Cyberangriffe aus Russland: Auswärtiges Amt bestellt russischen Botschafter ein
Das Auswärtige Amt hat den russischen Botschafter in Berlin einbestellt. Anlass sind Vorwürfe der Bundesregierung, zahlreicher weiterer EU-Staaten und Großbritanniens gegen Russland, für mehrere groß angelegte Cyberoperationen verantwortlich zu sein. »Cyberangriffe gegen Deutschland, EU-Partner und die Ukraine sind inakzeptabel«, teilte das Auswärtige Amt mit. »Wir beantworten sie geschlossen, auch mit zusätzlichen Sanktionen. Zudem haben wir heute den russischen Botschafter einbestellt (und) unsere Haltung noch einmal verdeutlicht.« Finnlands Außenministerium teilte ebenfalls mit, den russischen Botschafter in Verbindung mit den Anschuldigungen einbestellt zu haben. Auch Frankreichs Regierung kündigte an, wegen der Vorwürfe in den kommenden Tagen den russischen Botschafter in Paris einbestellen zu wollen. Zudem werde Frankreich Sanktionen gegen neun russische Personen und vier Organisationen verhängen, sagte Außenminister Jean-Noël Barrot. Auch er begründete die Maßnahmen mit russischen Cyberangriffen. Kurz nach der Erklärung teilte Russlands Außenministerium mit, seinerseits den deutschen Botschafter einbestellt zu haben. Nähere Angaben enthielt die Mitteilung nicht. Die Behörde veröffentlichte stattdessen ein kurzes Video, das zeigt, wie Botschafter Alexander Graf Lambsdorff vor dem Sitz des Außenministeriums in Moskau aus dem Auto steigt. EU wirft Russland Infiltration, Spionage und Cyberattacken vor Der Rat der EU teilte mit, die von Frankreich angekündigten EU-Sanktionen seien unter anderem gegen Offiziere des russischen Militärgeheimdiensts GRU, »Cyberkriminelle, selbst ernannte Hacktivisten« sowie Unternehmen, die zu russischen Cyberangriffen beitragen, gerichtet. In der Mitteilung ist von einem Zentrum des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB die Rede, das für ein »breites Spektrum schädlicher Cyberaktivitäten von zunehmender Tragweite« verantwortlich sei. Unter anderem gehe es dabei um »Infiltration von Regierungsnetzwerken« und Sabotage an kritischer Infrastruktur. Neben Frankreich und Deutschland zählte der EU-Rat sieben weitere EU-Länder auf, die Ziel der Cyberoperationen gewesen sein sollen. Frankreichs Außenminister Barrot sprach von mindestens zehn betroffenen Ländern. Das FSB-Zentrum, das dafür verantwortlich sei, habe in Frankreich zudem seit 2010 Regierungsbehörden und seit 2025 die Rüstungsindustrie ausgespäht. Auch in Deutschland seien Regierungsbehörden ausgespäht worden. Russland soll für Cyberangriff auf Polens Energieversorgung verantwortlich sein Am Vorgehen der EU gegen die russischen Cyberoperationen beteiligt sich nach Angaben des EU-Rats auch Großbritannien. Parallel zur EU verhängte auch die britische Regierung neue Sanktionen gegen Russland, von denen 24 Personen betroffen waren. Dazu gehören nach britischer Darstellung ebenfalls hochrangige GRU-Offiziere sowie Organisationen, die an Desinformationskampagnen etwa im Vorfeld von Wahlen in Moldau und Armenien beteiligt gewesen seien.