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Darmkrebs: Häufiger Magenkeim könnte das Risiko erhöhen

Gesundheit

Weltweit jeder Zweite trägt es in sich

Dieses Bakterium hängt häufig mit Darmkrebs zusammen

Von Astrid Clasen

11.09.2026 - 16:47 UhrLesedauer: 3 Min.

Darmkrebs zählt zu den häufigeren Krebserkrankungen in Deutschland. Ein weitverbreiteter Magenkeim kann womöglich das Risiko für seine Entstehung erhöhen.

Das Bakterium Helicobacter pylori, das sich beim Menschen dauerhaft im Magen ansiedeln kann, könnte mit mehr als jedem fünften Darmkrebsfall weltweit in Verbindung stehen. Dies legt eine im Fachjournal "eGastroenterology" veröffentlichte Studie nahe. Danach haben Menschen, die mit dem Magenkeim infiziert sind, ein rund 1,6-fach höheres Darmkrebsrisiko als Nichtinfizierte.

Schon gewusst?

Allein in Deutschland tragen Millionen Menschen den Magenkeim Helicobacter pylori in sich: Circa 30 Prozent der Bevölkerung sind hierzulande mit dem Bakterium infiziert. Die Ansteckung erfolgt für gewöhnlich in der frühen Kindheit. Dazu kommt es aber aufgrund besserer hygienischer Bedingungen immer seltener, weshalb es unter älteren Menschen mehr Infizierte gibt als unter jüngeren: Bei Jugendlichen beträgt ihr Anteil rund 10 Prozent und bei Erwachsenen rund 50 Prozent.

Zusammenhang mit Magenkrebs gut belegt

Ohne Behandlung bleibt eine Infektion mit Helicobacter pylori meist lebenslang bestehen und verursacht eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut. 80 Prozent der Fälle bleiben unbemerkt. Die Infektion kann aber auch eine Verdauungsstörung mit Oberbauchbeschwerden sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre verursachen. Seltener führt die Infektion zu einer bestimmten Form von Lymphdrüsenkrebs, dem MALT-Lymphom, oder zu Magenkrebs.

Dass die Infektion mit Helicobacter pylori ein wesentlicher Risikofaktor für Magenkrebs ist, ist wissenschaftlich so gut belegt, dass das Bakterium offiziell als eindeutig krebserregend für den Menschen gilt. Ob es auch das Risiko für Darmkrebs erhöht, ist hingegen seit Jahren umstritten, obwohl sich entsprechende Hinweise mehren. Mit einer neuen Studie versuchte daher ein Forschungsteam, den möglichen Zusammenhang zwischen der Infektion und Darmkrebserkrankungen zu beziffern.

Zusammenhang mit Darmkrebs im Fokus

Das Forschungsteam analysierte Daten aus 43 bereits vorhandenen Studien mit insgesamt knapp 48,7 Millionen Menschen und kombinierte sie mit den weltweiten Krebszahlen des Jahres 2022 aus dem Register des Global Cancer Observatory. In jenem Jahr war Darmkrebs für fast zwei Millionen Neuerkrankungen und rund 900.000 Todesfälle verantwortlich.

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Das Ergebnis: Fasste das Team die Daten aller einbezogenen Studien zusammen, konnte es etwa 22 Prozent der weltweiten Darmkrebsfälle mit einer Helicobacter-pylori-Infektion in Verbindung bringen. Beschränkte es die Rechnung auf die 14 aussagekräftigsten Studien – bevölkerungsbasierte Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen –, sank der Anteil allerdings auf 12 Prozent.

Große regionale Unterschiede

Am höchsten war der Anteil der mit Helicobacter pylori verbundenen Darmkrebsfälle in der Mongolei (36 Prozent) und im westlichen Pazifikraum (25 Prozent). In Afrika, Südostasien und im östlichen Mittelmeerraum ließen sich hingegen deutlich weniger Darmkrebsfälle mit dem Magenkeim in Verbindung bringen, obwohl er dort ähnlich verbreitet ist. Geschlecht, Alter und Nachweismethode hatten keinen Einfluss auf die Ergebnisse.

Jüngere Jahrgänge stärker betroffen

Eine ergänzende Auswertung deutet darauf hin, dass der mit Helicobacter pylori verbundene Anteil an Darmkrebsfällen bei später Geborenen ansteigt: von rund 9,5 Prozent bei vor 1947 Geborenen auf etwa 15 Prozent bei den Jahrgängen 1963 bis 1977.

Beseitigung des Keims könnte schützen

Überdies haben vier ausgewertete Beobachtungsstudien gezeigt: Wer bei einer Helicobacter-pylori-Infektion Antibiotika erhält, um den Magenkeim vollständig aus dem Körper zu entfernen (sogenannte Eradikationstherapie), hat ein geringeres Darmkrebsrisiko. Dieser Schutzeffekt war allerdings erst nach etwa zehn Jahren feststellbar.

Einschränkungen der Studie

Zu beachten ist allerdings, dass die neue Studie auf Beobachtungsdaten und Modellrechnungen beruht. Sie zeigt nur, wie häufig Helicobacter pylori und Darmkrebs gemeinsam auftreten – der Beweis, dass der Keim die Erkrankung direkt verursacht, ist damit nicht erbracht.

Das Forschungsteam betont selbst, dass andere Risikofaktoren wie Alter, erbliche Veranlagung, Ernährung und Lebensstil weltweit einen deutlich größeren Anteil der Darmkrebsfälle erklären. Die Ergebnisse sprechen also keinesfalls für einen breiten Einsatz von Antibiotika, der schon allein wegen des Risikos neuer Resistenzen und Nebenwirkungen bedenklich wäre.

Ein positiver Ausblick

Sollte sich der Zusammenhang zwischen Helicobacter pylori und Darmkrebs in zukünftigen langfristigen Studien bestätigen, würde sich damit aber eine Chance eröffnen: Gerade in Regionen mit hoher Infektionsrate könnte dann eine gezielte Kontrolle des Magenkeims helfen, Darmkrebs – und zugleich Magenkrebs – vorzubeugen.

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