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Covid-19 und Long Covid: Infektion reaktiviert schlafende Viren im Körper

Allgemein

Studie zu Covid Coronavirus weckt elf schlummernde Viren Von Lynn Zimmermann 17.08.2026 - 16:46 UhrLesedauer: 3 Min. Viele Menschen tragen unbemerkt mehrere Viren ein Leben lang in sich. Bei einer schweren Corona-Infektion können einige davon wieder aktiv werden – und das auch bei ansonsten gesunden Personen. Herpesviren wie das Epstein-Barr-Virus schlummern nach einer Infektion dauerhaft im Körper. Normalerweise hält das Immunsystem sie unter Kontrolle. Doch körperlicher Stress, Schlafmangel oder schwere Erkrankungen können die Erreger erneut aktivieren. Forschende haben jetzt herausgefunden, dass eine Covid-19-Infektion elf verschiedene Virusarten reaktivieren kann. Ein Umstand, der den Autoren zufolge auch Konsequenzen für die Behandlung haben könnte. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift "Nature". Bei fast jedem Zweiten wurde mindestens ein Virus wieder aktiv Für die Studie wertete ein Team von der University of Texas in Austin Daten von rund 1.150 Menschen aus, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt wurden. Die Forscher untersuchten unter anderem Blut, Nasenabstriche und bei beatmeten Patienten auch Sekret aus den Atemwegen. Das Ergebnis: Innerhalb der ersten 40 Tage nach der Aufnahme ins Krankenhaus fanden die Wissenschaftler Reaktivierungen von insgesamt elf verschiedenen Viren. Fast die Hälfte der untersuchten Patienten zeigte mindestens eine solche Reaktivierung. Besonders häufig betraf das folgende Erreger: Epstein-Barr-Virus (EBV): Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers, auch infektiöse Mononukleose genannt. Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1): häufigste Ursache von Lippenherpes. Zytomegalievirus (CMV): Ursache der Zytomegalie, einer Infektionskrankheit, die bei Neugeborenen Entwicklungsstörungen verursachen kann. Viren aus der Familie der Anelloviridae: Viele dieser Anelloviridae-Viren sind weitverbreitet. Zwar ist bisher nicht bekannt, dass sie selbst bestimmte Erkrankungen verursachen, es wird jedoch vermutet, dass sie indirekt an bestimmten Krankheiten beteiligt sein können, etwa bei Störungen des Immunsystems, anderen Virusinfektionen, Hepatitis und sogar Krebs. Diese Viren könnten auch eine Rolle bei Long Covid spielen, denn die Forscher fanden heraus, dass sie bei Long-Covid-Patienten häufiger auftraten. Studienautor Cole Maguire erklärt: "Dieser Befund deutet darauf hin, dass Covid-19 möglicherweise nicht immer als einzelne Virusinfektion wirkt und das innere Ökosystem ruhender Viren im Körper stören kann." Was ist Long Covid? Bei Long Covid zeigen Menschen noch Monate oder sogar Jahre nach der Covid-19-Infektion Symptome wie Erschöpfung, kognitive Beeinträchtigungen und körperliche Einschränkungen. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, und es gibt keine zugelassenen Behandlungen. Weltweit sind Millionen Menschen betroffen. Auch Menschen mit gesundem Immunsystem betroffen Bislang beobachteten Mediziner Virusreaktivierungen besonders häufig bei Menschen mit unterdrücktem oder geschwächtem Immunsystem. Die aktuelle Untersuchung stellt diese Annahme infrage. Denn auch bei Patienten ohne vorherige Immunschwäche fanden die Forscher häufig reaktivierte Viren. Studienleiterin Esther Melamed erklärt dazu: "Unsere Ergebnisse haben wichtige Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Für mehrere der untersuchten chronischen Viren gibt es bereits Tests, und einige Viren aus der Herpesfamilie können mit bestehenden antiviralen Medikamenten behandelt werden." Ob eine solche Behandlung den Verlauf einer akuten Covid-19-Infektion oder auch von Long Covid tatsächlich verbessert, müsse allerdings erst untersucht werden. Reaktivierung häufiger bei schwer Erkrankten Auffällig bei den Ergebnissen war auch: Je schwerer die Covid-19-Erkrankung verlief, desto häufiger fanden die Wissenschaftler reaktivierte Viren. Bei kritisch kranken Patienten hing der Nachweis von EBV, CMV oder HSV-1 zudem mit einer höheren Sterblichkeit innerhalb eines Jahres zusammen. Auch die Immunreaktion unterschied sich. Bei Menschen mit Virusreaktivierungen fanden die Forscher höhere Werte verschiedener Botenstoffe, die Entzündungen steuern. Gleichzeitig entdeckten sie mehr aktivierte T-Zellen, also Abwehrzellen des Immunsystems. Für wen wird die jährliche Covid-Schutzimpfung empfohlen? Die Stiko empfiehlt eine jährliche Auffrischimpfung im Spätsommer oder Frühherbst vor allem Menschen ab 75 Jahren, Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf sowie medizinischem und pflegerischem Personal mit erhöhtem Infektionsrisiko. Ergebnisse zeigen starken Zusammenhang – aber keinen Beweis Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Autoren daher dafür, dass die reaktivierten Viren möglicherweise zusätzliche Immunreaktionen auslösen und eine bereits bestehende Entzündung verstärken könnten. Einen ursächlichen Zusammenhang können die Forschenden jedoch nicht belegen. Die Studie zeigt also nicht, ob die erneut aktiven Viren Covid-19 tatsächlich verschlimmern oder ob eine schwere Erkrankung lediglich dazu führt, dass die Viren wieder aktiv werden. "Die Ergebnisse verdeutlichen aber, wie häufig chronische Viren sowohl während einer akuten Covid-19-Erkrankung als auch bei Long Covid reaktiviert werden", so Maguire und sein Team. Das sind die Top-Fragen des Tages: Die Studie hat zudem eine wichtige Einschränkung. Alle untersuchten Patienten lagen wegen Covid-19 im Krankenhaus, waren ungeimpft und hatten sich überwiegend mit frühen Varianten von Sars-CoV-2 infiziert. Ob heutige Virusvarianten bei geimpften oder bereits zuvor infizierten Menschen vergleichbare Reaktivierungen auslösen, können die Daten daher nicht beantworten. Dennoch sind die Forscher der Ansicht, dass diese Arbeit einen möglichen weiteren Baustein zum Verständnis und Vermeidung schwerer Covid-Verläufe liefert. Verwendete Quellen nature.com: "Virus reactivation in acute and long COVID-19". (Stand: August 2026; englisch) dellmed.utexas.edu: "UT-led study finds COVID-19 can awaken hidden viruses throughout the body". (Stand: August 2026; englisch) "The mysterious anelloviruses: investigating its role in human diseases" rki.de: "COVID-19-Impfempfehlung" Transparenzhinweis Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden. Quellen anzeigen

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