„Dann werfen wir unseren Mist wieder wie vor sechzig Jahren auf den Misthaufen“
Die deutsche Biogastechnik genießt weltweit ein hohes Ansehen, sagt Frank Paulmichl, Geschäftsführer der in diesem Bereich tätigen gleichnamigen Firma. Aktuell entsteht auf dem Werksgelände in Gebrazhofen eine neue Logistikhalle mit modernen Büroräumen.
Zusammen mit neuen Prozessen und entsprechender Softwarelösung gehe es um eine Investitionssumme von rund vier Millionen Euro, betont Paulmichl. Geld, das ganz bewusst in den Standort bei Leutkirch fließe. Das Unternehmen, das 2010 noch acht Mitarbeiter beschäftigte und inzwischen über 80 Arbeitsplätze bietet, blickt grundsätzlich optimistisch in die Zukunft.
Sorge um den deutschen Markt
Dass Paulmichl hier das Wörtchen „grundsätzlich“ davorsetzt, liegt am heimischen Markt. In der Kernbranche des Unternehmens, der Biogastechnik, werde die Situation in Deutschland wirtschaftlich immer schwieriger. Die Firma stellt vor allem Rührwerke, Separatoren und Pumpen her.
Zu allgemeinen Herausforderungen, mit denen viele Wirtschaftsbereiche zu kämpfen haben - etwa ein langsamer Breitbandausbau und bürokratische Hürden -, stehe mit dem Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle 2027 für viele Betreiber die Frage im Raum, welche Perspektiven Biogasanlagen künftig überhaupt noch haben.
Seit der Beschluss der Bundesregierung bekannt ist, macht der Fachverband Biogas mobil. Der Beschluss schaffe allein aufgrund des begrenzten Ausschreibungsvolumens nur für einen Teil der Branche eine Zukunftsperspektive - und werde den vielfältigen Leistungen von Biogasanlagen für Versorgungssicherheit, Wärmeversorgung, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung nicht gerecht.
Düstere Zukunftsaussichten
Wie düster die Zukunftsaussichten für die Biogasanlagen auch hier in der Region aus ihrer Sicht sind, betonen bei einem Gespräch mit der Redaktion neben Paulmichl auch Markus Marschall, ebenfalls Geschäftsführer bei Paulmichl, Konrad Kling, Betreiber und Planer von Biogasanlagen, sowie Achim Bischofberger, Landwirt und Betreiber einer Biogasanlage.
„Die neuen Anforderungen, insbesondere die hohen Investitionskosten und die Bürokratie, erschweren den Weiterbetrieb kleiner Anlagen erheblich“, erklärt Bischofberger. Er geht - unter Verweis auf die Einschätzung des Fachverbands zur EEG-Novelle - davon aus, dass bis zu 75 Prozent der Anlagen vor dem Aus stehen.
Kling berichtet von den bürokratischen Hürden: „Genehmigungsverfahren sind ein riesiges Problem. Sobald wir die Flexibilisierung (um Strom gezielt dann zu produzieren, wenn es etwa zu wenig Wind- und Solarstrom gibt, Anm. d. Red.) angehen, kommen wir in aufwendige Verfahren, die uns enorm belasten.“ Besonders problematisch sei der Netzanschluss, der vielerorts fehle. „Selbst wenn wir wollten, könnten wir oft nicht flexibilisieren, weil die Infrastruktur nicht vorhanden ist“, so Kling.
Investitionen werden blockiert
„Die derzeitige Gesetzeslage blockiert viele sinnvolle Investitionen. Das ist nicht nur für Betreiber, sondern auch für die gesamte Zulieferindustrie ein großes Problem“, ergänzt Marschall. Er weist darauf hin, dass Deutschland im internationalen Vergleich zurückfalle. „Während andere Länder wie Frankreich oder Dänemark massiv auf Biomethan setzen, wird diese Technologie hierzulande kaum gefördert.“
Alle betonen die Bedeutung der Biogasanlagen für die regionale Wertschöpfung. „Die Anlagen tragen dazu bei, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Landwirte investieren vor Ort, und das Geld fließt in die lokale Wirtschaft“, erklärt Kling. Gleichzeitig sei Biogas ein wichtiger Baustein für die Energiewende. „Wir können Strom und Wärme direkt vor Ort produzieren und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Kling weiter.
