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Danger Dan im Wiesbadener Schlachthof: "Natürlich rufe ich zur Gewalt auf"

Unterhaltung

Danger Dan provoziert und polarisiert mit seinen Songtexten und Aufrufen. Zu der Debatte um seine Person kommt der Blick auf das, was auf der Bühne im Wiesbadener Schlachthof passiert.

Danger Dan, wie sich Daniel Pongratz, der Musiker der "Antilopen Gang", als Solokünstler nennt, tritt am Freitagabend in seiner typischen roten Jacke ins Schweinwerferlicht. Er eröffnet den Abend mit "Die meisten meiner Freunde" - und gewinnt das Publikum sofort für sich.

Übertreibung und Ironie als Stilmittel

Der Sänger wirkt gelöst und nahbar, richtet sich nach dem Auftakt direkt ans Publikum. Er bittet darum, kleinere Menschen vorzulassen, damit sich alle wohlfühlen und darum, auf andere Rücksicht zu nehmen.

Und prompt folgt die erste Provokation. Als er erklärt, seine Anwälte hätten ihm geraten klarzustellen, dass er in seinen Songtexten nicht zur Gewalt aufrufe, antwortet er mit einer bewusst widersprüchlichen Pointe: "Natürlich rufe ich zur Gewalt auf."

Solche Sätze sind Teil seiner Bühnenfigur: überspitzt, konfrontativ und darauf angelegt, Widerspruch hervorzurufen. Sie lassen sich nicht einfach als harmlose Scherze abtun. Zugleich gehören Übertreibung und Ironie zu den Mitteln, mit denen Danger Dan politische Missstände kommentiert.

Mehr als eine Kontroverse

Musikalisch steht zunächst das Klavier im Mittelpunkt. Danger Dan spielt viele Stücke allein, während seine Band hinter einer Schattenwand verborgen bleibt. Erst bei "Mingvase" öffnet sich der Vorhang: Cello, Geige, Schlagzeug und Kontrabass kommen hinzu. Der Sound ist im gesamten Schlachthof klar und gut abgemischt.

Paare, Freundeskreise, Frauen und Männer jeden Alters stehen dicht beieinander. Es fällt auf, dass kaum Smartphones zu sehen sind. Die meisten Besucherinnen und Besucher genießen den Moment ohne Bildschirm – und scheinen einfach im Hier und Jetzt zu sein.

Diese Moment prägen das Bild des Abends. Denn während in den Liedern immer wieder von Gewalt die Rede ist, bleibt das Publikum auffallend zuvorkommend. Auf der Bühne fallen Sätze wie "Hauste ihm eine aufs Maul", vor der Bühne wird Platz gemacht, im Publikum Rücksicht aufeinander genommen.

Der Widerspruch ist kaum zu übersehen. Doch es geht am Abend nicht nur um politische Statements, sondern auch um persönliche Erlebnisse des Sängers.

Zwischen Verletzlichkeit und Selbstzweifeln

Besonders eindrucksvoll ist der Moment, in dem Danger Dan von seiner Augenerkrankung erzählt, die langfristig zur Erblindung führen wird. Die Diagnose habe ihn zunächst frustriert, zugleich aber seinen Blick auf das Leben verändert. Er habe aufgehört, Dinge aufzuschieben und anderen gefallen zu wollen. Im anschließenden Lied "Dass es hier so schön ist" wird die Bühne immer dunkler, im übertragenen Sinne schwindet das Augenlicht. Ein berührender Moment.

Ein weiterer persönlicher Einblick ist seine Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität. Danger Dan singt den Song "Warum es nicht geklappt hat" und erzählt, dass er diesen über einen ehemaligen Freund geschrieben hat, ohne zunächst zu erkennen, dass es sich dabei um seinen Ex-Freund handelte. Denn diese frühere homosexuelle Erfahrung hatte er damals als bloße Laune und Ausprobieren abgetan. Erst später wurde ihm bewusst, dass er sich sowohl zu Frauen als auch zu Männern hingezogen fühlt. Lange hatte er diese Gefühle jedoch nicht zulassen wollen.

Die Grenzen der Kunstfreiheit?

Die Kritik an seiner Person und seinen Liedtexten wird in Wiesbaden auch zum Thema. Danger Dan spricht über die Ausladung beim ZDF im Juli dieses Jahres. Der Sender hatte argumentiert, Teile seiner Texte könnten als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Danger Dan gibt an, er habe mit seinem Album anderen Mut machen wollen. Sein Appell ans Wiesbadener Publikum: Rassisten und Sexisten sollte man widersprechen, auch wenn sie zur eigenen Familie gehören.

Es ist der ernsteste Moment des Abends. Die politische Haltung, die zuvor häufig in Pointen und Übertreibungen verpackt war, wird hier zu einer ganz konkreten Aufforderung für den Alltag.

"Keine Angst"

Nach rund zwei Stunden folgt "Keine Angst". Der Song also, der dem Album und der Tour den Namen gibt. Und der Song, der dafür sorgte, dass Danger Dan vom ZDF-Intendanten Norbert Himmler ausgeladen wurde und nicht im Satire-Magazin "Die Anstalt" wie geplant auftreten durfte. Das bis dahin neutrale Bühnenbild ändert sich und ein großer Schriftzug mit den Worten "Keine Angst" füllt die komplette Bühne.

Als Zugabe erfolgt sein wohl bekanntester Solohit "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt". Darin greift Danger Dan die Auseinandersetzung um Kunstfreiheit und die Grenzen des Sagbaren erneut auf. Das Publikum grölt vor allem den Refrain laut mit.

Lachen, Krankheit und Verlust

Was bleibt von diesem Abend im Schlachthof? Auf einen einfachen Nenner lässt sich das Konzert nicht bringen. Danger Dan ist provokant, manchmal bewusst widersprüchlich und mit seinen Aussagen nicht frei von Kritik. Die Debatten um seine Texte verschwinden nicht, nur weil das Publikum ihn feiert.

Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, den Abend allein durch diese Kontroversen zu betrachten. Da ist ein Musiker, der am Klavier zwischen Wut und Verletzlichkeit wechselt, der sein Publikum zum Lachen bringt und wenige Minuten später von Krankheit und Verlust erzählt. Und da ist ein Publikum, das aufmerksam zuhört, mitfühlt und viele Lieder mitsingt.

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