DAX +0,37 % 26.429,01 Pkt 16:37:12 MDAX +0,51 % 32.499,85 Pkt 16:37:12 Euro Stoxx 50 -0,06 % 6.541,58 Pkt 16:37:00 Dow Jones -0,02 % 53.756,85 Pkt 16:52:11 S&P 500 +0,59 % 7.793,99 Pkt 16:52:08 Nasdaq +0,62 % 26.753,62 Pkt 16:52:10 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,76 % 4.440,20 USD 16:42:12 Silber +1,09 % 65,58 USD 16:42:12 Brent +0,78 % 87,75 USD 16:42:10 WTI +0,49 % 81,65 USD 16:42:05 Bitcoin -1,27 % 62.597,88 USD 16:52:10 EUR/USD +0,48 % 1,15850 USD 16:51:24 EUR/GBP +0,09 % 0,85470 GBP 16:52:12 EUR/CHF +0,25 % 0,93970 CHF 16:52:12 EUR/JPY +0,25 % 184,130 JPY 16:52:12

D-Wave: 1.120 Prozent mehr Aufträge

Technologie

Selten lagen die beiden Hälften eines Quartalsberichts so weit auseinander. D-Wave Quantum setzte im zweiten Quartal rund 3,1 Millionen US-Dollar um – praktisch so viel wie ein Jahr zuvor. Damit blieb der Umsatz unter der veröffentlichten Konsensschätzung von 4,03 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig stiegen die Bookings im ersten Halbjahr von 2,9 auf 35,5 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 1.120 Prozent. Im Halbjahr ging der Umsatz dagegen von 18,1 auf 5,9 Millionen US-Dollar zurück – ein Minus von 67 Prozent, weil der Vorjahreszeitraum 13,7 Millionen US-Dollar Umsatz aus dem ersten Verkauf eines Annealing-Quantencomputers enthielt. Der Kontrast ist erheblich, aber erklärbar. Bookings sind bei D-Wave eine operative Kennzahl für Kundenaufträge, aus denen künftig Nettoerlöse erwartet werden; sie sind nicht mit Umsatz gleichzusetzen. Umsatz entsteht erst, wenn D-Wave die vertraglich vereinbarten Leistungen erbringt und nach den geltenden Bilanzierungsregeln erfasst. Bei großen Hardware-Projekten kann zwischen Auftrag und Umsatzrealisierung ein längerer Zeitraum liegen. Die noch nicht erfüllten vertraglichen Leistungsverpflichtungen – Remaining Performance Obligations, kurz RPO – kletterten auf 40,7 Millionen US-Dollar. D-Wave erwartet, davon rund 57 Prozent innerhalb der kommenden zwölf Monate und 72 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre als Umsatz zu erfassen. Der 20-Millionen-Dollar-Hebel aus Florida Ein großer Teil des Booking-Sprungs geht auf einen Einzelvertrag zurück: Die Florida Atlantic University hatte im Januar eine Vereinbarung über den Kauf und die Installation eines Advantage2-Systems im Umfang von 20 Millionen US-Dollar unterzeichnet. Die Bereitstellung ist nach Unternehmensangaben für später im Jahr 2026 vorgesehen. Der Deal erklärt damit einen wesentlichen Teil der außergewöhnlichen Wachstumsrate. Entscheidend für die Investmentthese ist nun nicht die spektakuläre Prozentzahl, sondern die Umsetzung: Wann wird aus dem Auftrag Lieferung, Abnahme und schließlich Umsatz? Im laufenden Geschäft zeigt sich zumindest punktuell mehr Substanz. Die Bookings des zweiten Quartals lagen bei 2,1 Millionen US-Dollar und damit 59 Prozent über dem Vorjahreswert von 1,3 Millionen US-Dollar. Das ist deutlich weniger spektakulär als der Halbjahressprung, aber als Indikator für das operative Neugeschäft aussagekräftiger. Der QCaaS-Abonnementumsatz legte im Quartal um rund 50 Prozent auf 1,9 Millionen US-Dollar zu. Aus einer Stunde werden 15 Sekunden D-Waves etabliertes Geschäft basiert auf Quantum Annealing. Diese