Chancen für die Landwirtschaft
Bischofberger verweist auf die Möglichkeiten, die Biogas für die Landwirtschaft bietet. „Für viele Betriebe ist Biogas eine wichtige Säule, um wirtschaftlich stabil zu bleiben. Es ermöglicht uns, flexibel auf Marktbedingungen zu reagieren und gleichzeitig einen Beitrag zur Energieversorgung zu leisten.“
Mit Blick auf die Chancen, die Biomethan als Alternative zum fossilen Gas bietet, hebt Paulmichl die Bedeutung der Gasnetze hervor. „Es ist unverständlich, dass in Deutschland über die Stilllegung der Gasnetze diskutiert wird. Diese Infrastruktur ist essenziell, um Biomethan zu verteilen und die Energiewende voranzutreiben“, erklärte er.
Generell sind die vier Gesprächsteilnehmer von der Bundespolitik enttäuscht. Vor allem von Kanzler Friedrich Merz, dem im Vorfeld eine hohe Wirtschaftskompetenz zugesprochen wurde, hätten sie sich mehr erwartet. Verheerend für die Biogasbranche sei auch, dass mit Katherina Reiche im Prinzip eine Lobbyistin der fossilen Gasbranche im Wirtschaftsministerium sitze. „Dabei haben wir gedacht, mit der CDU wird es besser“, so Bischofberger. Zumal die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag noch in eine andere Richtung gegangen seien.
Enttäuscht von der Politik
Er macht seiner Enttäuschung Luft: „Mittlerweile denke ich mir: Dann lasse ich es eben gut sein. Dann werfen wir unseren Mist wieder wie vor sechzig Jahren auf den Misthaufen. Und dann sollen sie schauen, wie sie über ihre LNG-Terminals genügend Gas reinholen, um die Gasspeicher für den Winter zu füllen.“ Von der Politik würde Bischofberger zumindest Verlässlichkeit erwarten, dabei haben sich schon durch das Biomassepaket im vergangenen Jahr die Bedingungen rückwirkend verschlechtert.
Trotz der Sorgen um die deutsche Biogasbranche blickt die Firma Paulmichl optimistisch in die Zukunft. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht und sind gut aufgestellt, um die kommenden Aufgaben zu meistern“, erklärte Paulmichl. „Wir sind in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien aktiv. Besonders in Ländern wie Indien und Brasilien sehen wir großes Potenzial“
Kontinuierliche Weiterentwicklung
Klar sei aber auch: Wenn es bei der heimischen Biogasbranche so weitergeht, müsse man schauen, wie man das eigene Geschäftsfeld entsprechend anpasst. Denn um in der Biogastechnik vorn mit dabei bleiben zu können, braucht es eine kontinuierliche Weiterentwicklung. „Stillstand ist in unserer Branche keine Option. Wir müssen unsere Produkte konstant optimieren“, so Paulmichl.
Und dafür brauche es auch direkt vor Ort Biogasbetreiber wie Bischofberger, die offen für Innovation, immer auf der Suche nach neuen Lösungen sind. Und es so auch der Firma Paulmichl ermöglichen, neue Produkte direkt in einem laufenden Betrieb zu testen. Nur so könnten am Ende Produkte entstehen, die weltweit begehrt sind und bleiben.
Möglichkeiten zur Erweiterung
Die vier setzen ihre ganzen Hoffnungen nun auf die Landespolitik. Vielleicht, so Kling, scheitert die EEG-Novelle in ihrer aktuellen Form ja doch noch am Bundesrat.
Bei der Firma Paulmichl lässt man sich jedenfalls nicht unterkriegen: Die neue Logistikhalle mit rund 500 Palettenstellplätzen, die vor allem mit regionalen Handwerksbetrieben gebaut wurde und bei der derzeit der Innenausbau läuft, wurde bewusst so geplant, dass sie bei Bedarf noch erweitert werden kann.