CSD-Demo in Hamburg: 300.000 Menschen waren dabei
Stand: 01.08.2026 21:13 Uhr Eine Woche nach dem Anschlag in Berlin hat am Sonnabend in Hamburg die CSD-Demo stattgefunden. Die Beteiligung war noch größer als erwartet. Die Demonstration verlief laut Polizei ohne Zwischenfälle. Rund 300.000 Menschen waren nach Polizeiangaben bei der Hamburger CSD-Demo auf der Straße. 60 Trucks und viele Gruppen zu Fuß zogen durch die Hamburger Innenstadt, um ein buntes Zeichen für Vielfalt und Toleranz zu setzen. Zehntausende Menschen säumten die Straßen des Demonstrationszuges, der um 12 Uhr in der Lübecker Straße begonnen hatte. Gegen 16.30 Uhr ging die Demo zu Ende. Die Stimmung sei friedlich und ausgelassen, sagte eine Polizeisprecherin nach Beginn der Demonstration. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen. Viele kamen im Anschluss an die Hamburger Binnenalster und den den Rathausmarkt, wo noch bis Sonntag das CSD-Straßenfest stattfindet. Der Verein Hamburg Pride sprach von einer Rekordbeteiligung bei einem Hamburger CSD. Verstärkte Polizeipräsenz Nach dem Anschlag am Rande des Berliner CSD wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Demo noch einmal verschärft. "Wir gehen auf die Straße und sind stolzer denn je", sagte die Hamburger Drag-Queen Olivia Jones während der Demonstration. "Wir wollen diese diverse und freie Gesellschaft sein", sagte der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) marschierte ebenfalls in der ersten Reihe mit. Auch vom Berliner CSD gab es in diesem Jahr einen eigenen Truck. In Erinnerung an den Angriff auf den Berliner CSD trugen Sie schwarz. Auch in Hamburg trugen viele Teilnehmende schwarze Armbinden. Bundespolitische Prominenz demonstriert mit Mit dabei sind in diesem Jahr auch Politikerinnen und Politiker aus der Bundespolitik. Die grüne Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang sagte, sie sei gekommen "um ein Zeichen zu setzen, dass wir uns die Lebensfreude nicht nehmen lassen". Dies sei nach dem Anschlag auf den Berliner CDS am vergangenen Wochenende besonders wichtig. "Hier zeigen Zehntausende Menschen, wenn nicht Hunderttausende, dass wir die Angst nicht gewinnen lassen dürfen". Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, sagte, die Demo sei ein wichtiges Zeichen und es sei "eine tolle Stimmung". "Jetzt erst recht" Ein Hupkonzert der "Dykes on Bikes", das sind Frauen auf Motorrädern, und eine große Konfettikanone gaben am Mittag den Startschuss zur Demonstration. "Jetzt erst recht" war hier immer wieder zu hören. "Wir suchen hier das Gemeinschaftsgefühl", meinte Manuel Opitz von "Hamburg Pride" - in der Community, aber auch mit dem Rest der Gesellschaft. Das sei das Besondere am CSD: dass alle zusammen auf die Straße gehen und zeigen, dass die Gesellschaft dabei ist und trägt. Auf den Plakaten wird es politisch: "Unsere Körper, unsere Beziehungen, unsere Entscheidungen", "Wir sind hier, um zu bleiben" - und: "Taten statt Worte, Merz!" Forderung nach Grundgesetzänderung Sichtbarkeit, Solidarität und Akzeptanz will die queere Community - aber auch ganz konkrete politische Zeichen. "Artikel 3 Grundgesetz ergänzen" steht immer wieder auf Schildern. In Berlin wird diskutiert, die Verfassung so zu erweitern, dass auch Diskriminierung wegen sexueller Identität dann verboten ist. Sicherheitskonzept mit mehr Polizei Die Polizei in Hamburg setzt heute deutlich mehr Beamtinnen und Beamte ein als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde gegenüber der ursprünglichen Planung verdoppelt. Dazu kommen Betonpoller sowie Lastwagen, die als Barrieren auf den Straßen stehen und bei Rettungseinsätzen schnell zur Seite gefahren werden können. Konkrete Gefährdungshinweise für den heutigen CSD lagen den Sicherheitsbehörden bis zuletzt nicht vor. "Hamburg Pride" steht zudem in ständigem Austausch mit der Polizei. Polizeipräsident: "Kein Risiko eingehen" "Nach dem Berliner Anschlag haben wir sämtliche Sicherheitskonzepte noch mal intensiv geprüft, auch die Route", sagte Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel am Tag vor der Hamburger CSD-Demonstration. Es bleibe dabei: Die Parade könne aus Sicht der Polizei stattfinden. Man habe schon in der Vergangenheit ein gutes Sicherheitskonzept gehabt, wolle aber gerade bei diesem CSD kein Risiko eingehen: "Alle können sich auf ein Höchstmaß an Sicherheit einstellen." Unterstützung aus anderen Bundesländern gebe es, an ihre Grenze stoße die Polizei aber nicht. Insbesondere rund um Demonstration und Straßenfest sei man verstärkt vor Ort. Gedenken an die Berliner Opfer Bereits gestern Abend gab es zum Auftakt des CSD-Straßenfests auf dem Rathausmarkt eine Schweigeminute für die Berliner Opfer. Auch kurz vor dem Start des Demonstrationszugs soll erneut an sie erinnert werden. Besonders sichtbar dürfte dabei der Truck des Berliner CSD sein, auf dem Mitfahrende dunkle Kleidung tragen: "Weitermachen und Innehalten gehören für uns zusammen", schrieb der Verein bei Instagram. Es werde auch in Berlin wieder einen CSD geben - mit der kurzfristigen Teilnahme wolle man "Hamburg Pride" jetzt den Rücken stärken. "Wir lassen uns nicht einschüchtern" "Gerade jetzt müssen wir zusammenstehen und sichtbar bleiben", sagten die Co-Vorsitzenden von "Hamburg Pride", Jenny Saitzek und Christoph Kahrmann. Auch die Schura, der Rat der islamischen Gemeinden, äußerte sich: Wer den Islam nutze, um Hass oder Angriffe zu rechtfertigen, missbrauche die Religion - der Islam erlaube keine Selbstjustiz. "Hamburg Pride" fordert zudem, Artikel 3 des Grundgesetzes um wirksamen Diskriminierungsschutz zu erweitern; Beileidsbekundungen der Bundesregierung reichten nicht aus. Motto, Route und Pride Week Der Hamburger CSD stand in diesem Jahr unter dem Motto "Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst!". Die Pride Week läuft noch bis Sonntag, ebenso das CSD-Straßenfest rund um die Binnenalster und am Rathaus.