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Das Cabrio stirbt aus: Warum kaum noch jemand offen fährt

Wirtschaft

Niemand will noch diese Autos

Das leise Sterben eines Statussymbols

Von t-online, mab

05.07.2026 - 14:43 UhrLesedauer: 2 Min.

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Das Cabrio stirbt keinen bühnenreifen Tod, es rollt still aus dem Sortiment. Warum eine ganze Fahrzeuggattung verschwindet und was das für den letzten deutschen Produktionsstandort bedeutet.

Wer heute mit offenem Verdeck durch Deutschland fährt, fällt auf. Allerdings ernten die Fahrer nicht mehr Neid, sondern eher Irritation. Das Cabrio, jahrzehntelang die fahrbare Unabhängigkeitserklärung des Mittelstands, ist zum automobilen Anachronismus geworden.

Die nackten Zahlen des vergangenen Jahres sind ernüchternd: Das Kraftfahrt-Bundesamt zählte nicht einmal mehr 34.000 Neuzulassungen. Das entspricht einem Marktanteil von lediglich 1,5 Prozent. Vor zwanzig Jahren, als der Boom seinen Zenit erreichte, waren es noch 150.000. Damals leistete sich fast jeder zwanzigste Neuwagenkäufer den Luxus, auf das feste Dach zu verzichten.

Heute verzichtet die Autoindustrie einfach auf das Cabrio.

Panzer statt Lebensfreude

Das Epizentrum dieses Abschieds liegt in Osnabrück. Bei der Karosserieschmiede Karmann wurden einst Erfolgsgaranten der Frischluftkultur gebaut. Der Käfer etwa oder das Golf Cabrio. Heute gehört das Werk zu Volkswagen und von den Bändern läuft die offene Variante des T-Roc. Es ist das letzte Cabrio eines deutschen Massenherstellers. Doch spätestens in einem Jahr ist Schluss.

VW-Markenchef Thomas Schäfer verkündete den Produktionsstopp mit dem nüchternen Hinweis, dass die Verkaufszahlen seit Jahren einbrechen. Besonders pikant ist die geplante Nachnutzung für den Traditionsstandort: Wo früher unbeschwerte Leichtigkeit zusammengeschraubt wurde, sollen bald Rüstungsteile gefertigt werden. Es ist die maximale Kehrtwende von der Genusskultur zur harten Realität.

Aber warum stirbt eine Fahrzeuggattung, deren Name sich einst stolz vom französischen Verb "cabrioler" (Luftsprünge machen) ableitete?

Das Diktat der Controller

Die Antwort liegt im kühlen Diktat der Controller. Ein Cabrio zu bauen, ist ein logistischer und technischer Kraftakt. Schneidet man einem Auto das Dach ab, verliert es seine Stabilität. Die Ingenieure müssen die Karosserie mit schweren Stahlstreben künstlich verstärken, die Aerodynamik neu berechnen und die Crashsicherheit neu denken. Beim T-Roc Cabrio führte das dazu, dass aus dem praktischen Viertürer ein komplett eigenständiger Zweitürer wurde.

Früher leisteten sich Konzerne solche Prestigeobjekte, um ihr Markenimage emotional aufzuladen. Im Zeitalter von Renditejagd und globaler Gleichteile-Strategie gilt diese Vielfalt schlicht als unbezahlbarer Luxus.

Das sind die Top-Fragen des Tages:

Ein Privileg für Reiche

Deshalb dünnt sich das Angebot aus. Eine der wenigen Ausnahmen im bezahlbaren Massenmarkt bleibt Mini: Die BMW-Tochter hat den Produktionsstopp ihres offenen Modells aufgeschoben und bedient dieses Segment künftig fast allein.

Auch die Elektromobilität bringt keine Rettung. Batterien im Unterboden vertragen sich schlecht mit den nötigen Versteifungen einer offenen Karosserie. Der elektrische Fiat 500 rettet sich nur mit einem stehen gelassenen Dachrahmen über die Definitionshürde, und MGs Cyberster bleibt mit einem Preis von 65.000 Euro ein Nischenphänomen.

Der lautlose Abschied

In Osnabrück hofft die Belegschaft nun auf einen letzten sonnigen Sommer, der die Bestellungen für den T-Roc noch einmal belebt. Es ist ein kurzes Innehalten vor einem unaufhaltsamen Trend. Das Cabrio verschwindet von unseren Straßen, jedoch nicht als letzter Akt eines großen Dramas. Es rollt einfach stillschweigend aus dem Sortiment.

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