CSD in Wesel Wesel: So schön war die queere Parade - die Bilder
Die erste Parade zum Christopher Street Day in Wesel war ein voller Erfolg für Veranstalter und Stadt. Schon deutlich vor 15 Uhr versammelten sich am Großen Markt in der Innenstadt viele Hundert bunt gekleidete und fröhliche Menschen, um mit einem Demozug die Liebe zu feiern und ein Zeichen für Toleranz zu setzen. „Ich bin seit 8 Uhr unterwegs und total euphorisch, dass es ein toller Tag wird“, sagte Ralf Bocksch aus Wesel vom Orgateam der Veranstaltung. „Es ist toll, zu sehen, wie viele Menschen mit uns feiern. Und von so ein paar Nazis lassen wir uns den Tag auch nicht kaputtmachen. Wesel steht hinter uns.“ In seinem Grußwort bei der Auftaktkundgebung der Veranstaltung wurde er dann noch deutlicher: „Wir fordern Gesetze gegen Hass, Hetze und Gewalt“, sagte er. Vielfalt sei nichts, wovor man Angst haben müsse. „Lasst uns heute nicht nur feiern, sondern Haltung zeigen.“ Doch auch die Gäste ohne offizielle Aufgaben auf dem Großen Markt waren an diesem Samstag guter Dinge. Tom, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollte, ist schwul und war verrückt angezogen. „Ich bin mit Freunden aus Moers nach Wesel gekommen. Vom CSD habe ich beim Esel-Rock erfahren und denke, wenn das heute eine Premiere ist, sollte man dabei sein“, sagte er. „Mir gefällt‘s.“ Ava ist nichtbinär und war aus Krefeld angereist. „Ich bin hier, weil ich mir erhoffe, dass immer mehr Menschen jeden so leben lassen, wie er möchte“, sagte die nichtbinäre Person. „Ohne Hass und ohne Angst. Ich bin schwul und muss sagen, dass ich im Alltag schon aufpassen muss, woher ich laufe. Ich möchte nicht in Angst leben – so wie ja eigentlich jeder.“ Vom Großen Markt aus zog der bunte Demozug, der eher einer Parade ähnelte als einer politischen Kundgebung, weiter bis zum Berliner Tor. Entlang des Weges wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von vielen Weselern erwartet, die der bunten Parade zuwinkten, mittanzten und sich mitunter sogar einreihten. Am Berliner Tor angekommen gab es auf der Bühne lyrische, musikalische und unterhaltsame Beiträge zu sehen und zu hören. Am Abend sollte außerdem noch ein DJ auflegen. Die Stimmung dort war ausgelassen unter den vielen Besuchern. Unter ihnen auch Yvonne aus Kamp-Lintfort in einem extrem bunten Kleid und mit einer künstlichen Blumenkette versehen. „Auch wenn mir der CSD sehr gut gefallen hat, wäre es noch schöner gewesen, wenn die Leute noch bunter angezogen gewesen wären. Ich kam mir schon ein wenig overstyled vor. Ich finde generell, dass jeder so leben und lieben sollte, wie er mag. Deshalb bin ich auch hier. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, was es aber nicht immer ist. Ich bin für ein buntes Leben und gegen Spießigkeit.“ Nach ihrem Geschmack hätte es nur noch etwas mehr Musik auf der Bühne geben können. Auch Gisela (80) aus Wesel hat die Veranstaltung „sehr gut gefallen“, wie sie sagt. Nicht zuletzt, weil „so viele teilgenommen haben. Alte und Junge. War das nicht toll!?“. Auch sie ist der Überzeugung, „dass jeder so leben soll, wie er mag. Vorausgesetzt, er schadet keinem anderen. Keinem sollten Steine in den Weg gelegt werden. Ich wäre froh, wenn der CSD auch 2027 wieder in Wesel stattfinden würde. Ich wäre jedenfalls dabei, wenn ich gesund bleibe.“ Dass der CSD tatsächlich im nächsten Jahr erneut gefeiert werden könnte, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Denn wie Organisatorin Isabell Boller am späten Nachmittag erklärt, „fanden es wirklich alle schön. Und ich will nicht ausschließen, dass es auch 2027 einen CSD gibt.“ Das gesamte Orgateam habe sich über den sehr guten Zuspruch gefreut. „Es waren ja mehrere Tausend Leute da. Wir hatten nur gut 800 angemeldet.“ Isabell Boller ist schon froh, dass der Stress nun vorbei ist. „Ich habe in der letzten Woche fast nichts anderes getan, als mich um den CSD zu kümmern.“ Die Polizei begleitete und beschützte die Veranstaltung den gesamten Tag über besonders gewissenhaft. Grund dafür war eine früher für den Tag angemeldete Kundgebung der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ am Weseler Bahnhof, die den CSD stören sollte. Im Nachgang berichtete die Behörde, dass beide Versammlungen friedlich und ohne besondere Vorkommnisse verlaufen seien. Die Teilnehmerzahl des CSD schätzte die Kreispolizei auf eine „im höheren dreistelligen Bereich“.