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„Dann ist Putin erledigt“: Experte warnt vor der größten Angst des Kremls

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„Dann ist Putin erledigt“: Experte warnt vor der größten Angst des Kremls

Von: Lukas Richter

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Bill Browder sieht wachsenden Druck auf Putin – und erklärt, wann die Lage für den Kreml kippen könnte.

Moskau – Die wirtschaftlichen Angriffe der Ukraine könnten für Wladimir Putin gefährlicher werden als militärische Rückschläge an der Front. Davon ist der britisch-amerikanische Finanzinvestor und Putin-Kritiker Bill Browder überzeugt. Entscheidend sei der Moment, in dem die Wut der russischen Bevölkerung größer werde als ihre Angst vor dem Kreml.

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Für diesen Fall zeichnet Browder ein drastisches Szenario: „Wenn genügend Menschen so empfinden und eine Million Menschen auf den Kreml marschieren, ist Putin erledigt.“ Im Gespräch mit The Sun erklärt Browder, weshalb ukrainische Angriffe auf russische Logistik und wirtschaftliche Infrastruktur aus seiner Sicht erheblichen Druck auf den Kreml erzeugen könnten.

Als Beispiel nennt Browder Angriffe auf Lager des russischen Online-Händlers Wildberries. Diese hätten seiner Einschätzung nach gleich mehrere Auswirkungen. Wildberries sei ein wichtiger Logistikknoten und verteile auch militärisch nutzbare Güter im Land.

„Den Krieg zu den Russen nach Hause bringen“

Doch Browder hält einen anderen Effekt für noch wichtiger: „Ich glaube, den Krieg zu den Russen nach Hause zu bringen, ist wahrscheinlich das Wichtigste, was sie tun.“

Seine These: Viele Menschen in Russland könnten den Krieg weitgehend ignorieren, solange ihr eigener Alltag nicht betroffen sei. Das ändere sich, wenn Waren nicht mehr wie gewohnt geliefert würden, das Internet ausfalle oder Benzin nur nach langen Wartezeiten erhältlich sei.

Dann könnten sich Menschen fragen: „Moment mal, was soll dieser ganze Krieg, wenn ich meine Waren nicht mehr am nächsten Tag bestellen kann?“

Nach Browders Einschätzung wächst dadurch der Rechtfertigungsdruck auf Putin. Je weniger überzeugend der Kreml den Krieg erklären könne, desto weniger Opfer werde die Bevölkerung bereit sein, hinzunehmen.

Milliarden-Schulden erhöhen wirtschaftlichen Druck

Browder verweist zudem auf die hohe Verschuldung von Wildberries. Im Interview spricht er von rund 15 Milliarden Dollar Schulden bei großen russischen Banken.

Eine Recherche von The Bell nennt sogar eine höhere Größenordnung. Unter Berufung auf zwei Quellen aus dem E-Commerce-Markt berichtete das Medium, die Gesamtverschuldung von Wildberries könnte Ende 2025 rund 1,3 Billionen Rubel oder 17,8 Milliarden Dollar erreicht haben. Allein gegenüber der VTB Bank sollen mehr als 500 Milliarden Rubel beziehungsweise 6,8 Milliarden Dollar bestanden haben.

Browder argumentiert deshalb, dass Schäden bei einem solchen Unternehmen weit über einzelne Lagerhallen hinausreichen könnten. Betroffen seien Unternehmen, Geschäftspartner und indirekt auch das russische Bankensystem.

Browder: Putins Gegner könnte die Wut auf der Straße sein

Den entscheidenden innenpolitischen Risikofaktor sieht Browder allerdings nicht bei russischen Oligarchen oder einer organisierten Opposition.

Putins Sicherheitsapparat gehe aggressiv gegen potenzielle Gegner vor. Politische Bewegungen könnten deshalb kaum groß genug werden, um dem Kreml ernsthaft gefährlich zu werden. Auch einen Aufstand aus Putins Machtapparat hält Browder für wenig wahrscheinlich.

Gefährlicher sei etwas, das sich nicht rechtzeitig unterdrücken lasse: eine spontane Massenbewegung. „Die Wut in Russland könnte die Angst in Russland überwinden“, sagt Browder. Sollte eine große Zahl von Menschen irgendwann bereit sein, trotz persönlicher Risiken auf die Straße zu gehen, könne die Situation für Putin außer Kontrolle geraten.

Dann folgt seine schärfste Aussage: „Wenn genügend Menschen so empfinden und eine Million Menschen auf den Kreml marschieren, ist Putin erledigt.“

Browder macht allerdings deutlich, dass er einen solchen Sturz nicht für das wahrscheinlichste Szenario hält. Die Wahrscheinlichkeit sei gering. Einen spontanen Volksaufstand hält er jedoch für realistischer als einen Putsch durch Oligarchen oder organisierte politische Gegner.

„Nur noch Angst und Repression“

Der wirtschaftliche Druck verschärft diese Gefahr aus Browders Sicht. Früher habe Putin Unzufriedenheit mit Geld und höheren Sozialleistungen abfedern können. Diese Möglichkeiten würden schwinden.

„An diesem Punkt kann er nur noch Angst und Repression kontrollieren“, sagt Browder. Er erwartet deshalb eine weitere Verschärfung der staatlichen Kontrolle. Im Extremfall könnten Russen irgendwann sogar wieder ein Ausreisevisum benötigen, um das Land verlassen zu dürfen. Browder zieht dabei ausdrücklich eine Parallele zur Sowjetunion.

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