Bruchteil ihres Wertes haben könnten und die Haltbarkeit der Chips in den Finanzierungen zu großzügig beziffert wird.

Selbst große Techkonzerne wie Microsoft, Google, Amazon und Meta sind verstärkt auf Fremdkapital angewiesen, um ihre KI-Expansionspläne zu finanzieren. Anders als die viel kleineren Spezialanbieter verfügen sie aber über gewinnträchtige andere Geschäftszweige, die viel Geld in die Kassen spülen.

Was sind die Auftragsbestände wirklich wert?

Die Neoclouds verweisen hingegen auf ihre Auftragsbestände. Coreweave etwa verfügte nach dem zweiten Quartal über Aufträge im Wert von 104 Milliarden Dollar, bei Nebius waren es gut 40 Milliarden Dollar. Doch ob solche Summen auch tatsächlich einmal fließen, ist nicht sicher. Ein großer Teil der Aufträge kommt von den KI-Entwicklern Open AI und Anthropic, die selbst noch keine Gewinne erzielen und auf Investoren angewiesen sind.

Terawulf hat beispielsweise einen 20-jährigen Mietvertrag mit Anthropic über sein Rechenzentrum in Kentucky. Das Volumen liegt bei stolzen 19 Milliarden Dollar, die bei einer Verlängerung auf bis zu 33 Milliarden Dollar anwachsen könnten – Konjunktiv. Der bekannteste Infrastrukturdeal besteht zwischen dem amerikanischen IT-Konzern Oracle und Open AI. Im September 2025 schlossen Open AI und Oracle einen Fünfjahresvertrag im Wert von mehr als 300 Milliarden Dollar ab, um Open AI Rechenleistung bereitzustellen. Woher genau Open AI das Geld nehmen will, ist indes noch unklar.

Die Zweifel, ob die KI-Anbieter die Billioneninvestitionen in die Infrastruktur wieder erwirtschaften können, wachsen. Die Unternehmensberater von Bain sehen etwa in einer neuen Studie mit den heute absehbaren Anwendungen eine Umsatzlücke von rund 4,2 Billionen Dollar.

Die Analysten von Gartner gehen in einem aktuellen Bericht zwar davon aus, dass der Markt für KI-optimierte Rechenkapazitäten von Coreweave und Co. bis 2030 auf 174 Milliarden Dollar wächst. Dieses Wachstum werde aber zu gering sein, als dass die meisten Anbieter von KI-Rechenleistung ihre KI-Investitionen amortisieren könnten, bevor die aktuelle Generation von KI-Halbleitern abgelöst wird. Bis 2030 würden 80 Prozent der Neoclouds ihren Betrieb einstellen, weil der Kostendruck zu hoch sei und ein wirklich differenzierendes Geschäftsmodell fehle. Für manche Investoren und Banken könnte es ein böses Erwachen geben.

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