Technologie ist besonders für kombinatorische Optimierungsprobleme ausgelegt, etwa bei Routenplanung, Einsatzplanung oder der Auslastung von Netzen und Ressourcen. Parallel baut das Unternehmen seine Aktivitäten im Gate-Model-Quantencomputing aus. Am 27. Juli weitete AT&T seine Zusammenarbeit mit D-Wave aus. Nach Angaben der Unternehmen sank die Laufzeit eines konkreten Netzoptimierungs-Workloads von rund einer Stunde auf weniger als 15 Sekunden. Das entspricht einer Beschleunigung von mehr als dem Faktor 240. Die Aussage belegt einen erheblichen Effekt im konkreten Anwendungsfall, erlaubt aber keinen pauschalen Vergleich zwischen Quanten- und klassischem Rechnen, weil die technische Vergleichsbasis nicht offengelegt wurde. Vom Testlabor in den Produktivbetrieb Auch die Kundenstruktur entwickelt sich in die richtige Richtung. Nach Unternehmensangaben stammten im ersten Halbjahr 37,3 Prozent der QCaaS-Umsätze aus als produktiv klassifizierten Anwendungen, nach 9,8 Prozent im Vorjahr. Im zweiten Quartal entfielen 62,4 Prozent der Umsätze auf kommerzielle Kunden, nach 45,1 Prozent ein Jahr zuvor. Neue oder verlängerte Verträge kamen unter anderem von Nasdaq Verafin, Oki Electric, Shionogi und Unisys. Diese Kennzahlen sind positiv, bleiben aber Unternehmensangaben und hängen von D-Waves eigener Definition produktiver Anwendungen ab. 100.000 Qubits – aber erst 2031 Technologisch erhält D-Wave Rückenwind. D-Wave zufolge stufte IDC das Unternehmen in der Studie „IDC MarketScape: Worldwide Quantum Computing 2026 Vendor Assessment“ als eines von zwei Unternehmen in der Kategorie „Leader“ ein. Zugleich präsentierte D-Wave eine Roadmap für seine Annealing-Sparte: Das künftige Advantage3-System soll über eine Multi-Chip-Architektur bis 2031 100.000 Qubits erreichen; als Zwischenschritt ist für 2029 eine Stufe mit 20.000 Qubits vorgesehen. Das sind Entwicklungsziele des Managements, keine bereits erreichten Leistungswerte. Am 12. August teilte D-Wave mit, bis zu 300.000 kanadische Dollar aus dem Applied Quantum Computing Challenge Program des National Research Council of Canada zugesprochen bekommen zu haben. Das Team in Burnaby soll Graph-Minor-Embedding-Algorithmen für die Zephyr-Topologie entwickeln und in das quelloffene Ocean-SDK integrieren. Gemessen an D-Waves Quartalszahlen ist der Betrag klein; die Förderung unterstützt die Weiterentwicklung der kommerziellen Softwareplattform. Deutlich größer ist der von der US-amerikanischen National Science Foundation ausgewiesene Zuschuss über rund 1,57 Millionen US-Dollar, mit dem D-Wave als Partner im Fehlerkorrektur-Projekt ERASE gefördert wird. Für Sektoraufmerksamkeit sorgte ein Bloomberg-Bericht über parteiübergreifende Bestrebungen im US-Kongress, die jährlichen Militärausgaben für Quantenentwicklung und -anwendungen um 68 Prozent auf 567 Millionen US-Dollar zu erhöhen. Zum Berichtszeitpunkt lag dazu noch kein Beschluss vor. Was der Markt sagt – und was noch aussteht Die Analystenstimmen waren uneinheitlich: Nach Medienberichten bekräftigten Craig-Hallum, Cantor Fitzgerald und Evercore ISI positive Einstufungen; Northland Securities nahm die Aktie mit einer Hold-Einstufung in die Beobachtung auf. Diese Stimmen sind Marktbild, nicht unser