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Cyberkrieg am Wasserhahn: Irans Hacker greifen US-Anlagen an - Trump zweifelt

Welt

KI-Stimme. Info In Braham, einem 1700-Einwohner-Ort rund eine Autostunde nördlich von Minneapolis, kam der Iran-Krieg Ende Juli unerwartet am Wasserhahn an. Plötzlich fiel die elektronische Steuerung von Brunnen und Wasserwerk aus. Die Stadt hing vorübergehend an dem kommunalen Nass, das noch im üblichen Turm gespeichert war. Mitarbeiter mussten eingreifen und die Anlage wieder unter Kontrolle bringen. Was wie ein lokaler Technikdefekt wirken konnte, war offenbar Teil einer koordinierten Cyberattacke auf mehr als 30 Wassersysteme allein im Bundesstaat Minnesota. Inzwischen ist klar: Der Angriff war kein Einzelfall. Wasser- und Abwasserbetriebe in mindestens zwölf US-Bundesstaaten, darunter Georgia, South Dakota, New Jersey und Arkansas, haben vergleichbare Cybervorfälle gemeldet. Neun Systeme wurden allein in Michigan getroffen. Eine vollständige nationale Zahl nennt die Regierung in Washington nicht. Aber die Geheimdienste haben einen Schuldigen im Visier: die iranischen Revolutionsgarden. Die Schäden blieben bisher begrenzt – aber sie waren real. Anlagen mussten zeitweise offline genommen oder von Hand betrieben werden. Die Bundespolizei FBI registrierte Druckverluste und Überflutungen. In Clayton County südlich von Atlanta fiel eine Pumpstation aus; in Teilen des Countys sank der Wasserdruck oder das Wasser blieb ganz weg. Vorsorglich galt ein Abkochgebot. Einen Tag später waren die Tests unauffällig, das Wasser wurde wieder freigegeben. Offiziell ist nicht bekannt, wer dahintersteckt Damit hat der Iran-Krieg eine neue Front erreicht: Geräte, die Pumpen, Ventile und Wasserstände steuern. Im Zentrum stehen sogenannte „Programmable Logic Controllers“, kurz PLC – Industriecomputer, über die Wasserwerke technische Abläufe aus der Ferne überwachen. Sind sie schlecht geschützt, können Angreifer Passwörter und IP-Adressen verändern, Bediener aussperren und Prozesse manipulieren. Genau das beobachtet das FBI. Seit dem 27. Juli meldeten Wasserbetriebe in zunächst mindestens sieben Bundesstaaten Vorfälle; inzwischen hat sich der Kreis erweitert. Das FBI spricht von Angriffen, die den Betrieb beeinträchtigten; Druckverlust kann im Extremfall unbehandeltes Grundwasser in Leitungen ziehen. Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“ Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“ Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“ Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“ Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“ Wer dahintersteckt, sagt Washington offiziell noch nicht. Hinter den Kulissen ist das Bild deutlicher. Nach Informationen der „Washington Post“ sind US-Geheimdienste überzeugt, dass die iranischen Revolutionsgarden in Teheran hinter der Kampagne stehen. Offen sei, welche Einheit oder angegliederte Hackergruppe sie tatsächlich ausgeführt habe. Eine formelle Zuschreibung gibt es bislang nicht. Experten sind beunruhigt Brisant ist der Widerspruch zum Präsidenten. Donald Trump sagte nach Bekanntwerden der Angriffe in Minnesota, er glaube nicht, dass Iran dahinterstecke. Stattdessen machte er die demokratische Regionalstaatsregierung verantwortlich und nannte sie „grob inkompetent“. Seine Geheimdienste kommen zu einer anderen Einschätzung. Ganz neu wäre iranisches Interesse an amerikanischen Wasserwerken nicht. Bereits 2023 griff die mit den Revolutionsgarden verbundene Gruppe „CyberAv3ngers“ Wassersysteme an. In Aliquippa in Pennsylvania wurde die Pumptechnik abgeschaltet. Seit Kriegsbeginn Ende Februar registrieren US-Behörden eine aggressivere Cyberkampagne. Im April warnten staatliche Stellen ausdrücklich vor Iran-nahen Hackern; im Juli wurde die Warnung auf weitere Gerätehersteller ausgeweitet. Für Cyberexperte Joe Slowik, früher Forscher am Los Alamos National Laboratory, ist die Entwicklung gefährlich. Inzwischen gebe es „dokumentierte Störungen“ und Eingriffe in sicherheitsrelevante Parameter kritischer Infrastruktur. Dass solche Methoden nun an mehreren Orten auftauchten, müsse „wirklich beunruhigen“. Das Vertrauen in den Staat ist beschädigt Das Problem liegt auch auf amerikanischer Seite. Die USA verfügen über mehr als 150.000 öffentliche Wassersysteme – von Großstadtwerken bis zu winzigen kommunalen Betrieben. Gerade kleine Orte besitzen oft weder Cyber-Personal noch moderne Technik. Manche Steuergeräte hängen aus Bequemlichkeit direkt am Internet; mitunter schützen schwache oder voreingestellte Passwörter den Zugang. News aus den USA „Viele denken: ‚Wir sind doch nur ein winziger Ort mit 300 Einwohnern – warum sollte Iran sich für uns interessieren?‘“, sagt Chris Harris von der Arkansas Rural Water Association. Die Antwort: „Sie greifen an, was sie erreichen können.“ Darin liegt die strategische Wirkung. Jake Braun, früher Cyberbeauftragter der Biden-Regierung, verweist darauf, dass kommunale Wassernetze auch Militärstandorte, Fabriken und Rechenzentren versorgen. Wer Wasser angreift, müsse nicht eine Stadt trockenlegen. Schon die Aussicht, dass aus einem fremden Land Pumpen gestoppt oder Ventile manipuliert werden können, beschädige das Vertrauen in den Staat. Im Kongress wächst deshalb der Druck. Der demokratische Senator Adam Schiff will der Umweltbehörde EPA ausdrücklich die Befugnis geben, Mindeststandards für Cybersecurity im Wassersektor durchzusetzen. Auch der Branchenverband „American Water Works Association“ fordert Mindestanforderungen. In Braham floss das Wasser am Ende weiter. Niemand wurde krank, der Wasserturm lief nicht leer. Das macht den Angriff unspektakulär – und doch so warnend. Ein paar manipulierte Einstellungen und ein ausgefallener Industriecomputer genügten, um eine amerikanische Kleinstadt daran zu erinnern: Der Iran-Krieg zieht weite Kreise – bis ins örtliche Wasserwerk.

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