Urteil. Am 10. August kündigte D-Wave Auftritte auf zwei Investorenkonferenzen an: am 20. August virtuell auf der Needham 7th Annual Virtual Semiconductor & SemiCap Conference sowie am 27. August auf der Deutsche Bank 2026 Technology Conference in Dana Point, Kalifornien. Für Anleger sind die Termine vor allem ein Anlass, auf Aussagen zum Auslieferungszeitplan großer Systemaufträge und zur geplanten Umsatzrealisierung aus den RPO zu achten. Die Gegenseite bleibt allerdings klar. D-Wave ist weiterhin weit von Profitabilität entfernt. Der bereinigte EBITDA-Verlust weitete sich im zweiten Quartal auf 37,1 Millionen US-Dollar aus, nach 20,0 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Gleichzeitig gab die GAAP-Bruttomarge auf 55,4 Prozent nach, gegenüber 63,8 Prozent im Vorjahr. Die GAAP-Betriebsaufwendungen stiegen auf 55,0 Millionen US-Dollar, nach 28,5 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal; daraus ergab sich ein operativer Verlust von 53,3 Millionen US-Dollar, nach 26,5 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Laut D-Wave trugen unter anderem höhere Personalkosten sowie Ausgaben für Produktentwicklung und Vertrieb zum Anstieg bei. Der niedrigere Nettoverlust von 48,0 Millionen US-Dollar nach 167,3 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal sollte ebenfalls nicht als operative Trendwende gelesen werden. Er ist im Wesentlichen ein Basiseffekt: Im Vorjahresquartal belastete eine Neubewertung von Optionsscheinen mit 142,0 Millionen US-Dollar. Alle verbliebenen börsennotierten Warrants wurden im November 2025 eingelöst; der Rückgang dieser Belastung erklärt daher einen wesentlichen Teil der Verbesserung im Jahresvergleich. Das operative Bild bleibt: hohe Kosten, noch geringe Umsätze und eine Umsatzrealisierung, die bislang nicht mit dem starken Auftragseingang Schritt hält. Der Branchenvergleich verschärft diesen Befund. IonQ meldete am 5. August einen Quartalsumsatz von 80,1 Millionen US-Dollar, ein Plus von 287 Prozent, und hob seine Umsatzprognose für 2026 auf 280 bis 290 Millionen US-Dollar an. Die Prognose berücksichtigt laut Unternehmen keinen künftigen Beitrag der am 31. Juli, also nach Quartalsende, abgeschlossenen SkyWater-Übernahme. Woran sich das Management messen lassen muss D-Wave bleibt damit im direkten Umsatzvergleich ein deutlich kleinerer Anbieter. Dafür verfügt das Unternehmen nun über eine sichtbar gewachsene Pipeline und erste Hinweise darauf, dass seine Systeme in konkreten Produktionsumgebungen eingesetzt werden. Ob daraus ein belastbares Wachstumsgeschäft wird, entscheidet sich aber nicht an der nächsten Roadmap und auch nicht an einem weiteren Booking-Rekord. Entscheidend ist die Conversion: Wie schnell werden aus den 40,7 Millionen US-Dollar RPO tatsächlich erfasste Erlöse? D-Wave selbst erwartet, binnen zwölf Monaten 57 Prozent dieses Bestands als Umsatz zu erfassen. Für das dritte Quartal stellte das Management ein moderates Umsatzplus in Aussicht, für das vierte Quartal einen deutlich stärkeren Anstieg im Zusammenhang mit Systemauslieferungen. Diese Aussagen sind Unternehmensprognosen. An diesem Maßstab muss sich das Management in den kommenden Quartalen messen lassen.

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